Große Wikingerhalle in Schweden gefunden

In der Nähe von Vadstena in Östergötland in Südschweden haben Archäologen eine große, wikingerzeitliche Halle entdeckt, wie die Universität Stockholm vor Kurzem meldete (die Pressemitteilung in englischer Sprache). Der dortige so genannte Aska-Hügel  wurde bislang von Forschern als gewöhnlicher Grabhügel angesehen. Er ist an seiner Oberfläche 55 Meter lang, 18 Meter breit und durchschnittlich 3 Meter hoch. Bei Untersuchungen Mitte der 1980er Jahre wurden in ihm sowohl ein für Gräber typischer Steinhaufen als auch Reste von Pferdeknochen gefunden – Pferde wurden in der Wikingerzeit häufig mitsamt ihren Eigentümern bestattet. Fest stand jedenfalls, dass der ovale und an der Oberseite flache Hügel nicht natürlichen Ursprungs ist, sondern von Menschen wohl in der Zeit zwischen 660 und 880 n. Chr. errichtet worden war.

Archäologen der Universitäten Stockholm und Umeå untersuchten nun diesen Hügel  erneut. Hierzu verwendeten sie Bodenradar, das es erlaubt, unter der Oberfläche liegende Strukturen zu erkennen und in hoher Auflösung darzustellen, ohne Grabungen vorzunehmen. Dabei wurden die Pfostenlöcher eines dreischiffigen Gebäudes mit einer Länge von insgesamt 47,5 Metern erkennbar. Die größte Breite des doppelwandigen Langhauses betrug 14 Meter, im Innenraum 9 Meter. Etwa in der Mitte des Gebäudes konnte eine Struktur festgestellt werden, die wahrscheinlich eine Feuerstelle von circa 2,5 Metern Durchmesser darstellt. Vier Eingänge, je zwei gegenüberliegend an den Ost- und Westenden der Halle, sowie zu diesen hinaufführende Rampen sind erkennbar. Pfostenlöcher außerhalb des Gebäudes vor dem südwestlichen Eingang deuten darauf hin, dass dieser mit einem überdachten Vorbau versehen war.

Somit ist nun erwiesen, dass es sich bei dem Aska-Hügel um eine ungewöhnliche lange Plattform für eine große Halle handelt, vergleichbar mit denen, die in Skandinavien an anderen bedeutenden Orten der Wikingerzeit gefunden wurden, wie etwa Sigtuna in Schweden oder Lejre auf der dänischen Insel Seeland. Die größten baulichen Ähnlichkeiten weißt der neue Fund mit der in Alt-Uppsala ausgegrabenen Königshalle auf (ein 3D-Modell dieser Halle finden Sie hier).

Die Aska-Halle dürfte unmittelbar nach Fertigstellung des Hügels selbst und somit im 8. oder 9. Jahrhundert errichtet worden sein. Der Fund eines so prächtigen Gebäudes deutet darauf hin, dass Aska ein wikingerzeitlicher Sitz von Kleinkönigen war, die über Östergötland herrschten. Für diese Interpretation sprechen auch mehrere Gräber mit reichen Beigaben, die bereits früher in der Nähe des Hügels gefunden worden waren. Schriftliche Quellen über diese offenbar mächtige und über enorme Ressourcen verfügende Herrscherfamilie existieren allerdings nicht.

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