Große Wikingerhalle in Schweden gefunden

In der Nähe von Vadstena in Östergötland in Südschweden haben Archäologen eine große, wikingerzeitliche Halle entdeckt, wie die Universität Stockholm vor Kurzem meldete (die Pressemitteilung in englischer Sprache). Der dortige so genannte Aska-Hügel  wurde bislang von Forschern als gewöhnlicher Grabhügel angesehen. Er ist an seiner Oberfläche 55 Meter lang, 18 Meter breit und durchschnittlich 3 Meter hoch. Bei Untersuchungen Mitte der 1980er Jahre wurden in ihm sowohl ein für Gräber typischer Steinhaufen als auch Reste von Pferdeknochen gefunden – Pferde wurden in der Wikingerzeit häufig mitsamt ihren Eigentümern bestattet. Fest stand jedenfalls, dass der ovale und an der Oberseite flache Hügel nicht natürlichen Ursprungs ist, sondern von Menschen wohl in der Zeit zwischen 660 und 880 n. Chr. errichtet worden war.

Archäologen der Universitäten Stockholm und Umeå untersuchten nun diesen Hügel  erneut. Hierzu verwendeten sie Bodenradar, das es erlaubt, unter der Oberfläche liegende Strukturen zu erkennen und in hoher Auflösung darzustellen, ohne Grabungen vorzunehmen. Dabei wurden die Pfostenlöcher eines dreischiffigen Gebäudes mit einer Länge von insgesamt 47,5 Metern erkennbar. Die größte Breite des doppelwandigen Langhauses betrug 14 Meter, im Innenraum 9 Meter. Etwa in der Mitte des Gebäudes konnte eine Struktur festgestellt werden, die wahrscheinlich eine Feuerstelle von circa 2,5 Metern Durchmesser darstellt. Vier Eingänge, je zwei gegenüberliegend an den Ost- und Westenden der Halle, sowie zu diesen hinaufführende Rampen sind erkennbar. Pfostenlöcher außerhalb des Gebäudes vor dem südwestlichen Eingang deuten darauf hin, dass dieser mit einem überdachten Vorbau versehen war.

Somit ist nun erwiesen, dass es sich bei dem Aska-Hügel um eine ungewöhnliche lange Plattform für eine große Halle handelt, vergleichbar mit denen, die in Skandinavien an anderen bedeutenden Orten der Wikingerzeit gefunden wurden, wie etwa Sigtuna in Schweden oder Lejre auf der dänischen Insel Seeland. Die größten baulichen Ähnlichkeiten weißt der neue Fund mit der in Alt-Uppsala ausgegrabenen Königshalle auf (ein 3D-Modell dieser Halle finden Sie hier).

Die Aska-Halle dürfte unmittelbar nach Fertigstellung des Hügels selbst und somit im 8. oder 9. Jahrhundert errichtet worden sein. Der Fund eines so prächtigen Gebäudes deutet darauf hin, dass Aska ein wikingerzeitlicher Sitz von Kleinkönigen war, die über Östergötland herrschten. Für diese Interpretation sprechen auch mehrere Gräber mit reichen Beigaben, die bereits früher in der Nähe des Hügels gefunden worden waren. Schriftliche Quellen über diese offenbar mächtige und über enorme Ressourcen verfügende Herrscherfamilie existieren allerdings nicht.

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Wikingerausstellung in Tongeren

Vom 18. Oktober 2014 bis 15. März 2015 zeigt das Gallo-Römische Museum in Tongeren (Belgien) eine Ausstellung über die Wikinger. Der Fokus liegt dabei nicht auf deren Raubzügen, sondern dem Alltagsleben im wikingerzeitlichen Norden sowie der Rolle von Frauen in der wikingischen Gesellschaft. Hunderte Objekte – die meisten davon Leihgaben des Schwedischen Historischen Museums in Stockholm – werden in der Ausstellung in Kombination mit einer großen Videoinstallation über die Lebenswelt der Wikinger gezeigt. Sowohl die Videos als auch ein kostenloser Audioführer für die Ausstellung sind in deutscher und englischer Sprache verfügbar, so dass die Ausstellung auch für ein internationales Publikum interessant ist. Für Kinder gibt es eine eigene Version des Audioführers und verschiedene kreative Mitmachangebote. Am Wochenende vom 30. Januar bis 1. Februar 2015 wird zudem in Tongeren ein großes Wikingerfestival mit Teilnehmenden aus ganz Europa stattfinden. Die Anreise nach Tongeren ist günstig und umweltfreundlich mit dem Ticket “Europa-Spezial Kultur” der Deutschen Bahn möglich.

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Spektakuläre Funde in Schottland und Norwegen

Britische und norwegische Medien berichten heute von neuen, spektakulären Fundstücken aus der Wikingerzeit sowohl in Schottland als auch im südwestlichen Norwegen.

Bereits im September hat laut der BBC ein Hobbyschatzsucher im schottischen Dumfriesshire einen Hort entdeckt, der wohl im späten 9. oder im 10. Jahrhundert vergraben worden war. Die mehr als 100 goldenen und silbernen Gegenstände, darunter zahlreiche Armbänder und Fibeln, stammen aus Irland, Skandinavien und Mitteleuropa. Die spektakulärsten Stücke aus dem Hort sind ein prächtiges, silbernes Kreuz mit Emailleeinlagen sowie ein silberner Kessel mit Deckel aus dem Frankenreich – möglicherweise der größte je gefundene. Der Gesamtwert des Wikingerschatzes soll im sechsstelligen Bereich liegen.

Dem norwegischen staatlichen Rundfunk (NRK) zufolge haben zudem Amateure an diesem Wochenende in Südwestnorwegen mit Hilfe von Metalldetektoren insgesamt mehr als 50 Einzelstücke gefunden. Als besonders interessant beurteilen Archäologen einen runden Beschlag, der wohl einen Reitsattel schmückte und aus dem England oder Irland des 10. Jahrhunderts stammen dürfte. Zu den weiteren Funden zählen unter anderem ein Gewicht (ebenfalls aus der Wikingerzeit), zwei Fibeln aus der Zeit um 500 n. Chr. sowie ein Bleiamulett mit Runeninschrift, das auf etwa 1100 datiert wird. Alle Funde wurden in der Nähe des Hafrsfjord gemacht, wo im Jahr 872 die entscheidende Seeschlacht stattgefunden haben soll, in deren Folge Harald Schönhaar als König die Herrschaft über einen großen Teil des heutigen Norwegens erlangte.

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Die Wikinger (Ausstellungskatalog, 2014)

‘Die Wikinger’ im Berliner Martin-Gropius-Bau vom 10.09.2014 bis 04.01.2015 ist die größte Wikingerausstellung in Deutschland seit mehr als 20 Jahren. Sie wurde durch eine Zusammenarbeit des Dänischen Nationalmuseums, des British Museum und des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin möglich. Der zur Ausstellung erschienene, fast 300 Seiten starke und reichhaltig mit Farbfotos bebilderte Katalog ermöglicht Besuchern eine thematische Vertiefung des Gesehenen und bietet allen, die es nicht nach Berlin (oder an die vorherigen Ausstellungsorte Kopenhagen und London) geschafft haben, einen Eindruck von den gezeigten Objekten und deren geschichtlichen und archäologischen Hintergründen.

Die Wikinger – Ausstellungskatalog

Wie in der Ausstellung selbst geht es auch im Katalog nicht darum, einen umfassenden Einblick in möglichst viele Aspekte der Wikingerzeit zu vermitteln. Stattdessen liegt der Fokus auf fünf großen Themenbereichen: Kontakte und Austausch, Krieg und Eroberung, Macht und Herrschaft, Glaube und Ritual sowie Schiffe der Wikinger. Ausgewiesene Experten haben Artikel zu diesen Themen verfasst, in denen sie einerseits generelles Hintergrundwissen und neue Forschungsergebnisse vermitteln, andererseits auf die jeweils abgebildeten Ausstellungsstücke Bezug nehmen.

Während viele der Exponate altbekannte, immer wieder gezeigte Stücke darstellen, sind auch einige Neufunde darunter, wie etwa eine erst vor wenigen Jahren bei Lejre in Dänemark entdeckte Silberfigur, die möglicherweise den Gott Odin darstellt. Zentrum der Ausstellung und Höhepunkt auch des Katalogs ist aber die ‘Roskilde 6’ – das mit mehr als 37 Metern längste bislang bekannte Wikingerschiff. Dieses 1997 entdeckte, beeindruckende Schiff wird nun erstmals der Öffentlichkeit  präsentiert. Besonders interessant ist die im Katalog enthaltene Beschreibung der aufwendigen Bergung, Konservierung und Aufbereitung des Schiffs, die insgesamt 15 Jahre in Anspruch nahm. Auch etliche der anderen Texte gehen auf neueste archäologische Erkenntnisse ein, etwa zu dem wikingerzeitlichen Handelsplatz Wiskiauten nahe des heutigen Kaliningrads, oder zu bislang noch nicht publizierten, außergewöhnlichen Funden an der Opferstätte Götavi in Schweden.

Etwas schade ist allerdings, dass zu vielen der abgebildeten Stücke kaum mehr Informationen als Fundort, Datierung, Maße und jetziger Aufbewahrungsort gegeben werden. Oft hätte ich mir eine ausführlichere Beschreibung etwa des Fundkontextes gewünscht. Ausstellung und Katalog haben zudem nicht die Chance genutzt, auf in der öffentlichen Aufmerksamkeit vernachlässigte, aber in jüngsten Jahren zunehmend besser erforschte Aspekte der Wikingerzeit aufmerksam zu machen: Etwa das Alltagsleben auf wikingerzeitlichen Bauernhöfen fernab großer Heldentaten und Handelsrouten; die gesellschaftliche Rolle von Frauen; die Lebensbedingungen nicht privilegierter Bevölkerungsgruppen (insbesondere ärmerer Menschen und Sklaven) sowie Nutzung und Prägung ihrer natürlichen Umwelt durch die damals lebenden Menschen.

Stattdessen wird im Katalog ein recht einseitiges, auf die Reichen und Mächtigen der Wikingerzeit beschränktes Bild vermittelt. Dabei glorifizieren die Texte gelegentlich auch ‘kulturelle Kontakte’ eher unschöner Art, wenn es etwa heißt, die Wikinger hätten „wirtschaftlichen Austausch unter anderem durch Plünderungen“ (S. 31) gepflegt. Worin der ‘Austauschs’-Wert  für die Geplünderten besteht, bleibt unklar. Dabei verweist doch selbst die Titelabbildung des Katalogs, die eines der berühmten Wikingerschwerter mit so genannter ‘Ulfberht’-Klinge zeigt, auf die zuweilen recht negativen Aspekte wikingerzeitlicher wirtschaftlicher ‘Globalisierung’:  Diese im Frankenreich hergestellten Klingen wurden von Wikingern erworben und anschließend genutzt, um unter anderem die Franken anzugreifen und auszurauben. Waffenexporte waren also schon damals mittel- und langfristig betrachtet nicht unbedingt eine schlaue Idee. Hier böte uns die Wikingerzeit eine großartige Gelegenheit, aus der Geschichte zu lernen.

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Gab es Wikingerkriegerinnen?

Kriegerische Wikingerfrauen: Schon in den mittelalterlichen Sagas erfreuen sie sich großer Beliebtheit, und das hat sich kaum geändert. So tauchen Wikingerkriegerinnen zum Beispiel in beinahe jeder Folge der Fernsehserie Vikings auf.

Freydís, die Tochter Eriks des Roten, soll laut den Sagas mit einer Axt Morde  begangen und mit einem Schwert, das sie sich gegen die nackte Brust schlug, Angreifer verjagt haben.

Freydís, die Tochter Eriks des Roten, soll laut den Sagas mit einer Axt Morde begangen und mit einem Schwert, das sie sich gegen die nackte Brust schlug, Angreifer verjagt haben.

Doch gab es sie wirklich? Der Archäologe Leszek Gardeła ist dieser Frage nachgegangen. Er verglich wikingerzeitliche Grabfunde aus Dänemark, Schweden und Norwegen, bei denen Frauen mit Waffen bestattet worden waren.

Sein Fazit: Es gibt tatsächlich einige Frauengräber aus der Wikingerzeit, in denen Waffen wie Messer, Äxte oder Pfeile gefunden wurden. Speere oder Schwerter jedoch wurden Frauen offenbar so gut wie nie mit ins Grab gegeben. Und selbst bei den erstgenannten Funden ist meist unklar, ob beispielsweise Äxte tatsächlich als Waffen oder eher als Werkzeuge benutzt wurden. Somit lässt sich bis auf Weiteres nicht mit Sicherheit sagen, ob Frauen tatsächlich als Kriegerinnen an Wikingerzügen teilnahmen. Möglicherweise liefern ja zukünftige Ausgrabungen überraschende Antworten auf diese Frage.

Leszek Gardełas Aufsatz “‘Warrior-women’ in Viking Age Scandinavia?” kann hier in englischer und polnischer Sprache abgerufen werden.

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Vikings (Fernsehserie)

Die 2013 erstmals ausgestrahlte kanadisch-irische Fernsehserie Vikings erzählt in bislang vier Staffeln mit knapp 40 Folgen die Geschichte des legendären Wikingers Ragnar loðbrók.

Ragnar (dargestellt von Travis Fimmel) ist die ewigen Plünderfahrten ins Baltikum leid, auf die ihn und seine Gefährten der alternde Jarl Haraldson alljährlich schickt. Mit der Hilfe des Schiffsbauers Flóki (Gustaf Skarsgård) gelingt es ihm, ein hochseetaugliches Schiff zu entwickeln. Mit diesem erreichen er und seine Mannschaft England und plündern dort das reiche Kloster Lindisfarne. Bei der Rückkehr nach Skandinavien kommt es zum offenen Konflikt mit dem Jarl, den Ragnar schließlich im Zweikampf tötet – wodurch Ragnar nun selbst den Jarlsrang einnehmen kann. Es folgen weitere Raubzüge nach England, bei denen Ragnar von dem northumbrischen König Ella große Mengen Gold und Silber erpressen kann. Doch Ragnar hat noch weitaus größere Pläne…

So blutig - wie hier im Sagamuseum in Reykjavík - geht es auch bei Vikings häufig zu.

So blutig – wie hier im Sagamuseum in Reykjavík – geht es auch bei Vikings häufig zu.

Vikings, das 2014 erstmals auch in Deutschland zu sehen war, hat es in englischsprachigen Ländern und in Skandinavien, wo die Serie schon seit 2013 ausgestrahlt wird, zu enormer Beliebtheit gebracht. Ein Grund dafür dürfte die weite Perspektive sein: Offenbar ist es die Absicht des Drehbuchautors Michael Hirst, nach und nach die gesamte Geschichte der Wikingerzeit durch eine zusammenhängende Erzählung abzudecken. So plündert Ragnar in der dritten Staffel der Serie Paris – ein Ereignis, das real im Jahr 845 stattfand, als der historische Ragnar (in den lateinischen Quellen Reginheri genannt) die Stadt attackierte. Dass man es dabei mit der Chronologie nicht so genau nehmen kann (zwischen dem Überfall auf Lindisfarne im Jahr 793 und dem auf Paris liegen ja immerhin 52 Jahre – da wäre Ragnar also so in etwa 70), ist sicher zu verschmerzen, ebenso wie die Tatsache, dass vieles an der Ausstattung keineswegs authentisch ist. Denn die Serie stützt sich keineswegs nur auf historische Überlieferung, sondern auch auf literarische Quellen wie die Saga von Ragnar loðbrók und seinen Söhnen. Diese, im mittelalterlichen Island geschrieben, macht Ragnar zu einem Drachentöter und erzählt seine Geschichte insgesamt auf eine sehr fantasievolle, aber nichtsdestotrotz faszinierende Weise. Die Serie geht auch mit dem Stoff der Saga frei um. So ist in jener Ragnar ein dänischer König, nicht ein in Norwegen lebender Jarl.

Aber das Ziel der Serie ist schließlich weder historische Zuverlässigkeit noch eine bloße Nacherzählung der Saga – sondern gute Unterhaltung zu bieten. Dabei gelingt es Vikings dennoch, ganz nebenbei nicht nur einiges an Wissen über die Wikingerzeit, sondern auch über die altnordische Mythologie zu vermitteln. Und offenbar trägt die Serie damit zu einem deutlich steigenden Interesse an diesen Themen bei: So meldete beispielsweise das Wikingerschiffmuseum in Oslo um mehr als ein Drittel gestiegene Besucherzahlen seit dem Start von Vikings.

Vikings: Die erste Staffel auf DVD.

Vikings: Die erste Staffel auf Blu-ray.

Vikings: Die 2. Staffel auf Blue-Ray

Die 2. Staffel von Vikings auf DVD

Vikings: Staffel 3 auf DVD

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Wikingerausstellung kommt nach Berlin

Eine große Wikingerausstellung wird am 10. September 2014 im Martin-Gropius-Bau in Berlin eröffnet. Viele einzigartige archäologische Fundstücke, darunter ein wikingisches Kriegsschiff aus Roskilde in Dänemark, zählen zu den Ausstellungsstücken.

Die Ausstellung war voriges Jahr im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen zu sehen und kann momentan noch bis 22. Juni im British Museum in London besucht werden. In Berlin bleibt die Ausstellung bis zum 4. Januar 2015. Ein umfangreiches Begleitprogramm ist angekündigt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Arnulf Krause: Die Welt der Wikinger (2006)

Arnulf Krause: Die Welt der Wikinger

Arnulf Krause, Honorarprofessor für Skandinavistik an der Universität Bonn, hat mit „Die Welt der Wikinger“ eine fast 300 Seiten starke Einführung in die Wikingerzeit verfasst. In zehn Kapiteln beschreibt er die skandinavische Heimat der Wikinger, ihre Plünder- und Eroberungsfahrten auf die Britischen Inseln, ins Frankenreich und andere Teile Kontinentaleuropas, ihre Präsenz in Osteuropa und Byzanz (dem heutigen Istanbul) , die Erkundung und Besiedlung des Nordatlantiks einschließlich Nordamerikas, sowie die Christianisierung des Nordens und die dortige Herausbildung starker Königreiche, die das Ende der Wikingerzeit markieren. Ein weiteres Kapitel ist den Normannen als den Nachfahren der wikingischen Siedler in der Normandie und deren Eroberungen in England und Süditalien gewidmet. Auch die neuzeitliche Verklärung und literarische Rezeption der Wikingerzeit beschreibt Krause in einem eigenen Kapitel. Das Buch enthält zudem eine Zeittafel mit wichtigen Daten in chronologischer Reihenfolge sowie eine Übersicht von Museen in zahlreichen Ländern, die es sich „auf den Spuren der Wikinger“ zu besuchen lohnt. Illustriert ist der Band mit einigen Schwarz-Weiß-Fotos sowie 16 Seiten mit farbigen Abbildungen in der Buchmitte.

Das 2006 erstmals veröffentlichte Werk belegt eindrucksvoll das enorme Fachwissen des Autors sowie dessen Fähigkeit, seine Kenntnisse in allgemein verständlicher und ansprechender Weise zu präsentieren. Einziges Manko ist, dass Krause sich sehr stark an den schriftlichen Quellen orientiert, also an historischen und literarischen Texten, die aber oft viel später entstanden sind und nur bedingt zuverlässige Aussagen über die Wikingerzeit selbst ermöglichen. Neuere archäologische Erkenntnisse sind hingegen relativ wenig eingearbeitet. Insgesamt aber ist „Die Welt der Wikinger“ eine äußerst fundierte und zugleich spannend geschriebene Gesamtdarstellung zur Wikingerzeit. Wer nach einer guten Einführung in das Thema sucht, liegt hier genau richtig. Mit der 2012 im Nikol-Verlag erschienen Lizenzausgabe ist das Buch zudem zu einem sehr günstigen Preis erhältlich.

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Í skugga hrafnsins (Im Schatten des Raben, 1988)

Trausti kommt nach Jahren der Ausbildung in Norwegen zurück nach Island und gerät sofort in einen Machtkampf zwischen seiner eigenen Familie, dem reichen Eirikur und dem Bischof Hörður. Als Traustis Mutter von Eiriks Leuten getötet wird, zündet Grímur, ein Knecht Traustis, Eiriks Haus an und tötet diesen. Die Schuld fällt auf Trausti, der sich aber mit Eiriks Tochter Isold aussöhnt, was durch beider Hochzeit bekräftigt werden soll – sehr zum Unwillen des skrupellosen Bischofs, dessen Sohn Hjörleifur Isold eigentlich versprochen war …

Hrafn Gunnlaugssons Film aus dem Jahr 1988 knüpft mit seiner Geschichte an den Vorgängerfilm Hrafninn flýgur (“Der Rabe fliegt”) an. Während dieser allerdings zu Beginn der Landnahmezeit, also zwischen 870 und 930 n.Chr. spielt, bezieht sich die Handlung von “Im Schatten des Raben” auf die Zeit nach der Annahme des Christentums auf Island, d.h. nach dem Jahr 1000 (womit die chronologische Verknüpfung beider Filme streng genommen so nicht möglich ist, was aber nicht weiter stört). Zwar basiert die Handlung nicht auf historischen Geschehnissen, die karge Ausstattung in Verbindung mit der isländischen Landschaft sorgt aber für eine authentische Atmosphäre. Lobend zu erwähnen ist auch, daß der Film keinerlei Fantasyelemente enthält und trotz aller gezeigter Brutalität nicht nur aus Actionszenen besteht. Die Handlung weist immer wieder Motive aus der Sagaliteratur auf, so etwa den Kampf um einen gestrandeten Wal, die Brenna (das Verbrennen von Menschen mitsamt ihrem Haus), das Überleben des Mordbrands in einem Faß mit Molke, den feigen Sklave, der sich schon anhand seiner Augen verrätund, eindrücklich dargestellt von Sigurður Sigurjónsson . Zudem ist mit dem Tristanstoff (Trausti/Tristan und Isold, die sich aufgrund eines Zaubertranks verlieben) die bekannteste mittelalterliche Liebesgeschichte eingeflochten worden. “Im Schatten des Raben” ist ein gelungener Film, der auf die herkömmlichen Klischees verzichtet.

Im Schatten des Raben

“Im Schatten des Raben” ist unter völlig anderem Titel (“Die Rache des Wikingers”) zusammen mit dem Vorgängerfilm “Der Rabe fliegt” und einem Italo-Wikingerwestern als preisgünstige DVD-Box erhältlich.

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Sagas aus Island: Von Wikingern, Berserkern und Trollen

Herausgegeben und übersetzt von Reinhard Hennig und Rudolf Simek (2011)

Sagas aus Island – von Wikingern, Berserkern und Trollen

Dieser Band enthält mit der Saga von Egil Skalla-Grimsson (Egils saga Skalla-Grímssonar) und der Saga von Grettir (Grettis saga Ásmundarsonar) zwei mittelalterliche isländische Sagas, die zu Recht zur Weltliteratur gerechnet werden. Während die Handlung der einen fast die gesamte Wikingerzeit und ganz Nordeuropa abdeckt, liegt der Fokus der anderen auf Island selbst, wo der geächtete Held sich über viele Jahre im Hochland und auf menschenleeren Inseln verbirgt. Egil ist ein brutaler Wikinger, der auf eine lange Ahnenreihe von Berserkern mit übermenschlichen Kräften zurückblicken kann. Privat hingegen zeigt er sich als fürsorglicher Vater, der beinahe am Tod eines Sohnes zerbricht. Grettir zeichnet sich durch überragende körperliche Stärke aus, doch ist er seit seinem Kampf gegen einen unheimlichen Wiedergänger vom Unglück verfolgt. Neben diesen beiden “klassischen” Texten ist hier noch die Saga von Bard, dem Schutzgeist von Snaefell (Bárðar saga Snæfellsáss) erstmalig in deutscher Übersetzung enthalten. Auch sie wird zu den Isländersagas gezählt, doch ungewöhnlich an ihr ist, dass fast alle ihrer Charaktere aus Norwegen nach Island eingewanderte Trolle sind. Abgeschlossen wird der Band durch die fantasievolle und äußerst komische Vorzeitsaga vom Einhändigen Egil und Asmund, dem Berserkertöter (Egils saga einhenda ok Ásmundar berserkjabana).

Die Neuübersetzung der Saga von Egil Skalla-Grimsson stammt von Reinhard Hennig; die anderen drei Texte wurden von Rudolf Simek übersetzt. Der Band enthält als Orientierungshilfe ein Verzeichnis der wichtigsten Personen in den jeweiligen Sagas sowie ein Nachwort, das Hintergrundwissen zur isländischen Sagaliteratur und zu den Themen Wikinger, Berserker und Trolle vermittelt. Insgesamt umfasst der schön gestaltete Hardcover-Band fast 600 Seiten.

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