Raubzug der Wikinger (The Long Ships, 1963)

Raubzug der Wikinger

Dieser Film mit dem Originaltitel “The Long Ships” aus dem Jahr 1963 von Regisseur Jack Cardiff basiert auf Frans Bengtssons berühmtem Roman “Die Abenteuer des Röde Orm”. Allerdings wurde die Handlung stark abgeändert. In den Hauptrollen sind Richard Widmark als Rolf, Russ Tamblyn als Orm und Sidney Poitier als Scheich El Mansuh zu sehen.

Zu Beginn wird der Wikinger Rolf, der sich im Orient aufhält, dem dort herrschenden Scheich El Mansuh vorgeführt. Dieser sucht nach einer sagenhaften goldenen Glocke, von deren Existenz auch Rolf überzeugt ist, da er sie bei einer Schiffsfahrt im Nebel erklingen hörte. Es gelingt ihm zu flüchten und nach Skandinavien zurückzukehren, wo gerade am Hof seines Vaters König Harald von Dänemark zu Gast ist, da er ein Schiff kaufen will. Rolf überzeugt seinen Bruder Orm, mit ihm auf die Suche nach der Wunderglocke zu fahren. Sie nehmen König Haralds Tochter Gerda als Geisel, stehlen das Schiff mitsamt einigen Männern der Besatzung und stechen in See. Harald läßt sofort etliche seiner Schiffe zur Verfolgung ausrüsten.

Während der Reise kommt es zu Schwierigkeiten mit der Besatzung, doch plötzlich hören sie die Glocke ertönen. Nun kommt ein starker Sturm auf und sie werden an der maurischen Küste angespült. Es stellt sich heraus, daß sie im Gebiet El Mansuhs gelandet sind, welcher sie sofort gefangennehmen läßt und wiederum erfahren will, wo sich die Wunderglocke befindet. Als wirklich einer den Standort verrät, kann Mansuh noch immer nicht dorthin aufbrechen, da er selbst weder geeignete Seeleute noch Schiffe für die gefährliche Reise besitzt. Er benötigt also die Hilfe der Wikinger, und nach einigem hin und her einigt man sich darauf, daß das Langschiff repariert wird und mit den Nordmännern als Besatzung sowie der Leibgarde Mansuhs dorthin fahren wird.

Sie entdecken tatsächlich auf einer felsigen Insel die riesige Glocke, welche sie dann an Mansuhs Hof transportieren. Dort angekommen stellt sich heraus, daß inzwischen König Harald dort gelandet ist und die Mauren besiegt hat. Es kommt zum Kampf zwischen Wikingern und Arabern, bei welchem Mansuh stirbt. Harald verzeiht Rolf den Diebstahl seines Bootes und die Entführung seiner Tochter, da er nun ja die Glocke als Ausgleich besitzt.

Ursprünglich hatte ich betreffs der Verfilmung dieses erstklassigen Romans hohe Erwartungen, doch dieser Film ist im Vergleich zum Buch absolut lächerlich. Er bedient mal wieder zahlreiche Wikingerklischees: Bei einer Feier saufen die Nordmänner ununterbrochen Met und prügeln sich, sie wollen bei der Seefahrt eine Jungfrau opfern, um die Götter zu besänftigen und sind selbstverständlich allesamt groß, blond und blauäugig.

Die eigentliche Geschichte aus dem Roman wurde völlig abgeändert und ist kaum noch zu erkennen. Ab und zu tauchen plötzlich einzelne Szenen aus dem Buch auf, als zum Beispiel einer der Wikinger bei der Schiffsreparatur einen Aufseher in den Teerkübel wirft. Der Regisseur scheint sich nach Belieben einzelne Stücke der Geschichte genommen und sie zufällig aneinandergereiht zu haben – der Rest des Films entspringt seiner eigenen Fantasie. Die Hauptfiguren haben überhaupt nichts mit denen des Romans gemeinsam.

Dazu kommt noch, daß das Ganze völlig unrealistisch ist: Harald Blauzahn hat mit Sicherheit nicht im Orient einen ganzen Maurenstaat erobert, mal abgesehen davon, daß mit “Orient” in diesem Fall eigentlich Spanien gemeint sein muß, denn dort lebten zur Wikingerzeit Araber (auch die Handlung des Buches spielt teilweise dort) – eine Tatsache, die dem Regisseur wohl unbekannt gewesen sein muß. Des weiteren fällt die riesige Goldglocke einen steilen, felsigen Berg hinunter ins Wasser, wo sie seltsamerweise auf der Oberfläche schwimmt und nicht den geringsten Kratzer abbekommen hat… Außerdem wurde immer in der gleichen Landschaft gefilmt (in Jugoslawien), weshalb man auch zwischen der Heimat der Wikinger, Skandinavien, und der der Mauren keinerlei Unterschied erkennen kann. Manchmal fragt man sich sogar, ob der ganze Film vielleicht eine Kömodie darstellen soll, da etliche Szenen auf witzig gedrillt sind – lachen konnte ich allerdings über diese lahmen Späßchen nicht.

Auf der Grundlage des “Röde Orm” hätte man einen genialen Film drehen können. Doch dieser Schrott ist lediglich billigste Unterhaltung ohne jegliche innere Logik.

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