Þorsteins þáttr austfirðings – Die Geschichte von Þorsteinn aus den Ostfjorden

Ein Mann hieß Þorsteinn. Er stammte aus Islands Ostfjorden, war jung und ein flinker Mann. Er wollte von Island aus nach Rom reisen und fuhr nach Dänemark. Aber damals war dort zu berichten, dass König Magnús der Gute sich dort aufhielt und ständig große Schlachten schlug. Eines Tages trug es sich zu, als Þorsteinn seines Weges zog, dass er einen Mann unter einer Eiche stehen sah, vier Mann aber griffen ihn an und der Mann wehrte sich bemerkenswert gut. Þorsteinn schien es, als ob dieser ein überaus gutes Herz haben müsse. Þorsteinn sagte zu sich selbst: “Wäre es nicht tapferer, lieber dem Hilfe zu leisten, der für sich allein steht, als den vieren, die ihm entgegenstehen?” Anschließend geht er hinzu, zieht sein Schwert und haut sowohl stark als auch schnell hintereinander zu. Er erschlägt drei Mann in kurzer Zeit, der aber, der sich verteidigte, erschlug einen. Dieser Mann sah jugendlich aus und hatte eine seidene, ärmellose Weste über der Brünne; ein schöner Mann, aber doch sehr kampfesmüde. Da sprach Þorsteinn: “Wie heißt dieser Mann, dem ich Hilfe geleistet habe?” Er antwortete: “Styrbjörn heiße ich, ein Mann von König Magnús, und ich war in eine ziemlich aussichtslose Lage gekommen, ehe du mir halfst. Aber meine Gefolgsleute haben sich im Wald zerstreut. Nun hast du mir einen so großen Gefallen getan, dass er schwer zu entlohnen ist. Was aber ist dein Vorhaben?” Þorsteinn sagte: “Ich bin ein isländischer Mann, und will nach Süden gehen.” Styrbjörn sprach: “Kannst Du die Romfahrt nicht aufschieben?” Þorsteinn sprach: “Das kann sein. Aber wenn ich das tun sollte, dann würde ich es am liebsten für König Magnús oder einen seiner Männer tun.” Styrbjörn sprach: “Bist du ihm freundlich gesonnen?” “Außerordentlich freundlich”, sagte Þorsteinn, “denn er ist ein hervorragender Herrscher und in allen Landen berühmt.” Styrbjörn sprach: “Ich halte es für ratsam, dass du die Reise fortsetzt, denn hier gab es Notwendigkeit dazu. Aber suche mich auf, wenn du zurückkommst, denn ich bin immer im Gefolge von König Magnús.”

Daraufhin trennten sie sich. Þorsteinn zog nach Rom und kam im Frühjahr aus dem Süden zurück. Er kam dorthin, wo König Magnús bei einem Gastmahl war, ging zur Halle für die Gefolgsleute und bat um Einlass. Die Türwächter antworteten und sagten, es sei nicht Brauch, dass unbekannte Leute dann hineingingen, wenn der König zu Tisch saß. Þorsteinn sprach: “Bitte den Mann herauszukom-men, der Styrbjörn heißt.” Daraufhin lief einer von denen hinein, die vor der Tür standen, rief la-chend und sprach: “Styrbjörn soll hinausgehen!” Daraufhin sprangen alle zugleich auf und sprachen: “Geh jetzt raus, Styrbjörn, wenn ein Isländer dich ruft. Er irrt sich nicht in den Namen von Gefolgsleuten. Aber wir kennen keinen Mann hier drinnen, der so heißt.” Dann begannen sie Spott und große Witzelei, ein jeder auf seinem Platz, und sprachen: “Styrbjörn soll hinausgehen!” Der König ergriff das Wort und sprach: “Das ist ein geringes Vergnügen. Die Namen von Männern können auf vielerlei Weise übereinstimmen, und ihr sollt nicht länger über diesen Namen spotten.” Und es hatte so zu geschehen, wie es der König wollte.

Dann stand der König von seinem Sitz auf und ging hinaus. Er hatte einen prachtvollen Mantel an und sprach: “Sei willkommen, Isländer! Zieh dir diesen Mantel über und geh hinein. Dir soll ein Bad bereitet werden. Und sei willkommen in meiner Gefolgschaft. Keiner soll so vermessen sein, dir irgendeinen Schaden zuzufügen.” Alle wunderten sich darüber. Von da an war er in der Gefolgschaft. Er war eigensinnig und wortkarg. Einmal sprach der König zu ihm: “Von wem glaubst du nun, dass er unser Styrbjörn ist?” Er antwortete: “Euch halte ich für den wahrscheinlichsten, sich so genannt zu haben.” Der König sprach: “Und du kannst zu recht behaupten, dass du mein Lebensretter bist. Und das soll dir angemessen entlohnt werden.” Daraufhin begann der König die gesamte Geschichte und erzählte alles von Anfang an, wie sie sich in Dänemark getroffen hatten.

Dann zogen sie im Land nordwärts. Einmal, als sie in einem Hafen lagen, waren einige an Land und bereiteten das Essen zu; sie kochten Grütze. Als die Schale zu Þorsteinn kam, da aß er sie ganz leer. Die Königsleute lachten darüber und sprachen: “Gut verstehst du dich darauf, Isländer, die Grütze zu genießen.” Der König lächelte dazu und sprach dies:

Der Krieger ließ allein
drei Mann zugleich
im Kampf fallen
- er ragte heraus.
Und der Esser aß Grütze,
die auf einer Nordfahrt gekocht wurde,
für die drei.
Da unterschied er sich von ihnen.

“Eben dieser Mann half mir sehr, während ihr nirgends in der Nähe wart. Und er tat das für einen, von dem er nicht wusste, wer es war. Er wird ein guter Kerl sein. Und es ist klüger, nicht großen Spott über einen Unbekannten zu treiben, denn es wäre eine lange Suche, ob es einen tapfreren und beherzteren Mann gebe. Und es wird auch manchen so scheinen, dass es Glück war, das ihm widerfuhr.” Þorsteinn antwortete: “Es ist deutlich, Herr, dass Gott mich zu Eurem Schutz zu Euch sandte, denn Euer Anblick hat mich viel mehr beindruckt, als wenn Ihr ein gewöhnlicher Mensch wäret, und es kam mir in den Sinn, Euch zu helfen.”

Der König behandelte ihn gut. Und einmal sprach der König zu ihm: “Wie sieht es bei dir in Hinblick darauf aus, was dir am besten erscheint und dir am ehesten gefallen kann? Willst du dich hier niederlassen und heiraten?” Þorsteinn antwortete: “Das ist ein hervorragendes Angebot. Solange Ihr lebt, wird mein Vorteil hier am größten sein. Aber keinem ist ein langes Leben versprochen, und ich werde einige Feinde bekommen, falls ich Eure Fürsorge verliere. Ich weiß aber, dass Ihr dafür sorgen werdet, dass ich so lange wie möglich in den Genuss Eurer Wohltaten komme.” Der König sprach: “Das ist klug gesprochen.” Dann rüstete der König ihn stattlich mit viel Gut zur Islandfahrt aus, und dort ließ er sich anschließend nieder und wurde für einen großen Glücksmenschen gehalten. Und damit endet das die Erzählung von ihm.

Übersetzt von Reinhard Hennig, www.wikinger.org.

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