Tolkien und die nordische Mythologie

Ich fertigte die Facharbeit “Mythologie in J.R.R. Tolkiens Middle-Earth” im Englisch-Leistungskurs über die Dauer eines Jahres an. Sie umfaßt 32 Seiten und wurde mit 15 Punkten (entspricht der Note 1+) bewertet.

Der umfangreichste Teil der Arbeit vergleicht die Inhalte von Tolkiens Werken mit der germanischen, aber auch der finnischen und christlichen Mythologie und erläutert die in ersteren enthaltenen Hinweise auf Religiösität in Middle-Earth (das gesamte Inhaltsverzeichnis findet sich hier).

 Hier können Sie die Facharbeit als PDF-Datei herunterladen.

Noch ein Hinweis: Die Facharbeit ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte vorbehalten. Die Verwendung des Textes – auch auszugsweise – ohne meine ausdrückliche Genehmigung ist strafbar.

Untenstehend finden Sie das Inhaltsverzeichnis der Arbeit und das Gutachten der Lehrerin.

Für Fragen, Anmerkungen, Verbesserungsvorschläge etc. bin ich natürlich jederzeit offen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Vorwort: Die Erschaffung einer Mythologie

2. Christliche Mythen in Tolkiens Werken

2.1 Parallelen zur Bibel im “Lord of the Rings”

2.2 Morgoth – Der Teufel in Middle-Earth

3. Das Kalevala und die Einflüsse des finnischen Epos

3.1 Der Raub des Lichtes

3.2 Die hilfreichen Adler

3.3 Kullervos und Túrins grausames Schicksal

4. Germanische Mythologie in Middle-Earth

4.1 Der Ring – hat Tolkien sich bei Wagner “bedient”?

4.2 Die rätselhaften Runen

4.3 Namen aus der Edda

4.4 Trolle, Elfen und Zwerge – die Rassen in Middle-Earth

4.5 Drachen

4.6 Germanische Götter in Valinor?

4.7 Gandalf, der “Odinic wanderer”

4.8 Geisterheere und die Wilde Jagd

4.9 Tierverwandlungen – Von Berserkern, Werwölfen und Vampiren

4.10 Die Sprache der Tiere und Bäume

5. Religiösität in Middle-Earth

5.1 Monotheismus oder Polytheismus?

5.2 Bestattungsbräuche in Middle-Earth

5.3 Heidnische Feste

5.4 Naturverehrung

5.5 Christliche Werte

5.6 Tolkiens “natural theology”

6. Eine Mythologie für England?

7. Flucht nach Mittelerde?

8. Bibliographie

 

Gutachten über die Facharbeit des Kollegiaten Reinhard Hennig:

Mit dieser Facharbeit, welche die Themenfrage auf hohem gedanklichen Niveau und im Ergebnis absolut überzeugend beantwortet, ist Ihnen eine ausgezeichnete Leistung gelungen.

Im Vorwort werden anspruchsvolle Ziele gesteckt und profunde Sachkenntnis signalisiert. Dies baut eine Lesererwartung auf, die nicht enttäuscht wird: Das methodische Vorgehen, die Argumentationsweise, das Belegen, Beweisen und Zitieren entsprechen ganz den Regeln der Kunst. Obwohl die Arbeit sehr umfassend ist, erscheint dem Leser nichts langatmig, umständlich oder überflüssig. Die Darstellungsweise ist straff, in sich logisch und steigernd. Die umfassende, gedanklich tiefe und nicht zuletzt auch langfristige und enorm fleißige Auseinandersetzung mit der Materie, die völlig selbständige, in- und extensive Quellenanalyse, die, was nicht oft genug betont werden kann, eigenständige und dabei intellektuell überzeugende Argumentation und Diskussion von Thesen und Erkenntnissen und die sprachlich korrekte, klare, gewandte, ja druckreife Darbietung verdienen höchste Anerkennung.

Was den inneren Aufbau der Kapitel, die Argumentationsweise, betrifft, fällt z.B. auf, dass Sie sich in den Kapiteln 2,3 und 4 nicht darauf beschränken, wesentliche motivische oder andere Parallelen aufzuzeigen, sondern zuerst Tolkiens Auseinandersetzung mit den Vergleichstexten nachweisen und charakterisieren. Ebenso argumentativ korrekt widerlegen Sie Thesen der Forschung (z.B. zur Frage, ob Tolkien auf Wagner rekurrierte) und diskutieren im 5. Kapitel die abstraktere Ebene der Religiösität auf Basis der vorausgehenden Ergebnisse. Sie trennen durch diese Gliederung geschickt die Frage nach Textparallelen und die Frage nach der spezifischen Religiösität, welche die Metaebene der Analyse (5.-7.) einleitet. Sie gliedern diesen Abschnitt sehr richtig in das Motiv des Schöpfergottes, rituelles, symbolhaftes Handeln, die Überhöhung der Natur und schließlich Ethik. Aus den Ergebnissen ergibt sich klar 5.6. Die Frage nach dem Zweck und Absicht schließt sich zwingend an. 6. Liefert, needless to repeat, ein schlüssiges, wohldurchdachtes Ergebnis. 7. rundet souverän ab und weist – wiederum argumentativ gekonnt – erfolgreich den Vorwurf des regressiven Eskapismus zurück. Vielleicht gehört zum Reiz dieser Texte auch, dass trotz Täuschung, Irrtum und Verirrung der Figuren Gut und Böse klare Konstanten sind, dass auch das Hässliche und das Grauenvolle ästhetisiert sind, das ästhetische Konzept ohnehin keine Unmittelbarkeit zulässt.

Sie bewältigen, begreifen und durchdenken problemlos umfangreiches englisches Textmaterial und anspruchsvolle Literatur. Damit beweisen Sie auch erfreulich fortgeschrittene fremdsprachliche Kompetenz.

Diese Facharbeit weckt Interesse und die Lust, sich in europäische Mythologien und deren komparative Analyse einzuarbeiten. Es ist nicht übertrieben, festzustellen, dass hier in jeder Hinsicht eine Leistung auf dem Niveau einer akademischen Seminararbeit vorliegt. Ohne jede Einschränkung sehr gut, 15 Punkte.


Ein (nach meiner Facharbeit erschienenes!) Buch von Rudolf Simek zum selben Thema.

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