Die Saga der Jomswikinger – Jómsvíkinga saga

Übersetzt von Reinhard Hennig

Die Saga

Die Jomsvikinga saga, die von den Jomswikingern, einem Bund der tapfersten Männer ihrer Zeit, handelt, ist eine der bekanntesten isländischen Sagas des Mittelalters. Sie beginnt zeitlich in der mythischen dänischen Vorgeschichte und endet mit der Schlacht im Hjörungavágr, die im späten 10. Jahrhundert n. Chr. stattgefunden haben soll. Die in ihr erwähnten Personen und Ereignisse sind aber nur teilweise historisch, vieles ist literarische Fiktion. Es handelt sich um eine der ältesten auf Island entstandenen Sagas. Die Forschung geht davon aus, daß eine erste Fassung schon um 1180 geschrieben wurde. Erhalten sind allerdings nur fünf teils deutlich unterschiedliche Fassungen in Handschriften aus späterer Zeit. Die Datierung dieser Texte und die Frage, welcher dem Original am nähesten steht, ist sehr umstritten. Trotz vieler Spekulationen ist es Archäologen übrigens bisher nicht gelungen, die angeblich an der polnischen Küste errichtete Jomsburg (Jómsborg) zu finden.

Die Übersetzungsprinzipien

Die Übersetzung basiert auf der Handschrift SKB perg. 7, 4to, die auf den Beginn des 14. Jahrhunderts datiert wird und heute in der Königlichen Bibliothek in Stockholm aufbewahrt wird. Sie wurde von Gustav Cederschiöld ediert.[1]

Die Personennamen wurden in ihrer altnordischen Schreibweise belassen, mit Ausnahme derjenigen Beinamen, die gut übersetzbar und von ihrer Bedeutung her für die Geschichte relevant sind. Bekannte Personen der europäischen Geschichte, wie etwa Karl der Große, wurden ebenfalls in ihrer deutschen Namensform wiedergegeben. Ortsnamen wurden, soweit möglich, mit ihrer heutigen Bezeichnung wiedergegeben.

Die isländischen Sonderzeichen sind wie folgt zu erklären:

þ entspricht dem englischen stimmlosen th.

ð entspricht dem englischen stimmhaften th.

Der Akzent über einem Vokal zeigt ursprünglich lediglich Vokallänge an, erst im Neuisländischen in einigen Fällen auch einen anderen Laut (so wird á beispielsweise im heutigen Isländischen wie au ausgesprochen, é wie je und ó wie ou).

Es wurde darauf verzichtet, eine eigene Kapiteleinteilung vorzunehmen, auch wenn dies gängige Praxis der meisten Übersetzungen ist. Stattdessen wurden die Kapitelüberschriften der Handschrift beibehalten.

Im Altnordischen ist ein häufiger Wechsel zwischen Präsenz und Präteritum, teils in ein und demselben Satz, üblich. Um der Lesefreundlichkeit willen wurden aber alle Verben ins Präteritum übersetzt. Der Wechsel in der Personenanrede vom Singular zum Pluralis majestatis, der ebenfalls häufig ist und keinen erkennbaren Regeln folgt, wurde dahingegen beibehalten.

Die fünf im Text vorkommenden Skaldenstrophen wurden inhaltsgemäß und in Prosa übersetzt. Eine Beibehaltung von Metrum und Reimschema wäre nur zu Lasten des Inhalts möglich gewesen.

 

Hier beginnt die Jómsvíkinga saga

Ein König, der über Dänemark herrschte, hieß Gormr und wurde “der Kinderlose” genannt. Er war ein mächtiger König und bei seinen Leuten beliebt. Als das Folgende geschah, hatte er noch nicht lange über das Reich geherrscht. Zu jener Zeit lebte in Saxland[2] Jarl[3] Arnfinnr, der das Reich von König Karl dem Großen als Lehen bekommen hatte.

Arnfinnr und König Gormr waren gute Freunde und waren beide zusammen auf Wikingerfahrt gewesen. Der Jarl hatte eine schöne Schwester. Er war ihr mehr zugeneigt, als er hätte sein sollen und bekam mit ihr ein Kind, was verheimlicht wurde. Der Jarl schickte Leute mit dem Kind fort und befahl ihnen, sich nicht von ihm zu trennen, bevor sie wüßten, was aus dem Kind würde. Sie kamen nach Dänemark und in die Nähe eines Waldes. Sie erfuhren, daß König Gormr mit seinem Gefolge in dem Wald war. Sie legten das Kind unter einen großen Baum und brachten sich in Sicherheit. Gegen Abend begaben sich der König und alle seine Gefolgsleute heim, bis auf zwei Brüder. Der eine hieß Hallvarðr, der andere Hávarðr. Sie blieben hinter den anderen zurück. Sie gingen weiter, um sich umzusehen, und da hörten sie das Weinen eines Kindes. Sie gingen dem Geräusch nach, aber wußten nicht, was es bedeutete. Da fanden sie einen Knaben unter einem großen Baum und ein großes Bündel in den Ästen darüber. Das Kind war in kostbaren Seidenstoff eingewickelt und hatte ein silbernes Band um den Kopf, in dem ein goldener Ring von einer Unze Gewicht war. Sie hoben das Kind auf und nahmen es mit nach Hause. Sie kamen heim, als der König gerade beim Trinken saß, und sagten ihm, was sie gefunden hatten und zeigten ihm den Knaben. Ihm gefiel er gut und er sprach: “Dieser Knabe wird ein großartiger Mann werden und es ist besser, ihn gefunden zu haben als nicht.” Er ließ den Knaben mit Wasser begießen und Knútr nennen, weil ein Ring an seine Stirn geknotet gewesen war.[4] Der König stellte einen Erzieher für ihn an, nannte ihn seinen Sohn und liebte ihn sehr.

Als König Gormr alt war, übergab er seinem Adoptivsohn Knútr das Reich. Danach starb König Gormr. Nun übernahm Knútr das gesamte Reich, das König Gormr gehört hatte, und er war beliebt. Er zeugte einen Sohn, der Gormr hieß. Dieser wurde zuerst Gormr der Dumme genannt, aber als er erwachsen war, Gormr der Alte oder der Mächtige.

Ein Jarl, der über Holstein herrschte, hieß Haraldr. Er wurde Klakk-Haraldr genannt und war ein kluger Mann. Der Jarl hatte eine Tochter, die Þyri hieß und hellseherisch war. Sie war eine sehr schöne Frau und deutete Träume besser als andere Menschen. Der Jarl liebte sie sehr und da, wo sie war, schien ihm die Landesherrschaft gesichert zu sein.

Als Gormr erwachsen wurde und das Königreich übernommen hatte, begab er sich mit einem großen Heer außer Landes und hatte vor, um die Tochter des Jarl Haraldr zu werben. Falls dieser ihm nicht die Frau geben wollte, hatte er vor, ihn anzugreifen. Als Jarl Haraldr und seine Tochter von König Gorms Fahrt und seinem Vorhaben erfuhren, schickten sie ihm Leute entgegen und luden ihn zu einem prächtigen Gelage ein. Das nahm der König an.

Als er sein Anliegen vor den Jarl gebracht hatte, gab ihm dieser als Antwort, daß sie selbst darüber entscheiden sollte. “Denn sie ist viel klüger als ich.” Der König drängte da bei ihr selbst auf die Heirat. Sie antwortete so: “Das wird nicht sogleich entschieden werden und du sollst dich mit guten und ehrenvollen Geschenken versehen nach Hause begeben. Aber wenn dir an der Heirat mit mir gelegen ist, dann sollst du, wenn du heim kommst, ein Haus an einer Stelle errichten lassen, wo zuvor keines gestanden hat und das dir genehm ist, um darin zu schlafen. Dort sollst du in der ersten Nacht des Winters schlafen und drei Nächte hintereinander. Erinnere dich genau, ob du etwas träumst, und laß es mir berichten. Dann werde ich den Gesandten sagen, ob du mich zur Hochzeit holen sollst oder nicht. Du brauchst nicht zu kommen, wenn du nichts träumst.”

Dann begab sich König Gormr mit ehrenvollen Geschenken nach Hause und wollte gewiß ihre Klugheit erproben. Als er nach Hause kam, verhielt er sich so, wie sie ihn angewiesen hatte. Der König schlief nun drei Nächte in dem Haus, aber er ließ es von dreien seiner Männer bewachen, damit kein Anschlag verübt werden konnte. Dann schickte der König seine Männer zu dem Jarl und dessen Tochter, um von seinen Träumen zu berichten. Als sie seine Träume gehört hatte, sprach sie, sie sollten dem König sagen, daß sie mit ihm kommen würde. Die Gesandten übermittelten nun dem König ihre Entscheidung und dieser wurde darüber sehr froh. Er brach bald mit einem großen Gefolge von zu Hause auf, um seine Braut zu holen. König Gormr kam nun nach Holstein. Als Jarl Haraldr von der Fahrt des Königs erfuhr, richtete er zu seiner Ankunft ein großartiges Fest aus und dort fand die Hochzeit statt.

Während des Festes erzählte König Gormr zur Unterhaltung seine Träume und Königin Þyri deutete sie. Der König sagte, daß er in der ersten nach geträumt hatte, daß er meinte, draußen zu stehen und über sein gesamtes Reich zu blicken. Ihm schien sich das Meer so weit vom Land zurückzuziehen, daß er es nicht mehr sehen konnte. Alle Sunde und Fjorde waren trocken. Dann sah er drei weiße Ochsen aus dem Meer steigen. Sie fraßen alles Gras von der Erde und gingen dann wieder ins Meer. Im zweiten Traum schien es ihm, als ob wiederum drei Ochsen aus dem Meer stiegen. Sie waren rot und hatten große Hörner. Sie fraßen ebenfalls das Gras von der Erde und gingen dann wieder ins Meer. Im dritten Traum sah der König wiederum drei Ochsen aus dem Meer steigen. Sie waren vollkommen schwarz, sehr groß und hatten gewaltige Hörner. Sie fraßen wiederum das Gras vom Land und gingen dann wieder ins Meer. Danach hörte er ein so lautes Donnern, daß er meinte, man müßte es in ganz Dänemark hören. Er sah, daß das vom Meer kam, das wieder zum Land zurückfloß. “Und jetzt, Königin, will ich, daß du zur Unterhaltung der Leute die Träume deutest.” Sie sagte, so solle es geschehen. “Daß drei weiße Ochsen aus dem Meer ans Land stiegen, bedeutet, daß drei so schneereiche Jahre kommen werden, daß die Ernte in Dänemark vernichtet werden wird. Daß außerdem drei rote Ochsen herausstiegen, bedeutet, daß drei wenig schneereiche, aber dennoch nicht gute Jahre kommen werden. Daß die drei schwarzen Ochsen herausstiegen, bedeutet, daß drei weitere Jahre kommen, die so schlimm werden, daß sich keiner an solche erinnern können wird. Es wird eine so große Hungersnot auftreten, daß es kaum Beispiele dafür geben wird, daß so etwas zuvor geschehen ist. Daß die Ochsen große Hörner hatten, bedeutet, daß viele ihr gesamtes Eigentum verlieren werden. Dann hörtest du ein großes Donnern von der Flut. Das deutet auf Streit zwischen mächtigen Männern, die nahe mit dir verwandt sind, hin. Wenn du das in der ersten Nacht geträumt hättest, was nun in der letzten war, würde der Unfriede zu deinen Lebtagen aufkommen und dann wäre ich nicht mit dir gekommen. Aber mit der Hungersnot werde ich zurecht kommen.”

Nach diesem Fest fuhren König Gormr und Königin Þyri nach Hause nach Dänemark und ließen viele Schiffe mit Getreide und anderem Wertvollen beladen und alles nach Dänemark schaffen. So hielten sie es in jedem darauf folgenden Jahr, bis die Hungersnot kam. Da schadete sie ihnen und denen, die ihnen nahe standen, überhaupt nicht, weil sie viel von ihren Vorräten an die Landsleute abgaben. Þyri war die klügste Frau, die je nach Dänemark kam, und sie wurde Dänemarks Rettung genannt. König Gormr und Königin Þyri hatten zwei Söhne. Der ältere hieß Knútr und der jüngere Haraldr. Sie waren beide vielversprechend, aber Knútr war klüger. Er wurde bei seinem Onkel, Jarl Klakk-Haraldr, aufgezogen. Der Jarl liebte ihn sehr und er war sehr beliebt. Haraldr war zu Hause beim königlichen Gefolge und er war in seiner Jugend sehr unbeliebt.

König Gormr schickte nun Gesandte zu Jarl Haraldr, um ihn zum Julfest[5] einzuladen. Der Jarl nahm dies gerne an und die Gesandten des Königs fuhren zurück. Nun rüstete sich der Jarl zu dieser Fahrt. Als er und seine Leute zum Limfjord kamen, sahen sie dort einen seltsamen, großen Baum stehen. An ihm waren kleine, grüne Äpfel gewachsen und er blühte. Sie wunderten sich sehr. Der Jarl sagte, er halte es für ein schlimmes Vorzeichen, daß so etwa zu dieser Jahreszeit geschah, denn sie sahen dort die Äpfel liegen, die im Sommer gewachsen waren. Sie waren groß und alt. “Wir werden umkehren.” Das taten sie. Der Jarl blieb dieses Jahr zu Hause. Dem König erschien es seltsam, daß der Jarl nicht kam.

Im zweiten Winter schickte der König Gesandte mit dem selben Auftrag und der Jarl versprach, zu reisen. Der Jarl begab sich mit seinem Gefolge zum Limfjord. Auf den Schiffen des Jarls waren viele Hunde. Da hörten sie, daß die Welpen in den Hündinnen bellten. Der Jarl sagte, daß dies ein äußerst schlimmes Vorzeichen sei und daß sie umkehren sollten und so geschah es.

Nun verging der Winter. Im dritten Winter schickte der König erneut Gesandte, um den Jarl zum Julgelage einzuladen. Er versprach, zu reisen. Nun fuhr der Jarl bis zum Limfjord. Da sahen sie im inneren Teil des Fjords sich eine große Woge erheben und eine zweite im äußeren Teil und beide bewegten sich aufeinander zu. Das Meer wurde sehr unruhig. Als die Wellen aufeinander trafen, stürzte jede in das Wogental der anderen und das Meer wurde ganz blutig. Da sprach der Jarl: “Das sind große, üble Vorzeichen und wir werden umkehren.” Der Jarl blieb über Jul zu Hause.

König Gormr wurde nun sehr wütend auf den Jarl, weil dieser seiner Einladung nicht gefolgt war. Er hatte nun vor, den Jarl anzugreifen und ihm so diese Schmach zu vergelten. Als Königin Þyri dessen gewahr wurde, sagte sie, daß es nicht angemessen sei, dem Jarl Schaden zuzufügen, und sie würden einen besseren Entschluß fassen. Der König tat, wie es die Königin wollte und schickte Gesandte zum Jarl, um herauszufinden, wie es stand. Der Jarl fuhr sofort. Der König empfing seinen Schwiegervater in angemessener Weise. Der König und der Jarl begaben sich bald zu einer Besprechung und der König fragte, was es bedeute, daß er kein einziges Mal gekommen war. “Du beleidigst so mich und meine Einladung.” Der Jarl sagte, er habe nicht vorgehabt, ihn zu beleidigen und daß es andere Gründe dafür gebe. Er erzählte nun dem König von den seltsamen Dingen, die sie gesehen hatten. “Ich werde Euch nun erklären, was ich glaube, auf was diese ungewöhnlichen Begebenheiten vorausdeuten.” Der König stimmte dem zu.

Der Jarl sprach: “Ich werde damit beginnen, daß wir mitten im Winter einen großen Baum mit grünen Äpfeln sahen. Die alten, großen Äpfel lagen darunter auf dem Boden. Ich meine, daß dies auf einen Glaubenswechsel hindeutet, der in diesen Landen stattfinden wird. Der neue Glaube wird in größerer Blüte stehen und die schönen Äpfel weisen auf ihn hin. Der alte Glaube aber wird niedergelegt werden, so wie die alten Äpfel, und zu nichts als Staub werden. Das zweite Seltsame war, daß Welpen in den Hündinnen bellten. Es bedeutet, daß junge Menschen den älteren den Mund verbieten und unbesonnen sein werden. Es ist zu erwarten, daß sie mehr zu bestimmen haben werden, auch wenn die anderen erfahrener sind. Ich glaube aber, daß sie noch nicht auf der Welt sind, weil die Welpen noch ungeboren waren. Dann sahen wir Wellen sich gegeneinander erheben mit großem Getöse und Blut. Das deutet auf die Uneinigkeit einiger mächtiger Männer hier im Land hin, und es wird zu großen Kämpfen und zu viel Unfriede kommen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Fjord einige Folgen davon tragen wird.”

Der König verstand die Worte des Jarls gut und hielt sie für weise. Der König gab seinen Zorn gegen den Jarl auf, aber er hatte Männern aufgetragen, mit Waffen gegen den Jarl vorzugehen, wenn es ihm so erschienen wäre, als sei er lediglich nachlässig gewesen. Sie beendeten nun die Beratung. Der Jarl blieb so lange dort, wie der König es wollte, und fuhr dann nach Hause.

Wenig später gab Jarl Haraldr sein gesamtes Reich seinem Ziehsohn Knútr. Der Jarl begab sich in den Süden und nahm dort das Christentum an und kam nie wieder in sein Reich.

König Gormr und sein Sohn Haraldr wurden uneins, sobald Haraldr erwachsen wurde. Da bekam Haraldr einige Schiffe und fuhr jeden Sommer auf Wikingerzüge, aber blieb im Winter in Dänemark.

Zu dieser Zeit herrschte König Aðalsteinn über England. Er war ein guter König, aber alt. Gegen Ende seiner Tage kam ein Heer von Dänen nach England, dessen Anführer die Söhne König Gorms, Knútr und Haraldr, waren. Sie plünderten weit umher in Northumbria und unterwarfen sich ein großes Reich. Das nannten sie ihren geerbten Anteil, der den Loðbrókssöhnen[6] und anderen ihrer Vorfahren gehört hatte. König Aðalsteinn sammelte ein großes Heer, zog den Brüdern entgegen und traf nördlich von Cleveland auf sie. Er tötete eine Menge von den Dänen. Ein wenig später gingen die Söhne Gorms bei Scarborough an Land und kämpften dort, und die Dänen siegten. Danach wollten sie südlich nach York ziehen, und dort unterwarf sich ihnen alles Volk. Sie fürchteten da keine Gefahr.

Eines Tages, als sehr heißes Wetter war, gingen die Männer und auch die beiden Könige zum Schwimmen zwischen den Schiffen ins Wasser. Da kamen Leute von oben vom Land heruntergelaufen und schossen auf sie. Knútr wurde tödlich von einem Pfeil getroffen und sie zogen die Leiche aufs Schiff. Als das die Landsleute erfuhren, zog sich sofort ein unbesiegbares Heer zusammen. Als nächstes kam König Aðalsteinn und alles Volk, das sich zuvor Knútr unterworfen hatte, schloß sich ihm an. Danach konnten die Dänen wegen der Heeressammlung der Landsleute nicht mehr an Land gehen. Daraufhin fuhren die Dänen zurück nach Dänemark. Da hielt sich König Gormr in Jütland auf. Haraldr begab sich sofort dorthin und erzählte seiner Mutter von dem Geschehenen.

König Gormr hatte geschworen, daß er sterben würde, wenn er vom Tod seines Sohnes Knútr erführe, und so auch der, der ihm davon berichtete. Da ließ die Königin die Halle mit grauem Wollstoff behängen. Als der König zu Tisch kam, schwiegen alle, die drinnen waren. Da sprach der König: “Warum schweigen alle Leute? Gibt es irgendwelche Neuigkeiten zu berichten?” Da sagte die Königin: “Herr, ihr hattet zwei Falken, einen weißen und einen grauen. Der weiße war weit in die Wildnis hinausgeflogen. Dort stürzten sich viele Krähen auf ihn und rupften ihn, so daß ihm alle Federn ausgerissen wurden. Jetzt ist der weiße verschwunden und der graue zurückgekommen, und er wird nun Vögel zu Eurer Verköstigung erlegen.” Da sprach der König: “Dänemark läßt so den Kopf hängen, als sei mein Sohn Knútr tot.” Darauf sagte die Königin: “Diese Nachrichten, die ihr sagt, werden wahr sein, Herr.” Das bestätigten alle, die drinnen waren. Am selben Tag wurde König Gormr krank und starb am Tag darauf zur selben Zeit. Da war er hundert Jahre lang König gewesen. Ein großer Grabhügel wurde für ihn aufgeworfen. Nun wurde Haraldr zum Herrscher über das gesamte Reich genommen, das sein Vater gehabt hatte. Dann richtete er die Totenfeier für seinen Vater aus und verhielt sich zunächst ruhig.

Jarl Hákons Verrat

Zu dieser Zeit herrschten über Norwegen Haraldr Graumantel und seine Mutter Gunnhildr. Da floh Jarl Hákon Sigurðarson aus dem Land. Er hatte zehn Schiffe und ging auf Wikingerfahrt. Im Herbst aber kam er nach Dänemark und ersuchte um die Freundschaft König Haralds. Das gefiel dem König gut und der Jarl war dort den Winter über mit 100 Mann. Knútr, der Sohn König Gorms, hinterließ einen Sohn, der Haraldr hieß und Gold-Haraldr genannt wurde. Er kam kurz nach Hákon von einem Wikingerzug zurück und hatte ebenfalls zehn Schiffe und eine Unmenge Geld. Auch er begab sich zum Gefolge König Haralds. In diesem Winter planten König Haraldr Gormsson und Jarl Hákon einen Anschlag auf Haraldr, den König Norwegens, und dessen Mutter Gunnhildr. Im Frühling überfielen sie ihn im Limfjord. Im Buch der Könige heißt es, daß Gold-Haraldr Haraldr tötete, aber Jarl Hákon ließ danach Gold-Haraldr am Galgen aufknüpfen. Dann übernahm Jarl Hákon die alleinige Herrschaft über Norwegen und sollte dem Dänenkönig Steuern zahlen.

 König Haraldr wird Christ

Wenig später kam aus Saxland Kaiser Otto mit einem großen Heer nach Dänemark. Da kam auch Óláfr Tryggvason zu seiner Unterstützung. Sie zwangen König Haraldr und Jarl Hákon das Christentum auf. Ganz Dänemark wurde christianisiert, aber Jarl Hákon ging wieder zum Heidentum über, sobald er zurück nach Norwegen kam und zahlte daraufhin nie wieder Steuern.

Ein Mann in Dänemark, in dem Bezirk, der “auf Fünen” heißt, hieß Tóki. Seine Frau hieß Þorvör. Er hatte zwei Söhne. Der ältere hieß Áki, der andere Pálnir. Der älteste hieß Fjölnir. Er war unehelich geboren. Tóki war damals alt und wurde krank und starb wenig später, ebenso wie seine Frau Þorvör. Die Brüder Áki und Pálnir übernahmen das Erbe. Da fragte Fjölnir seine Brüder, was sie ihm von dem Eigentum zudächten. Sie sagten, sie würden ihm ein Drittel der losen Habe abgeben, aber nichts von dem Landbesitz, und sie meinten, ihm da einen guten Anteil zuzugestehen. Er aber erhob Anspruch auf ein Drittel allen Eigentums, so, als sei er voll erbberechtigt. Seine Brüder schlugen ihm das ab. Fjölnir gefiel das übel und er begab sich fort zu König Haraldr und wurde sein Gefolgsmann und Ratgeber. Er war ein kluger und scharfsinniger, aber bösartiger Mann. Er begann nun, seinen Bruder Áki beim König zu verleumden. Kein Mann von nicht hoher Geburt war zu jener Zeit bedeutender als Áki Tókason. Er war jeden Sommer auf Wikingerzug und siegte fast immer. Fjölnir sagte zu König Haraldr, daß er nicht für den alleinigen Herrscher über Dänemark gehalten werden würde, solange Áki Tókason am Leben sei. Er brachte es mit seinem Gerede so weit, daß das Verhältnis zwischen dem König und Áki angespannt war.

Áki war ein guter Freund Jarl Óttars in Götaland und genoß bei ihm Gastfreiheit. Einmal fuhr er zu einem Gastmahl dorthin und hatte zwei Schiffe und 100 Mann, die alle gut mit Waffen und Kleidung ausgestattet waren. Er war einige Zeit lang dort. Zum Abschied erhielt Áki gute Geschenke von dem Jarl und fuhr anschließend zurück. König Haraldr erfuhr, daß Áki das Land verlassen hatte. Er ließ zehn Schiffe und 100 Mann ausrüsten und befahl ihnen, loszufahren und Áki bei seiner Rückkehr aufzulauern und ihm und allen seinen Fahrtgenossen das Leben zu nehmen. Anschließend fuhren die Männer des Königs los und kundschafteten Ákis Fahrtrouten aus. Das war leicht, weil Áki nicht damit rechnen konnte. Da fielen die Königsleute überraschend über sie her und griffen sie mit Waffen an und ließen die Zelte über sie fallen. Sie waren nicht darauf vorbereitet und wurden alle erschlagen.

Danach brachten die Königsleute dem König die gesamte Beute. Der König äußerte sich wohlwollend darüber und sagte, nun würde er ohne Áki der alleinige Herrscher sein. Fjölnir war sehr zufrieden und meinte, es ein wenig vergolten zu haben, daß er nicht das Erbe bekommen hatte.

Nun wurden diese Ereignisse auf Fünen bekannt. Als Pálnir das hörte, war er so erschüttert, daß er sich deswegen ins Bett legte. Rache erschien ihm aussichtslos, da es sich um den König handelte. Ein Mann hieß Sigurðr und war Ákis und Pálnirs Ziehbruder, ein kluger und wohlhabender Mann. Pálnir fragte ihn um Rat, wie er sich verhalten solle. Sigurðr sagte, er wolle für ihn um eine Frau werben. Pálnir fragte, wer diejenige sei. Sigurðr sagte, es sei Ingibjörg, die Tochter Jarl Óttars von Götaland. Pálnir sagte: “Ich befürchte, daß ich diese Frau nicht bekommen werde. Aber gewiß meine ich, daß es das beste wäre, um mein Leid zu verringern, wenn ich diese Frau erhielte.” Nun bereitete Sigurðr sich zur Abfahrt vor. Er hatte ein Schiff und 60 Mann und fuhr nach Norden nach Götaland. Sigurðr erklärte dem Jarl sein Anliegen und bat für Pálnir um die Hand seiner Tochter. Er sagte, es fehle Pálnir nicht an Besitz auf Fünen und daß ihm aufgrund des Kummers der Tod drohe. Schließlich versprach der Jarl Pálnir seine Tochter und daß er sie selbst zu ihm bringen würde. Anschließend fuhr Sigurðr nach Hause und berichtete Pálnir diese Neuigkeit, was diesen sehr erleichterte. Sie bereiteten nun ein prächtiges Fest auf Fünen vor und sparten an nichts. Am vereinbarten Tag kam der Jarl mit einem großen Gefolge. Es wurde eine stattliche Hochzeit gefeiert und dann wurden Pálnir und Ingibjörg in ihr Ehebett geführt. Sie schlief schnell ein und hatte einen Traum. Als sie aufwachte, erzählte sie Pálnir den Traum. “Ich träumte,” sagte sie, “daß ich hier auf diesem Hof war und ein Gewebe auf dem Webstuhl hatte, das von grauer Farbe war. Die Websteine waren daran befestigt und ich war dabei, zu weben. Dann fiel einer der Steine von der Mitte des Gewebes nach hinten. Da sah ich,daß die Websteine Menschenköpfe waren. Ich hob den einen Kopf auf und erkannte ihn.” Pálnir fragte, wessen Kopf es gewesen sei und sie sagte, es sie der des Königs Haraldr Gormsson. Pálnir sagte, es sei besser, dies geträumt zu haben als nicht. “Das meine ich auch,” sagte sie. Nach diesem Fest fuhr Jarl Óttar mit ehrenvollen Geschenken nach Hause nach Götaland. Zwischen Pálnir und Ingibjörg entwickelte sich große Liebe und bald bekamen sie einen Sohn zusammen. Dieser wurde Pálnatóki genannt. Er wuchs auf Fünen auf und war schnell sowohl groß als auch klug und beliebt. Und als Pálnatóki beinahe kein Kind mehr war, wurde sein Vater krank und starb. Pálnatóki übernahm nun zusammen mit seiner Mutter die Verwaltung des gesamten Besitzes. Er ging nun jeden Sommer auf Raubzug und wurde berühmt. Niemandem schien er von seinem Wesen her ähnlicher zu sein als seinem Onkel Áki.

 Pálnatóki

Zu jener Zeit herrschte über Wales ein Jarl, der Stefnir hieß. Er hatte eine Tochter namens Álof. Sie war klug und beliebt. Pálnatóki kam mit seinen Schiffen dort an Land und wollte im Reich Jarl Stefnirs plündern. Als dies bekannt wurde, beriet sich Álof mit Björn dem Waliser, der ihr Ratgeber war. Sie luden Pálnatóki zu einem Gastmahl ein und boten ihm große Ehren an und daß er dort Frieden genösse und nicht plündere. Das nahm Pálnatóki an. Er besuchte das Gastmahl mit seiner gesamten Mannschaft. Bei diesem Fest bat Pálnatóki um Álofs Hand, und die war leicht zu erlangen. Es wurde sofort zur Hochzeit übergegangen. Noch dazu gab Jarl Stefnir Pálnatóki den Jarlstitel und die Häfte seines Reichs und er sollte nach ihm alles erhalten. Pálnatóki war den Sommer und den Winter über dort, aber im Frühling sprach er mit Björn dem Waliser: “Jetzt will ich nach Hause nach Dänemark. Ich möchte, daß du hier bei meinem Schwiegervater Stefnir bleibst und die Herrschaft für mich ausübst.”

Æsas und des Königs Gespräch

Anschließend fuhr Pálnatóki mit seiner Frau Álof nach Hause nach Fünen in Dänemark. Er hielt sich nun einige Zeit zu Hause auf seinen Höfen auf und wurde für den zweitwichtigsten und mächtigsten und am besten mit Verstand ausgestatteten Mann in Dänemark nach dem König gehalten. König Haraldr reiste nun zu verschiedenen Gastmählern über das Land. Pálnatóki bereitete ein Gastmahl vor und lud König Haraldr ein, was der König annahm. Er war lange dort bei dem Gastmahl. Eine Frau, die Æsa hieß und Näh-Æsa genannt wurde, wurde angestellt, um den König zu bedienen. Sie war eine arme Frau, aber doch sehr geschickt. Nun fuhr der König von dem Gastmahl fort und wurde reich beschenkt. Im Sommer darauf war Näh-Æsa schwanger. Pálnatóki sprach mit ihr und fragte, wer mit ihr daran beteiligt sei. Sie sagte, es sei niemand anderes als der König. “Dann werde ich dich bis zur Geburt von der Arbeit freistellen.”

Nun verging die Zeit und Æsa gebar ein Kind. Ihm wurde der Name Sveinn gegeben und er wurde Näh-Æsa-Sveinn genannt. Er wuchs auf Fünen auf und Pálnatóki und seine Leute behandelten ihn gut. Als Sveinn drei Jahre alt war, kam der König zu einem Gastmahl nach Fünen. Nun besprach sich Pálnatóki mit Näh-Æsa. An einem Tag, als der König zu Tisch saß, trat Æsa vor den Tisch und führte den Knaben mit sich und sprach: “Herr König,” sagte sie, “hier führe ich einen Knaben mit mir und es kommt niemand anderes als Vater in Frage als Ihr, König.” Als sie aufhörte zu sprechen, fragte der König schnell, wer sie sei. Sie nannte ihren Namen. “Du bist eine außerordentlich dreiste und dumme Frau. Und wage nicht, so etwas zu sprechen, wenn du unbeschadet bleiben willst!” Pálnatóki sprach: “Sie wird das sagen, Herr, weil es ihr als wahr erscheinen wird. Sie ist keine leichtlebige Frau und wir haben ihr Euretwegen Schutz gewährt.” Der König antwortete: “Ich habe nicht erwartet, daß du mir so etwas anlasten würdest.” “So soll es aber sein”, sagte Pálnatóki. “Ich werde ihn so gut behandeln, als sei er dein Sohn.” Der König sprach: “Ich werde dir in keiner Weise dafür dankbar sein.” Pálnatóki sagte: “Das wird nichts ändern. Wir sollten diese Thema vorerst beenden.” Anschließend verließ der König das Gastmahl ohne Geschenke und das Verhältnis zwischen ihm und Pálnatóki war kühl.

Sveins und König Haralds Gespräch

Wenig später gebar Álof einen Jungen. Dieser wurde Áki genannt. Er wurde bei seinem Vater auf Fünen großgezogen. Sveinn war nun dort bis er 15 Jahre alt war. Da forderte Pálnatóki ihn auf, zu seinem Vater zu fahren, ihn um Mannschaft zu bitten und sich als seinen Sohn zu bezeichnen, ob ihm das gefiele oder nicht.

Sveinn tat nun, wie ihm sein Ziehvater geraten hatte. König Haraldr sagte: “Ich erkenne an deiner Redeweise, daß über deine Abstammung mütterlicherseits nicht gelogen sein wird. Du wirst ein Narr und Dummkopf sein.” Da sprach Sveinn: “Ich würde gerne eine vornehmere Mutter haben, wenn du dafür gesorgt hättest. Aber es ist wahr, daß du mein Vater bist. Gib mir jetzt drei Schiffe, und mein Ziehvater wird mir weitere drei geben. Aber wenn du das nicht willst, werde ich dir irgendeinen Schaden zufügen, der dich teurer zu stehen kommt.” Der König sprach: “Ich erwarte, daß dadurch dein Abzug zu erkaufen sein wird und daß du nie wieder kommst.” Dann gab der König Sveinn drei Schiffe und 100 Mann. Pálnatóki gab Sveinn weitere drei Schiffe. Er plünderte den ganzen Sommer lang im Reich seines Vaters. Bei den Bauern kam es zu schlimmem Murren. Der König kümmerte sich nicht darum. So verging die Zeit bis zum Herbst. Dann fuhr Sveinn nach Hause nach Fünen und war den Winter über bei Pálnatóki. Im Frühling fuhr Sveinn zu König Haraldr und alles geschah auf dieselbe Weise. Sveinn bekam nun sechs Schiffe vom König und Pálnatóki gab ihm weitere sechs. Sveinn plünderte erneut im Reich seines Vaters und war dabei noch wilder als zuvor. Er ließ nie von den Bauern ab und plünderte sowohl auf Seeland als auch in Halland. Sie erschlugen viele Männer. Diese Nachrichten wurden nun weit umher bekannt. Die Bauern begaben sich zu König Haraldr und erzählten ihm von ihrer schwierigen Lage, aber der König kümmerte sich wieder nicht darum.

Im Herbst fuhr Sveinn mit seiner ganzen Mannschaft zu Pálnatóki und war den Winter über dort. Als der Frühling heranrückte, rüstete Sveinn seine Mannschaft aus und tat alles so, wie es ihm sein Ziehvater riet. Er begab sich zum König und verlangte von ihm zwölf Schiffe. Der König sagte: “Du bist ein so dreister Mann, daß ich nicht deinesgleichen kenne, da du es wagst, zu mir zu kommen, wo du doch ein Dieb und Räuber bist. Und die Verwandtschaft mit dir erkenne ich nie an.” Sveinn sagte: “Gewiß bin ich dein Sohn und unsere Verwandtschaft ist wahr, aber dennoch werde ich dich nicht schonen, denn wir werden jetzt sofort miteinander kämpfen, wenn du mir nicht das gibst, was ich will und du wirst dich nirgends davonschleichen können.” Der König sagte: “Du bist ein schwieriger Mann und von derartiger Gesinnung, daß du nicht von geringen Leuten abstammen wirst und du wirst das bekommen, was du verlangst. Fahr dann weg und komm nie zurück.” Nun fuhr Sveinn mit 30 Schiffen zu Pálnatóki. Der empfing ihn gut, “und du scheinst mir das gut auszuführen, was ich dir rate. Jetzt sollst du so viel wie möglich den Sommer über in Dänemark plündern, da du jetzt die größte Heeresstärke hast. Aber nun wird der König dich nicht länger erdulden. Du aber flieh nicht, auch wenn du von einem Heer verfolgt wirst, denn ich werde kommen, um dir zu helfen. Ich habe vor, im Sommer mit diesen neun Schiffen nach Wales zu meinem Schwiegervater Jarl Stefnir zu fahren.”

Nun trennten sie sich und fuhren beide gleichzeitig außer Landes. Sveinn plünderte nun Tag und Nacht in Dänemark, tötete Menschen, raubte alles Wertvolle und verbrannte ganze Gegenden. Die Landesbewohner, denen so übel mitgespielt wurde, flohen nun und erzählten dem König davon. Ihm schien, daß es so nicht weitergehen konnte. Der König ließ nun 50 Schiffe ausrüsten und kam selbst mit. Sie suchten nach Sveinn und trafen im Herbst bei Bornholm auf ihn. Es war so spät, daß man meinte, nicht mehr angreifen zu können. Aber sobald es am Morgen hell genug zum Kampf war, fuhren sie mit ihren Schiffen aufeinander los und kämpften den ganzen Tag bis zum Abend. Da waren zehn von König Haralds Schiffen leergeräumt und zwölf von Sveins. Sveinn steuerte nun seine Schiffe am Abend in das Innere der Bucht, aber der König versperrte mit seinen Schiffen die Bucht und schloß Sveinn darin ein. Am selben Abend gelangte Pálnatóki dort mit 24 Schiffen zum Land. Er ankerte auf der anderen Seite bei der Landspitze und errichtete dort seine Zelte.

Dann ging Pálnatóki alleine an Land. Er hatte seinen Bogen und einen Köcher dabei. Am selben Abend ging König Haraldr mit elf Mann an Land. Sie begaben sich in den Wald und machten sich ein Feuer, um sich daran zu wärmen. Es war dunkle Nacht. Der König entkleidete sich und buk sich am Feuer. Pálnatóki sah das Feuer im Wald und ging im Bogen dorthin und erkannte die Männer. Nun legte er einen Pfeil auf den Bogen und durchschoß König Haraldr. Der fiel sofort tot nieder. Pálnatóki begab sich sogleich zurück zu seiner Mannschaft, aber König Haralds Begleiter drängten sich um diesen. Sie sprachen unter sich darüber, wie sie sich nun verhalten sollten. Fjölnir sprach: “Mein Ratschlag ist, daß wir alle dieselbe Geschichte erzählen, daß der König im Kampf erschossen worden sei, denn das kann am wenigsten unserer Unachtsamkeit zur Last gelegt werden.” Das bekräftigten sie nun mit festen Abmachungen. Fjölnir nahm den Pfeil und verwahrte ihn. Er war leicht zu erkennen, weil er mit Golddraht umwickelt war.

Pálnatóki bestimmte 20 Männer, mit ihm zu kommen und sagte, er wolle Sveinn treffen. Sie begaben sich nun quer über die Landspitze und berieten sich. Sveinn sagte, daß er wollte, daß Pálnatóki ihnen zu etwas riet. Pálnatóki sagte niemandem vom Tod des Königs. Er sprach: “Wir werden nicht lange mit einer Entscheidung warten. Wir werden mit euch auf die Schiffe gehen. Dann werden wir alle unsere Schiffe voneinander loslösen und auf die Flotte des Königs losrudern. Es ist mir zuwider, daß der König uns hier einschließt und erschlägt.” Nun wurde so getan. Sie ruderten nun zum Angriff auf die Flotte. Dabei kenterten drei Schiffe aus dem Heer des Königs und nur die Männer überlebten, die schwimmen konnten. Durch diese Lücke ruderten Pálnatóki und Sveinn mit allen ihren Schiffen und gelangten so zu dem Heer, das Pálnatóki dorthin gebracht hatte.

Am Morgen griffen sie die Königsleute an und erfuhren, daß der König gestorben war. Da sprach Pálnatóki: “Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Mit uns zu kämpfen oder Sveinn als König zu akzeptieren.” Sie wollten nun lieber Sveinn annehmen. Dann fuhren sie beide und luden zu einem Thing. Dort wurde Sveinn als König über ganz Dänemark akzeptiert. Nun, da Sveinn König geworden war, meinte er verpflichtet zu sein, eine Totenfeier für seinen Vater auszurichten und lud Pálnatóki dazu ein. Aber der sagte, er könne nicht vor Beginn des Winters kommen, “denn mir wurde gesagt, daß mein Schwiegervater Stefnir tot sei und mir gehört das ganze Reich dort.” Nun unterblieb die Totenfeier diesen Herbst und Pálnatóki fuhr außer Landes. Er bestimmte seinen Sohn Áki als Verwalter seines Besitzes auf Fünen und bat König Sveinn, ihn gut zu behandeln. Das versprach der König und tat es auch so. Pálnatóki fuhr nun nach Wales, übernahm dort das Reich und das Jahr verging. Im Sommer darauf schickte König Sveinn Männer zu Pálnatóki, um ihn zur Totenfeier einzuladen. Pálnatóki sagte, er könne noch nicht fahren und die Totenfeier unterblieb dieses Jahr. Als es Sommer wurde, ließ König Sveinn die Totenfeier vorbereiten und schickte Männer zu Pálnatóki. Er forderte ihn auf, nun zur Totenfeier zu kommen und sagte, ihm drohe sein Zorn, wenn er diesmal nicht führe. Pálnatóki sagte den Gesandten, daß er nun kommen würde und der König das Gelage vorbereiten lassen solle. Der König ließ nun die Totenfeier vorbereiten und lud eine Menge Leute ein. Als alles vorbereitet war und die Gäste gekommen waren, verging der Tag ohne daß Pálnatóki kam, und die Leute begannen zu trinken. Der König ließ für Pálnatóki den Platz auf dem Hochsitz auf der niedrigeren Bank frei und für seine Männer in Richtung der Tür. Dann begannen sie zu trinken. Nun ist von Pálnatóki und Björn dem Waliser zu berichten, daß sie drei Schiffe und hundert Mann hatten, je zur Hälfte Dänen und Waliser. Sie kamen am selben Abend zum Hof des Königs. Das Wetter war sehr gut. Sie wendeten ihre Schiffe, vertäuten sie und legten die Ruder in die Ruderlöcher. Dann gingen sie mit der ganzen Mannschaft zum Hof des Königs. Pálnatóki ging zusammen mit allen anderen in die Halle, trat vor den König und grüßte ihn. Der König empfing ihn gut und wies ihm und seinen Gefährten ihre Plätze zu. Sie begannen nun zu trinken. Fjölnir neigte sich zum König und sprach eine Zeit lang leise mit ihm. Dabei veränderte der König seine Farbe und wurde rot wie Blut.

Pálnatóki erkennt seinen Pfeil an

Ein Mann hieß Arnoddr und war ein Kerzenträger des Königs. Er stand vor seinem Tisch. Fjölnir gab ihm einen Pfeil und befahl ihm, ihn vor alle Männer, die in der Halle waren, zu tragen, solange, bis irgendjemand zugebe, daß er ihm gehöre. Er ging zuerst von Innen vom Sitz des Königs nach weiter draußen bis zur Türe. Dann ging er nach innen vor Pálnatóki und fragte ihn, ob er diesen Pfeil erkenne. Pálnatóki sagte: “Warum sollte ich nicht meinen Pfeil erkennen. Gib ihn mir, er gehört mir.” Da herrschte tiefes Schweigen in der Halle, als jemand sich diesen Pfeil zuschrieb. König Sveinn sprach: “Du, Pálnatóki, wo trenntest du dich zuletzt von diesem Pfeil?” Pálnatóki sagte: “Ich bin dir oft zuwillen gewesen, Ziehsohn, und so soll es noch einmal sein. Ich trennte mich von ihm auf der Bogensehne, als ich deinen Vater durchschoß.” Der König sprach: “Männer, steht so schnell wie möglich auf und ergreift Pálnatóki und seine Leute. Sie sollen alle getötet werden, denn jetzt ist das gute Verhältnis zwischen uns zerschlagen.” Alle in der Halle sprangen auf. Pálnatóki zog sein Schwert und schlug seinen Verwandten Fjölnir entzwei. Dann versuchte er, mit allen seinen Männern nach draußen zu kommen. Weil er dort sehr beliebt war, wollte ihm niemand Schaden zufügen.

Nun waren Pálnatóki und alle seine Leute aus der Halle hinausgekommen, bis auf einen Mann von Björns Gefolge. Pálnatóki sprach: “Mehr war nicht zu erwarten, und eilen wir jetzt zu den Schiffen.” Björn sagte: “Du würdest nicht von einem deiner Männer so weglaufen und ich werde es auch nicht tun.” Er wendete sich zurück in die Halle. Die drinnen warfen den Waliser über ihren Köpfen umher und hatten ihn beinahe zerrissen. Björn ging nun hinzu, ergriff den toten Mann und warf ihn sich auf den Rücken. Das tat Björn hauptsächlich um seines Ruhmes willen. Dann begaben sie sich zu ihren Schiffen, legten sich in die Riemen und ruderten fort. Sie hielten nicht an bis sie nach Wales kamen.

König Sveinn und seine Leute setzten die Totenfeier fort, aber die Sache gefiel ihm schlecht. Im Sommer darauf wurde Pálnatókis Frau Álof krank und starb. Nun gefiel es ihm nicht länger in Wales. Er setzte Björn den Waliser in die Herrschaft ein, verließ das Land mit 30 Schiffen und fuhr auf Raubfahrt und begann, in Schottland und Irland zu plündern. Diese Beschäftigung pflegte er drei Jahre lang und verschaffte sich großen Reichtum und Ruhm. Im vierten Sommer segelte Pálnatóki mit 40 Schiffen nach Osten nach Wendenland.

König Burizleifs Freundschaftsangebot an Pálnatóki

Zu dieser Zeit herrschte über Wendenland der König, der Burizleifr hieß. Er erfuhr von Pálnatóki und dessen Kriegszug gefiel ihm schlecht, weil dieser beinahe immer den Sieg davontrug und berühmter war als alle anderen. Der König beschloß, Gesandte zu Pálnatóki zu schicken und diesen zu sich einzuladen. Er sagte, er wolle ihm Freundschaft entgegenbringen. Diesem Angebot fügte der König das hinzu, daß er ihm einen Teil seines Landes, der “auf Jóm” hieß, geben wolle, damit er sein Land und seine Herrschaft verteidige. Dies nahm Pálnatóki an und ließ sich mit allen seinen Männern dort nieder. Er ließ dort schnell eine große und stark gebaute Burg errichten. Einige Teile der Burg reichten ins Meer hinaus, und in diesen ließ er einen so großen Hafen anlegen, daß in diesem 300 Langschiffe liegen konnten, so daß sie alle innerhalb der Burg eingeschlossen waren. Dort wurde mit so großer Kunstfertigkeit gebaut, daß es ein Tor mit einem großen Steinbogen darüber gab. Vor dem Tor waren eiserne Türflügel, die von innerhalb des Hafens verschlossen wurden. Auf dem Steinbogen wurde eine große Schanze errichtet, in der Wurfmaschinen standen. Diese Burg wurde Jómsborg genannt.

Verhaltensregeln

Anschließend setzte Pálnatóki mit dem Rat weiser Männer Gesetze für die Jómsborg fest, damit ihr Ruhm möglichst weit bekannt und ihre Schlagkraft am allergrößten würde. Ihre Gesetze begannen damit, daß sich kein Mann dorthin begeben sollte, der älter als 50 und keiner, der jünger als 18 Jahre wäre. Dazwischen sollten alle sein. Verwandtschaft sollte keine Bedeutung haben, wenn jemand sich in ihre Gesetzesgemeinschaft begeben wollte. Keiner sollte vor einem an Kampfkraft und Waffenausrüstung ebenbürtigen Mann fliehen. Jeder sollte den anderen rächen wie seinen eigenen Bruder. Keiner sollte Angst äußern oder irgendetwas fürchten, wie hoffnungslos die Situation auch schiene. Alles, was sie auf Kriegsfahrten erbeuteten, sollte zur Stange getragen werden, sowohl Kleineres als auch Größeres, das wertvoll wäre.[7] Wenn einer das nicht täte, sollte er sich fortbegeben müssen. Keiner sollte dort einen Streit entfachen. Wenn Neuigkeiten kämen, sollte keiner so unbesonnen sein, daß er sie mit lauter Stimme sagte, denn Pálnatóki sollte dort alle Neuigkeiten verkünden. Kein Mann sollte eine Frau in der Burg haben und keiner länger als drei Nächte von dort fort sein. Und selbst wenn ein Mann unter ihnen aufgenommen würde, der den Vater, Bruder oder irgendeinen Nahestehenden eines Mannes, der dort bereits zuvor gewesen war, erschlagen hätte und dies im Nachhinein herauskäme, da sollte Pálnatóki über alles das urteilen und über jede Uneinigkeit, die zwischen ihnen entstünde. Unter diesen Bedingungen saßen sie nun in der Burg und hielten ihre Gesetze gut. Sie fuhren jeden Sommer auf Kriegszug in unterschiedliche Länder und schufen sich Ruhm. Sie wurden für die besten Krieger gehalten, denen beinahe niemand zu ihrer Zeit glich, und sie wurden Jomswikinger genannt.

Zu dieser Zeit herrschte über Seeland ein Jarl, der Haraldr hieß und Strút-Haraldr genannt wurde. Er wurde deshalb so genannt, weil er einen Hut hatte, in den Gold im Gewicht von zehn Mark eingearbeitet war.[8] Seine Frau hieß Ingibjörg, ihr erster Sohn Sigvaldi, der zweite Þorkell der Hohe und ihre Tochter hieß Tófa.

Ein Mann hieß Véseti und herrschte über Bornholm. Seine Frau hieß Hildigunn. Ihr einer Sohn hieß Búi, der andere Sigurðr Mantel. Ihre Tochter hieß Þorgunn.

Pálnatókis Sohn Áki lebte auf Fünen und König Sveinn behandelte ihn in jeder Hinsicht hervorragend. Sveinn warb für ihn um die Hand Þorgunns und mit dieser Frau bekam er einen Sohn, der Vagn genannt wurde. Er wuchs dort bei ihnen zu Hause auf. Ákis Lebensverhältnisse waren ausgezeichnet.

Es wird von Vagn berichtet, daß, als er einige Jahre alt war, ein von seinem Wesen her ein schwieriger zu handhabender Mensch als andere war. Er schlug und prügelte auf alles ein. Er war damals abwechselnd zu Hause und auf Bornholm bei seinem Großvater Véseti, weil weder dieser noch seine Eltern meinten, mit ihm fertig werden zu können. Mit Búi verstand er sich von allen seinen Verwandten am besten und er tat am ehesten das, was dieser sagte, während es ihm egal war, was andere sagten. Er war ein sehr schöner Mann und geschickt in allen Dingen und kräftig. Búi, sein Onkel mütterlicherseits, war schweigsam und stolzen Sinnes. Er war so stark, daß die Menschen seine Kraft nicht genau abschätzen konnten. Er war nicht schön, aber doch umgänglich. Sigurðr Mantel war schön, sehr tapfer und äußerst schweigsam.

Sigvaldi, Jarl Haralds Sohn, war von blasser Gesichtsfarbe, hatte hervorragende Augen und eine häßliche Nase. Er war großgewachsen und flink. Sein Bruder Þorkell war ein sehr großer und starker Mann und beide waren sie sehr klug.

Sigvaldi und Þorkell fragten ihren Vater, wie ratsam es ihm erschiene, daß sie die Jómsborg aufsuchten. Der Jarl sagte, dies sei zu empfehlen, “und es ist höchste Zeit für euch, euch zu erproben.” Sie fragten, ob er ihnen Waffen und Verpflegung stellen würde. Der Jarl sagte, entweder sollten sie nirgendwohin fahren oder sich beides selbst verschaffen. Sie wollten aber nichts desto trotz fahren. Sie rüsteten nun zwei Schiffe und 100 Mann aus, die sie so sorgfältig auswählten, wie sie konnten. Dann fuhren sie nach Bornholm. Dort rannten sie aufs Land hinauf und plünderten den von Vésetis Höfen, der am reichsten war. Sie raubten dort alles Wertvolle und trugen es dann auf ihre Schiffe. Es ist nichts von ihrer Fahrt berichtet, bis sie zur Jómsborg kamen.

Pálnatóki ging immer mit großem Gefolge auf die Schanze, die über der Meerenge war, um von dort aus mit den Männern zu sprechen, die zur Burg kamen. Nun erfuhr er von der Ankunft Sigvaldis und Þorkels. Pálnatóki ging mit großem Gefolge auf die Schanze und fragte, wer über die Schiffe befehlige. Sigvaldi sagte: “Hier bestimmen zwei Brüder, die Söhne Jarl Strút-Haralds. Und das ist unser Anliegen, daß wir uns euch anschließen wollen mit den Männern, die du aus unserer Mannschaft für brauchbar hältst.” Pálnatóki besprach sich nun mit seinen Gefährten und sagte, er kenne ihre Abstammung und sie seien von guter Herkunft. Die anderen baten Pálnatóki, darüber zu entscheiden. Nun wurde die Burg aufgeschlossen und sie ruderten in sie hinein. Dann wurde ihre Mannschaft erprobt. Die eine Hälfte war brauchbar, während die andere wegfuhr. Anschließend wurden die Brüder in die Gemeinschaft aufgenommen.

Véseti klagt

Nun ist da weiter zu erzählen, wo Véseti seines Hofes beraubt wurde. Er begab sich zu König Sveinn und sagte ihm, was geschehen war, hielt aber seine Söhne von aller Gewalttätigkeit zurück. Der König riet ihm, sich zunächst ruhig zu verhalten. “Ich aber werde Jarl Strút-Haraldr eine Botschaft schicken und herausfinden, ob er für seine Söhne bezahlen möchte, so daß du zufriedengestellt wirst. In dem Fall will ich, daß du es dabei bewenden läßt.” Nun fuhr Véseti nach Hause und König Sveinn schickte Gesandte zu Jarl Haraldr. Dieser begab sich zum König und der sagte ihm, was seine Söhne Véseti angetan hatten und forderte ihn auf, Schadensersatz dafür zu leisten und damit wäre die Sache aus der Welt. Der Jarl sagte: “Noch habe ich die Güter nicht bekommen, für die ich bezahlen würde, auch wenn junge Männer sich Rinder oder Schafe zur Verpflegung nehmen.” Der König sagte: “Dann kannst du nach Hause fahren, denn ich habe dir nun gesagt, was ich wollte. Aber du schütze dich selbst und dein Vermögen vor Véseti und seinen Söhnen.” Jarl Haraldr sagte, er habe keine Angst vor Véseti und dessen Söhnen. Anschließend fuhr Jarl Haraldr nach Hause.

Der Vergleich des Königs

Véseti und seine Söhne erfuhren von der Unterhaltung des Jarls und des Königs. Sie rüsteten drei Schiffe und 200 Mann so gut wie möglich aus und fuhren dann nach Seeland. Sie plünderten die drei reichsten Höfe, die Jarl Haraldr gehörten, und fuhren anschließend nach Hause. Nun erfuhr Jarl Haraldr, daß er beraubt worden war. Er schickte daraufhin Männer zu König Sveinn und bat ihn, sie zu versöhnen, und sagte, daß er das nun gerne wollte. König Sveinn sagte: “Jarl Haraldr soll nun seinen eigenen Ratschlägen folgen, da er meine nicht haben wollte. Ich will damit nichts zu tun haben.” Die Gesandten fuhren zurück und berichteten, wie es stand. Der Jarl sagte: “Da werden wir unsere eigenen Beschlüsse fassen müssen, wenn der König untätig sein will.” Jarl Haraldr rüstete nun zehn Schiffe aus, fuhr nach Bornholm und plünderte dort drei von Vésetis Höfen, die nicht schlechter waren als die, die ihm zuvor genommen worden waren. Dann fuhr Jarl Haraldr zurück und meinte, daß es ihm überaus gut ergangen sei. Véseti erfuhr dies und begab sich sofort zum König. Der König empfing ihn gut. Véseti sprach: “Es entwickelt sich jetzt so zwischen mir und Jarl Haraldr, daß ich glaube, daß es zu einem Bürgerkrieg kommen wird, wenn du dich nicht einmischst. Es kann sein, daß es dir jetzt nicht schlechter erschiene als später.” Der König sagte: “Ich werde bald zum Íseyrar-Thing fahren. Dorthin werde ich Jarl Haraldr laden und ihr sollt dort ausgesöhnt werden.” Véseti fuhr nun nach Hause.

Die Zeit bis zum Thing verging. König Sveinn suchte das Thing mit großer Mannschaft auf, weil er allein zwischen ihnen entscheiden wollte. Er hatte 50 Schiffe. Jarl Haraldr hatte nur eine kurze Anreise und 20 Schiffe. Véseti fuhr auch zum Thing und hatte nur fünf Schiffe, aber seine Söhne waren nicht dort. Jarl Haraldr hatte seine Zelte nur wenig vom Meer entfernt stehen. Véseti stellte seine Zelte bei der Meeresenge nahe des Thingplates auf. Als der Abend verging, sah man zehn Schiffe von Jarl Haralds Lager her zum Thing fahren. Das waren die Söhne Vésetis. Sie ankerten und die Besatzung ging hinauf zum Thing. Búi war stattlich gekleidet, denn er hatte Jarl Haralds Prunkkleidung an, die 20 Mark Gold wert war. Er hatte auch den mit zehn Mark Gold ausgestatteten Hut des Jarls auf dem Kopf. Außerdem hatten sie dem Jarl zwei Kisten abgenommen, in denen jeweils 90 Mark Gold waren. Sie gingen vollständig bewaffnet und mit angriffsbereitem Gefolge aufs Thing. Da begann Búi zu sprechen: “Nun ist die Gelegenheit, Jarl Haraldr, deine Waffen zu ergreifen, wenn du es wagst zu kämpfen und irgendwelcher Mut in dir steckt, denn ich bin jetzt bereit, mit dir zu kämpfen. König Sveinnn hörte Búis Worte und meinte zu sehen, daß er seine Autorität nicht aufrechterhalten können würde, wenn dies geschähe. Der König trat nun zwischen sie, so daß sie sich nicht kämpfen konnten. Beide Seiten waren nun gezwungen, sich dem Urteil des Königs zu unterwerfen. Búi bestand bei dem Vergleich darauf, niemals die Goldkisten des Jarls herzugeben. Es ist die Ansicht der Leute, daß er das auch durchgesetzt hätte. König Sveinn schloß den Vergleich ab und er enthielt das, “daß du Búi, die Prunkkleidung des Jarls herausgeben sollst, aber die beiden Goldkisten sollst du behalten. Ihr sollt auch die drei Höfe des Jarls, die ihm ausgeraubt wurden, auf die Weise entgelten, daß der Jarl seine Tochter Tófa mit Sigurðr Mantel verheiraten soll und diese drei Höfe ihre Mitgift sein sollen. Beide Seiten akzeptierten die Entscheidung gerne. Véseti gab Sigurðr ein Drittel allen Besitzes und Sigurðr war mit seiner Heirat sehr zufrieden. Sie schlossen auch die Hochzeit direkt an das Thing an und beide Seiten luden auch König Sveinn dazu ein. Die Heirat Sigurðs und Tófas wurde nun mit viel Würde gefeiert. Dann fuhr Véseti nach Hause und verhielt sich ruhig.

Als seine Söhne eine kurze Weile daheim gewesen waren, bekam Búi Lust, zur Jómsborg zu fahren und so seinen Ruhm zu vergrößern. Sigurðr wollte mitkommen, obwohl er verheiratet war. Die Brüder bereiteten sich zur Abfahrt vor und hatten zwei Schiffe und 100 Mann und wollten es den Söhnen Strút-Haralds gleichtun. Sie kamen zur Jómsborg und ankerten außerhalb des Hafentores. Nun gingen die Anführer mit großem Gefolge auf die Schanze. Sigvaldi erkannte die angekommenen Männer. Nun trug Búi sein Anliegen vor. Er sagte, er wollte sich Pálnatókis Mannschaft anschließen, wenn dieser ihn und seinen Bruder aufnehmen wollte. Da sprach Sigvaldi: “Wie habt ihr und Strút-Haraldr euren Streit beigelegt, bevor ihr das Land verließt?” Búi sagte: “Die Geschichte unserer Auseinandersetzung ist lang und ich kann sie jetzt nicht erzählen, aber wir sind gemäß dem Urteil des Königs verglichen.” Nun sprach Pálnatóki zu seinen Männern: “Wollt ihr es darauf ankommen lassen, ob diese Männer die Wahrheit sagen oder nicht? Ich wäre begierig darauf, sie aufzunehmen, denn wenige in unserer Mannschaft werden wie sie sein.” Sie sagten: “Wir wollen, daß du sie in unsere Gemeinschaft aufnimmst, wenn es dir passend erscheint. Aber falls später einige Dinge über ihr Verhalten herauskommen, die wir nicht wissen, dann soll das wie anderes auch deinem Urteil unterliegen.” Anschließend wurde die Burg geöffnet und Búi und Sigurðr ankerten mit ihren Schiffen im Hafen. Dann wurde ihr Gefolge erprobt und 80 Mann schienen brauchbar zu sein, aber 40 fuhren nach Hause. Sie saßen nun mit großem Ruhm in der Burg. Jeden Sommer fuhren sie auf Wikingerzug und vollbrachten viele weitere Ruhmestaten.

Von Vagn

Nun ist von Vagn Ákason zu erzählen, daß er abwechselnd bei seinem Vater oder bei Véseti, seinem Onkel mütterlicherseits, war. Er war ein so ungebärdiger Mann, daß er drei Menschen getötet hatte, als er neun Jahre alt war. Dennoch blieb er zu Hause, bis er 12 Jahre alt wurde. Da sagte er seinem Vater, daß er ihm Mannschaft geben solle. Áki gab ihm 50 Mann und ein Schiff und Véseti gab ihm ebenfalls 50 Mann und ein zweites Langschiff. Keiner der Männer, die ihm folgten, war älter als 20 und keiner jünger als 18 Jahre, außer Vagn. Er war 12 Jahre. Er sagte, er würde sich selbst Verpflegung und Waffen beschaffen. Nun begab Vagn sich mit seiner Mannschaft fort und benötigte bald Verpflegung. Er fuhr an ganz Dänemark entlang und verübte zahlreiche Überfälle an der Küste. Er raubte sowohl Rüstung als auch Waffen. Er hörte damit nicht auf, bis er von beidem genug hatte. Dann segelte er von Dänemark fort und hielt Kurs auf die Jómsborg.

Er kam dort eines Tages früh bei Sonnenaufgang an. Er ankerte mit seinen Schiffen außerhalb bei dem Steinbogen und die Anführer der Burg gingen mit großem Gefolge hinauf und fragten, wer gekommen sei. Vagn stellte die Gegenfrage, ob Pálnatóki auf der Schanze sei. Pálnatóki sagte, daß es so war. “Und wer bist du, der sich so vornehm gibt?” “Das soll dir nicht verheimlicht werden, daß ich Vagn heiße und Ákis Sohn bin. Und ich bin hierher gekommen, um dir meine Gefolgschaft anzubieten. Ich erschien zu Hause nicht zu ertragen.” Pálnatóki sagte: “Hältst du es für wahrscheinlich, Verwandter, daß du hier erträglich erscheinst, wenn die Leute zu Hause dich kaum aushalten konnten?” Vagn sprach: “Dann bin ich belogen worden, Verwandter, wenn solche nicht in eurer Gemeinschaft brauchbar sind.”

Pálnatóki sprach daraufhin zu seinen Männern: “Erscheint es euch ratsam, daß wir sie aufnehmen?” “Das erscheint mir ratsam”, sagte Búi, “auch wenn er mit mir von seinen Verwandten am besten auskommt, daß wir ihn nicht aufnehmen.”

Pálnatóki sprach: “Verwandter Vagn. Unsere Männer stellen sich gegen dich, sowohl deine Verwandten als auch andere.” Vagn sagte: “Das hätte ich nicht von dir erwartet, Verwandter Búi.” Búi sprach: “Ich stehe dennoch dazu.” Vagn sprach: “Wie äußern sich die Söhne Strút-Haralds?” Sigvaldi sprach: “Wir sind uns einig, daß wir wollen, daß du nie in unsere Schar kommst.” Nun sagte Pálnatóki: “Wie alt bist du, Verwandter?” Vagn sagte: “Darüber werde ich nicht lügen. Ich bin 12 Jahre.” Pálnatóki sprach: “Da entsprichst du nicht unseren Gesetzen, denn du bist ein viel jüngerer Mann als die, die wir in unsere Gemeinschaft aufnehmen. Das ist ein hinreichender Grund, daß du nicht hier sein kannst.” Vagn sagte: “Ich werde nicht danach streben, eure Gesetze zu brechen. Aber sie wären dadurch nicht gebrochen, wenn ich wie ein Achtzehnjähriger oder älterer bin.” Pálnatóki sprach: “Besteh nicht hierauf, Verwandter. Ich werde dich stattdessen zu Björn nach Wales schicken und wegen unserer Verwandtschaft gebe ich dir das halbe Reich, das mir in Wales gehört.” Vagn sagte: “Das ist ein gutes Angebot, aber ich will es nicht.” “Was hast du vor, Verwandter, wenn du so etwas nicht willst?” sagte Pálnatóki. “Das soll nun deutlich werden”, sagte Vagn. “Ich fordere Sigvaldi, den Sohn Strút-Haralds, auf, mit zwei Schiffen die Burg zu verlassen. Erproben wir, wer von uns zurückweicht oder wer die Oberhand gewinnt. Und das soll festgelegt sein, daß ihr uns aufnehmt, falls sie zurückweichen. Andernfalls werden wir wegfahren. Und ich fordere Sigvaldi mit nicht wenig Streitlust dazu auf, daß er mit uns kämpft, wenn er unerschrocken ist und eher den Mut eines Mannes als den eines weiblichen Tieres hat.”

Pálnatóki sprach: “Hörst du, Sigvaldi, was Vagn sagt? Er ist nicht zimperlich in seiner Herausforderung und ich meine, daß ihr in große Gefahr kommt. Aber da so viel dazu gesagt wurde, kann ich euch nicht davon zurückhalten, daß ihr sie angreift und ihnen solches Übel zufügt, wie ihr könnt. Aber ich will nicht, daß ihr Vagn tötet, auch wenn er nicht ganz verträglich scheinen mag.”

Danach rüsteten sich Sigvaldi und seine Leute und ruderten mit zwei Schiffen auf sie zu. Es kam sofort zu einem harten Kampf. Vagn und seine Leute ließen einen so heftigen Steinhagel auf sie niedergehen, daß Sigvaldi und seine Mannschaft nichts anderes tun konnten, als sich zu schützen und selbst das war nicht leicht für sie. Sie legten ihre Schiffe längsseits und als die Steinwürfe nachließen, ließen sie nicht auf Hiebe warten. Dennoch kam es so, daß Sigvaldi sich zum Land hin abtreiben ließ und sich Steine verschaffen wollte, aber Vagn und die Seinen folgten ihnen direkt. Sie trafen nun an Land aufeinander und Sigvaldi war gezwungen, zurückzuweichen und es kam zu einem viel heftigeren Kampf. Etliche von Sigvaldis Mannschaft fielen.

Pálnatóki und die anderen waren auf der Schanze und schauten zu. Pálnatóki glaubte nun zu sehen, wie es enden würde. Er rief Sigvaldi zu, daß sie aufhören sollten. “Denn es wird euch nichts nützen, das auszukämpfen. Es ist mein Rat, daß wir Vagn und seine Männer aufnehmen, auch wenn er jünger ist als in unseren Gesetzen festgelegt ist. Aber es besteht gute Hoffnung, daß so ein Mann ein guter Krieger werden wird, wie mir scheint.” Nun taten sie wie Pálnatóki sagte. Sie beendeten den Kampf und nahmen Vagn und seine Gefährten in die Gemeinschaft auf. 30 von Sigvaldis Männern waren gefallen und weniger von Vagns, aber viele waren verwundet.

Vagn folgte ihnen von da an auf jedem Kriegszug und befehligte ein Schiff. Keiner schien ein ebensolcher Krieger zu sein wie er. So vergingen drei Sommer. Nun war Vagn 15 Jahre alt. Da bekam Pálnatóki eine Krankheit. Er ließ nach König Burizleifr schicken und als der König zu Pálnatóki kam, sprach dieser: “Ich ahne, Herr König, daß ich nicht mehr Krankheiten als diese bekommen werde.” Der König sprach: “Es ist mein Rat, daß du einen Mann an deiner Stelle auswählst, um die Dinge zu ordnen, um die du dich zuvor gekümmert hast. Dieser soll der Anführer in der Burg sein und ihr euch weiterhin hier aufhalten.” Pálnatóki sagte, daß ihm Sigvaldi am ehesten geeignet erschiene, die Angelegenheiten der Männer zu regeln. “Aber allen scheint mir doch etwas zu fehlen zu dem, was ich gewesen bin.” Der König sprach: “Deine Ratschläge haben uns oft genützt und das wird auch mit dem letzten so sein. All die alten Gesetze sollen in der Burg bestehen bleiben.” Sigvaldi war nicht abgeneigt und stellte sich sehr gerne zur Verfügung. Nun gab Pálnatóki seinem Verwandten Vagn halb Wales als Eigentum und zur Herrschaft zusammen mit Björn dem Waliser und wünschte Vagn in jeder Hinsicht Glück mit der Mannschaft. Wenig später starb Pálnatóki und das schien allen ein großer Schaden zu sein.

Sigvaldis Verrat an König Sveinn

Als Sigvaldi kurze Zeit ihre Gemeinschaft angeführt hatte, änderte sich einiges an dem, wie es vorher war. Es waren Frauen zwei oder drei Nächte lang dort und es waren auch Männer länger außerhalb der Burg als zu Pálnatókis Lebzeiten. Es kam auch manchmal zu Körperverletzungen und einzelnen Totschlägen.

König Burizleifr hatte drei Töchter. Die älteste hieß Ástríðr und war sehr schön und äußerst klug. Die zweite hieß Gunnhildr und die dritte Geira. Diese heiratete Óláfr Tryggvason.

Sigvaldi begab sich nun zum König und bot ihm zwei Wahlmöglichkeiten: Daß er nicht länger in der Burg bliebe oder daß der König ihm seine Tochter Ástríðr gebe. “Ich hatte die Absicht”, sagte der König, “daß sie mit einem Mann von höherem Stand als du es bist verheiratet würde, aber dennoch ist es für mich notwendig, daß du in der Burg bleibst. Wir werden alles zusammen besprechen.” Der König traf nun seine Tochter Ástríðr und fragte, wie es ihr gefallen würde mit Sigvaldi verheiratet zu werden. Ástríðr sagte: “Um dir die Wahrheit zu sagen, ich möchte Sigvaldi nie als Mann. Er soll es schaffen, das Land von allen Steuern, die wir bisher dem Dänenkönig gezahlt haben, zu befreien, bevor er in mein Bett kommt. Die zweite Bedingung ist, daß er König Sveinn hierher bringt, so daß du ihn in deiner Gewalt hast.” Der König berichtete dies nun Sigvaldi, aber er war begierig auf die Hochzeit mit Ástríðr. Es endete damit, daß Sigvaldi den Bedingungen zustimmte und sie dies mit Abmachungen bekräftigten. Die Vereinbarungen sollten vor dem nächsten Weihnachten erfüllt oder andernfalls nichtig sein.

Sigvaldi fuhr nun heim zur Jómsborg. Wenig später verließ er mit drei Schiffen und 300 Mann die Burg. Er fuhr, bis er nach Seeland kam und sprach mit Leuten. Er erfuhr, daß König Sveinn nicht weit von dort bewirtet wurde. Er ankerte mit seinen Schiffen bei einer Landspitze. Nirgends in der Nähe waren andere Schiffe und die Stelle war nahe an dem Hof, wo der König mit 600 Mann trank. Sigvaldi und seine Leute wendeten die Schiffe und ließen die Vordersteven vom Land wegzeigen. Sie banden die Schiffe jeweils längsseits zusammen. Dann schickte Sigvaldi 20 Mann zu König Sveinn. “Sagt ihm, daß ich krank sei und im Sterben liege und ihn unbedingt sehen wolle und daß sein Leben daran hienge.” Sie trafen nun den König und trugen ihm dieses Anliegen vor. Der König brach sofort auf und begab sich mit 600 Mann dorthin.

Als Sigvaldi gewahr wurde, daß der König gekommen war, lag er auf dem Schiff, das am weitesten vom Land entfernt war. Er sprach zu seinen Männern: “Wenn 30 Mann auf das Schiff gekommen sind, das dem Land am nächsten liegt, sollt ihr die Brücke vom Land wegziehen und sagen, daß nicht soviele Männer auf das Schiff stapfen sollen, daß es sinkt. Ich vermute, daß der König in der vorderen Reihe geht. Wenn 20 Mann auf das mittlere Schiff gekommen sind, sollt ihr dort die Brücke wegziehen.” Als der König auf das Schiff kam, taten sie, wie besprochen worden war. Als der König mit zehn Mann auf Sigvaldis Schiff gekommen war, fragte er, ob Sigvaldi noch die Fähigkeit habe zu sprechen. Ihm wurde gesagt, daß seine Kraft sehr gering sei. Der König ging zu Sigvaldis Bett und fragte ihn, ob er sprechen könne. Sigvaldi antwortete: “Beuge dich zu mir herunter.” Aber als der König sich über ihn beugte, ergriff Sigvaldi ihn mit der einen Hand an den Schultern und mit der anderen am Arm. Dann rief er, daß alle Schiffe so schnell wie möglich wegrudern sollten und so wurde es getan. Die Leute des Königs blieben an Land zurück und sahen zu. Da sprach der König: “Was bedeutet das nun, Sigvaldi? Willst du mich verraten oder was hast du vor?” Sigvaldi sagte: “Ich werde Euch nicht verraten, aber Ihr sollt zur Jómsborg fahren. Dort sollt ihr willkommen sein und wir werden Euch alle Ehre erweisen.” Der König sagte: “Das werden wir auch annehmen.”

Sie fuhren nun zur Jómsborg und die Jomswikinger bereiteten dem König ein großes Gastmahl und nannten sich seine Männer. Dann sagte Sigvaldi ihm, daß er für ihn um die Hand Gunnhilds, der schönsten Tochter König Burizleifs, angehalten habe. “Aber mit mir ist ihre Schwester Ástríðr verlobt. Ich werde nun zum König fahren und diese Angelegenheit für dich weiterführen.” Der König bat ihn, dies zu tun. Sigvaldi begab sich nun mit 100 Mann zu König Burizleifr und sprach mit ihm. Sigvaldi behauptete nun, die Heirat mit Ástríðr erlangt zu haben. König Burizleifr und Sigvaldi berieten sich. Anschließend fuhr Sigvaldi heim. König Sveinn fragte ihn, wie die Sache gelinge. Sigvaldi sagte, daß dies in seiner Hand liege. “…falls du König Burizleifr die Steuern erläßt, bevor er dir seine Tochter Ástríðr verheiratet. Es ist für euch beide eine größere Ehre, daß du die Tochter eines Königs heiratest, der nicht steuerpflichtig ist.” Sigvaldi schaffte es mit seinen Überredungen, daß der König diese Bedingung annahm. Der Hochzeitstermin wurde nun festgelegt und beide Hochzeiten sollten gleichzeitig stattfinden. König Sveinn begab sich zu der Feier und alle Jomswikinger folgten ihm. Es war eine so große Feier, daß sich die Leute an keine prächtigere in Wendenland erinnerten. Am ersten Abend waren die Bräute verschleiert, aber am morgen darauf waren sie fröhlich und verhüllten nicht das Gesicht. Da betrachtete König Sveinn ihre Antlitze, denn er hatte keine von beiden vorher gesehen. Sigvaldi hatte gesagt, daß die die schönere Frau sei, die der König heiratete. Dem König erschien dies aber nicht so und er glaubte, daß Sigvaldi nicht die Wahrheit gesagt hatte. Dem König wurde nun Sigvaldis ganzer Plan klar. Dennoch versuchte er, das Beste für seine Ehre aus der Situation zu machen. Dann endete das Fest. Der König fuhr mit siener Frau nach Hause und nahm von dort 30 Schiffe, viel Gefolge und zahlreiche Kostbarkeiten mit. Sigvaldi fuhr mit seiner Frau zur Jómsborg und mit ihm die Jomswikinger.

Wenig später erhielt man die Nachricht aus Dänemark, daß Jarl Strút-Haraldr, der Vater Sigvaldis und Þorkels, gestorben war, aber ihr Bruder Hemingr war jung. Nun schickte König Sveinn Sigvaldi die Botschaft, daß sie nach Dänemark kommen sollten, um das Erbe ihres Vaters anzutreten. Sie schickten die Botschaft, der König möge die Totenfeier vorbereiten lassen und dabei nicht an ihrem Vermögen sparen. Sie sagten, sie würden zu Beginn des Winters dazukommen. Das erschien den meisten Leuten unratsam und sie meinten, daß König Sveins und Sigvaldis Freundschaft oberflächlich sein müsse, nach dem was geschehen war, aber sie wollten nichtsdestotrotz fahren. Die Jomswikinger brachen nun mit einem halben Hundert Schiffe von der Burg auf und fuhren nach Seeland. Dort war König Sveinn und ein prächtiges Fest war vorbereitet worden. Es war auch eine sehr große Menge von Menschen dort.

König Sveinn ließ gleich am ersten Abend den Jomswikingern das stärkste Getränk vorsetzen und sie tranken auch überaus kräftig. König Sveinn bemerkte, daß sie nun sturzbetrunken und äußerst redselig wurden. Da begann König Sveinn zu sprechen: “Hier ist nun großer Festlärm. Es wäre nun angebracht, daß wir zur Freude der Leute mit etwas Vergnüglichem begännen, an das man sich später erinnern würde.” Sigvaldi sagte: “Es scheint uns als Beginn am besten, daß Ihr damit beginnt, denn wir alle müssen Euch gehorchen.” Der König sprach: “Ich weiß, daß es der Brauch ist, bei solchen Festen zum eigenen Ruhm Gelübde abzulegen. Da ihr nun in allen Landen berühmt seid, wird das, was ihr sagt, auch heraussragend sein. Ich werde den Anfang machen: Ich schwöre, daß ich König Æethelred aus seinem Reich innerhalb von drei Jahren vertrieben oder getötet und so das Reich erlangt haben werde. Jetzt bist du dran, Sigvaldi, und mach kein geringeres Versprechen.”

Er sprach, so solle es sein. “Herr, ich schwöre,” sagte er, “daß ich mit der Mannschaft und dem Vermögen, das ich zur Verfügung habe, in Norwegen Krieg führen werde und innerhalb von drei Jahren Jarl Hákon aus dem Land vertreiben oder töten oder andernfalls selbst dort fallen werde.” Da sagte der König: “Das ist ein gutes Versprechen. Viel Glück und halte dies gut ein. Jetzt bist du dran, Þorkell der Hohe, und es ist das beste, daß etwas Großartiges kommt.” Þorkell sagte: “Ich habe darüber nachgedacht und mein Versprechen ist, meinem Bruder Sigvaldi zu folgen und nicht zu fliehen, ehe ich auf den Achtersteven seines Schiffs blicke.” “Das ist tapfer gesprochen und du wirst das gut einhalten. Du, Búi der Dicke”, sagte der König, “Jetzt bist du dran. Und du wirst dein Gelübde wohl etwas Bemerkenswertes werden lassen.” “Ich schwöre”, sagte Búi, “daß ich Sigvaldi mit meiner ganzen Tapferkeit auf dieser Fahrt folgen und dabei bleiben werde, solange Sigvaldi es will.” “Es kam so, wie Wir es vermuteten”, sagte der König, “daß es bei dir etwas Großartiges werden würde. Jetzt bist du dran nach deinem Bruder, Sigurðr Mantel.” “Das ist schnell erledigt,” sagte Sigurð. Ich werde meinem Bruder folgen und nicht eher als er fliehen oder bevor er tot ist.” “Solches war zu erwarten”, sagte der König. “Jetzt bist du dran, Vagn, und es liegt Uns viel daran, dein Gelübde zu hören, denn ihr aus deiner Familie seid große Kämpfer.” Vagn sprach: “Ich schwöre, Sigvaldi und meinem Verwandten Búi auf dieser Fahrt zu folgen und so lange dabei zu bleiben, wie Búi will, falls er noch am Leben ist. Zu diesem Gelübde soll außerdem dazu kommen, daß ich, wenn ich nach Norwegen komme, Þorkell leira töten und zu seiner Tochter Ingibjörg ins Bett steigen werde, ohne das Einverständnis ihrer Verwandten.” Björn der Waliser war bei Vagn. Da sprach der König: “Was versprichst du, Björn?” Er sagte: “Meinem Ziehsohn Vagn mit all meinem Mut zu folgen.”

Nun endete das Gespräch und die Männer gingen schlafen. Sigvladi legte sich zu seiner Frau Ástríðr ins Bett und schlief bald tief und fest. Als er aufwachte, fragte ihn Ástríðr, ob er sich an sein Gelübde erinnere. Er sagte, er erinnere sich nicht. Sie sprach: “Es wird dir nichts nützen, so zu tun, als ob nichts geschehen sei.” Sie sagte es ihm. “Und es werden sowohl Klugheit als auch Planung erforderlich sein.” Sigvaldi sprach: “Was sollen wir nun anfangen? Du bist klug und gut im Ratschläge erteilen.” “Ich weiß es nicht”, sagte sie, “aber der König soll etwas dazu beisteuern, denn du wirst von Sveinn später wenig Unterstützung bekommen, wenn du sie nicht jetzt bekommst.” Danach beratschlagten sie sich. König Sveinn setzte sich in seinen Hochsitz und alle Jomswikinger kamen dazu. Sigvaldi war sehr vergnügt. König Sveinn fragte, ob Sigvaldi sich an sein Versprechen erinnere. Sigvaldi gab an, sich nicht zu erinnern. Der König sagte es ihm daraufhin. Sigvaldi sagte, Bier mache einen zu einem anderen Mann. “Was wirst du dazu beitragen, daß ich mein Versprechen erfülle?” Der König sagte, er habe vor, sobald Sigvaldi fahrtbereit sei, 20 Schiffe dazuzugeben. Sigvaldi sagte: “Das ist ein guter Beitrag für einen Bauern, aber es ist nicht königlich.” Da sprach König Sveinn und blickte finster drein: “Wieviel verlangst du?” Sigvaldi sagte: “Das ist schnell zu sagen: 60 große Schiffe und ich werde meinerseits nicht weniger beitragen, auch wenn es kleinere sind, denn ungewiß ist, ob alle zurückkommen.” Da sprach der König: “Alle Schiffe werden bereit sein, wenn du bereit bist.” “Das ist gut”, sagte Sigvaldi. “Und führe das zuverlässig aus, denn es soll sofort losgefahren werden, sobald das Fest vorbei ist.” Da wurde der König still und sprach eher als zu erwarten war: “Es soll erfüllt werden, auch wenn das schneller geschieht, als ich vorhatte.” Da sprach Sivaldis Frau Ástríðr: “Es ist nicht zu erwarten, daß ihr Jarl Hákon besiegt, wenn er vorher davon erfährt – wo der Sieg schon fraglich ist, auch wenn er von nichts ahnt.” Nun gaben sie sogleich noch während des Fests die Anweisungen für die Fahrt. Tófa, die Tochter Jarl Haralds, sprach zu ihrem Mann Sigurðr: “Ich will dich darum bitten, daß du so gut wie möglich deinem Bruder Búi beistehst, denn er hat mir viel Gutes getan und ich will ihm ein wenig meine Dankbarkeit zeigen. Hier sind zwei Männer, Búi, die ich dir geben will. Der eine heißt Hávarðr höggvandi, der andere Áslákr hólmskalli.” Búi nahm die Männer an und dankte ihr dafür. Búi übergab sogleich Áslákr seinem Verwandten Vagn.

Nun endete das Gastmahl und die Jomswikinger bereiteten sich zum Verlassen des Fests vor. Dann fuhren sie mit 100 großen Schiffen.

Sie bekamen guten Fahrtwind und erreichten die Vík[9] in Norwegen. Spät am Abend kamen sie überraschend zur Stadt Tunsberg. Der Lehensmann, der die Stadt verwaltete, hieß Geirmundr hvíti. Als das Heer in die Stadt kam, plünderte es sie beinahe vollständig. Sie erschlugen viele Menschen und raubten enorm viel Wertvolles. Für die Einwohner gab es ein böses Erwachen. Geirmundr und die, die in der Unterkunft ihm am nächsten schliefen, wachten auf. Sie liefen in die Dachbodenkammer hinauf, die sie glaubten, am längsten verteidigen zu können. Da strömten die Jomswikinger zur Dachkammer und schlugen heftig auf sie ein. Geirmundr erkannte, daß sie auf diese Art dort nur kurze Zeit bleiben konnten. Er entschloß sich, von oben aus der Kammer auf die Straße herunter zu springen. Er kam stehend auf. In der Nähe stand Vagn und hieb sofort nach ihm. Er schlug ihm die Hand ab, an der noch ein Goldring hing.

So zugerichtet entkam Geirmundr in den Wald und wanderte sechs Tage lang durch diesen, bis er in bewohntes Gebiet kam. Dann reiste er so schnell er konnte nach Norden, sowohl bei Nacht als auch bei Tag. Er erfuhr, daß Jarl Hákon mit 100 Mann bei einem Gastmahl auf dem Hof Skugga war. Geirmundr kam spät am Abend dorthin, als der Jarl beim Trinken saß. Geirmundr ging vor ihn und grüßte ihn. Der Jarl fragte, wer er sei, und er sagte es. Der Jarl fragte nach Neuigkeiten. Geirmundr sagte: “Noch sind es geringfügige Neuigkeiten, aber sie könnten zu großen werden.” “Was denn?”, sagte der Jarl. Geirmundr sprach: “Ein Heer ist im Osten in der Vík ins Land gekommen und überzieht alles mit Krieg und Unfriede.” Da sprach der Jarl: “Ich weiß, daß du keine Kriegsmeldung bringen würdest, wenn sie nicht wahr wäre. Wer ist der Anführer dieses Heers?” Geirmundr sprach: “Sigvaldi heißt der, der es anführt und ich hörte auch Búi und Vagn genannt. Ich habe ein Erinnerungszeichen daran.” Er reckte den Arm hoch und zeigte ihm den Stumpf. Der Jarl sprach: “Schlimm und schmerzhaft ist mit dir umgegangen worden. Weißt du, wer dir diese Verletzung angetan hat?” Geirmundr sprach: “Ich kann es mit einiger Wahrscheinlichkeit erraten, denn sie sprachen, als derjenige den Ring aufhob, der an der Hand hing: ‚Jetzt hast du Gewinn gemacht, Vagn.’ Mir schien, daß das Heer ‚die Jomswikinger’ genannt wird.” Der Jarl sprach: “Darin wirst du recht haben, aber es ist das letzte, was ich mir wünschen würde.”

Die Heeressammlung des Jarls

Der Jarl verließ sofort das Gastmahl und wendete sich hinunter nach Raumsdal. Er schickte in alle Richtungen Männer los und ließ das Heeresaufgebot ergehen. Er schickte auch Männer nach Norden zu seinem Sohn Sveinn nach Trondheim, damit dieser Mannschaft im ganzen Gebiet um Trondheim sammelte. Jarl Eiríkr begab sich nordwärts nach Naumudal und dann am Meer entlang von Norden durch Nordmöre und über die Inseln. Das Heer sollte sich auf der Insel Haud sammeln. Erling, ein Sohn des Jarls, fuhr durch Rogaland, Jarl Hákon selbst durch Südmöre und Raumsdal. Sie sammelten nun das gesamte Heer bei der Insel Haud in der Bucht, die als Hjörungavágr bezeichnet wird. Sie hatten mehr als 300 Schiffe. Dann beratschlagten sie sich.

Von den Jomswikingern ist nun zu berichten, daß sie von Süden her am Land entlang fuhren. Alle, die konnten, flohen vor ihnen, aber dennoch erschlugen sie eine Menge Menschen und plünderten viel an den Küsten. Dann segelten sie nach Norden nach Stad und ankerten vor den Hereyjar. Zu dem Zeitpunkt hatten sie noch nichts vom Jarl erfahren. Sie hielten mit der gesamten Flotte dorthin, weil sie meinten, dort Plündern zu müssen. Vagn fuhr mit seinem Langschiff zu der Insel Haud.

Sie trafen dort auf einen Mann, der drei Kühe und sieben Ziegen vor sich hertrieb. Vagn fragte ihn nach seinem Namen. Er sagte, er heiße Úlfr. Da sprach Vagn: “Treibt das Vieh hinunter zum Strand.” “Wer ist dieser Mann?” sagte Úlfr. Er sagte es. Úlfr sprach: “Wenn ihr Jomswikinger seid, scheint mir, daß es größeres Schlachtvieh gäbe und das nicht weit entfernt.” “Sag es uns, falls du etwas über den Aufenthaltsort des Jarls weißt, dann kannst du sowohl deine Kühe als auch deine Ziegen behalten.” Úlfr sprach: “Er war gestern mit einem Schiff hier hinter der Insel im Hjörungavágr. Da sagte Vagn: “Du wirst mit uns fahren und uns den Weg zeigen.” Er ging mit Vagn aufs Schiff und sie und einiges an Mannschaft steuerten zu den Hereyjar. Die Jomswikinger bereiteten sich nun vor wie auf eine Schlacht, obwohl Úlfr meinte, das Ganze sei leicht zu bewältigen. Nun vermutete Úlfr, daß sie von mehr Schiffen ausgehen würden. Da stürzte er sich nach außen über Bord und begann zu schwimmen, aber Vagn nahm einen Wurfspieß, stieß ihn ihm in die Mitte und damit ließ Úlfr sein Leben. Die Jomswikinger sahen nun, daß die Bucht vollständig mit Schiffen bedeckt war. Sie ordneten ihre Flotte sofort zur Schlacht. Sigvaldi fuhr in die Mitte der Flotte und sein Bruder Þorkell an seiner Seite. Búi und sein Bruder Sigurðr waren im nördlichen Flügel, Vagn Ákason und Björn der Waliser im südlichen. Der Hjörungavágr ist so beschaffen, daß in der Mitte der Bucht eine Schäre liegt, nördlich davon die Insel, die Primsignd heißt und südlich davon Hörund.

Nun sahen die Jarle, daß die Jomswikinger gekommen waren und ordneten nun ihrerseits ihre Flotte. Sie wollten Jarl Hákons Sohn Sveinn Sigvaldi und Guðbrandr von den Dalir entgegenstellen; Styrkárr auf Gymsar gegen Sigvaldis Bruder Þorkell; Yrjarskeggi, Sigurðr steiklingr von Halogaland und Þórir Hirsch gegen Búi; Þorkell miðlangr, Hallstein kerlingr, Þorkell leira gegen Sigurðr Mantel; Arnmóðr und seine Söhne Árni und Finnr gegen Vagn; sowie Jarl Eiríkr, Hákons Sohn, Erlingr von Skuggi und Geirmundr hvíti gegen Björn den Waliser. [Auch] Einarr der Kleine und Hávarðr von Flyðrunes.[10] Jarl Hákon sollte sich frei bewegen und allen Flottenteilen beistehen. Bei dem Jarl und seinen Söhnen waren vier Isländer. Skjáldmeyjar-Einarrr, der Skalde des Jarls, sprang auf auf die Schiffsbrücke und sprach: “Ich werde mich zu Sigvaldi begeben, dieser Jarl hier gibt zu wenig.” Dann dichtete er:

Suchen wir den Jarl auf, der verspricht, die Nahrung des Wolfs[11] mit dem Schwert zu vermehren; beladen wir die Planken auf Sigvaldis schildbewehrtem Kriegsschiff; dieser Schwinger der Wundenschlange[12] stößt uns nicht zurück, wenn wir den Fürst treffen; tragen wir den Schild hinaus auf Endils Ski.[13]

Nun merkte der Jarl, daß Einarr fortwollte und forderte ihn auf, zum Gespräch zu ihm zu kommen. Dann nahm der Jarl zwei gute, aus gebranntem Silber gefertigte und vollständig vergoldete Waagschalen, zu denen zwei Gewichte, das eine aus Gold, das andere aus Silber, gehörten. Auf jedem war das Bildnis eines Menschen und sie hießen “Lose”. Sie hatten die Eigenschaft, daß, wenn der Jarl sie in die Waagschalen legte und bestimmte, was sie bezeichnen sollten, und dann das, das er wollte, nach oben kam, es sich so in der Schale verhielt, daß ein Ton entstand. Der Jarl gab Einarr die Schalen. Er freute sich darüber und wurde seither Einarr Schalenklang genannt.

Der zweite Isländer hieß Vigfúss und war der Sohn Víga-Glúms. Der dritte hieß Þórðr und wurde Linkshänder genannt. Der vierte war Þorleifr skúma, der Sohn Þorkels aus dem Dyrafjord. Er besorgte sich im Wald eine Keule oder eine halbe Baumwurzel, sengte sie im Feuer an und hielt sie in der Hand. Er begab sich auf Jarl Eiríks Schiff. Der Jarl sprach: “Was willst du mit dieser großen Keule?” Þorleifr dichtete:

Ich habe sie in der Hand,
gemacht für den Kopf,
Knochenbruch Búis,
Unglück Sigvaldis,
Verderben der Jomswikinger,
Verteidigung Hákons;
diese Eichenkeule
wird den Dänen
Schaden zufügen,
falls wir leben.

Vigfúss war auch auf Jarl Eiríks Schiff. Er nahm seinen Speer, schärfte ihn und dichtete:

Uns steht ein gutes Spiel bevor, aber der Freund der Frauen liegt zu Hause; das Unwetter des Viðrir[14] zieht heran; ich sage, daß der Frauenliebhaber Behaglichkeit unter dem warmen Arm der Frauen genießt; wir setzten unsere Speere instand; er erwartete sich anderes.

Nun bewegten sich die Flotten aufeinander zu und ein hitziger Kampf begann. Keine von beiden Seiten mußte zum Angriff aufgefordert werden. Es heißt, daß da, wo Sigvaldi und seine Leute es mit Jarl Hákon und Jarl Sveinn aufnahmen, alle standhielten und keiner mit seinem Schiff zurückwich. Auch zwischen Jarl Eiríkr und Vagn stand es ausgeglichen, aber dort, wo Búi und sein Bruder vorrückten, gab es große Hiebe und es schien besser, ihm auszuweichen. Die Jarlsleute zogen sich zurück und Búi verdrängte die Flotte der Jarle stark. Es gab dort großes Geschrei und heftiges Trompetenblasen. Als Jarl Eiríkr das sah, steuerte er dorthin und griff Búi an. Dort kam es zu einem sehr wilden Kampf. Der Jarl schaffte es, seine Schlachtlinie wieder auszurichten, aber nicht mehr. Sie hörten großes Geschrei von dort, wo Vagn und seine Leute waren. Der Jarl ruderte dorthin. Vagn hatte dort tüchtig aufgeräumt. Er war durch die Reihen des Jarls hindurchgebrochen und hatte den gesamten Flottenflügel aufgelöst. Als Jarl Eiríkr das sah, legte er sein eisenbeschlagenes Schiff längsseits zu Vagns Langschiff. Sie kämpften erneut und es wird allgemein gesagt, daß es niemals einen tapfreren Angriff gegeben hat. In diesem Moment sprangen Vagn und Áslákr hólmskalli auf Eiríks Schiff und gingen je auf einer Seite nach vorne und räumten sich so den Weg frei, daß alles vor ihnen zurückwich. Áslákr hatte eine unbedeckte Glatze und auch wenn man auf seine Glatze hieb, bissen die Waffen nicht besser, als hätte man mit einer Walbarte zugeschlagen.

Es war gutes Wetter und heißer Sonnenschein. Deshalb legten viele ihre Kleidung ab. Vagn und Áslákr erschlugen nun viele Männer. Jarl Eiríkr trieb seine Männer eifrig an. Da nahm Vigfúss Víga-Glúmsson einen großen, spitz zulaufenden Amboß und trieb ihn Áslákr in den Kopf. Die Spitze des Amboß sank ein und Áslákr ließ sofort sein Leben. Vagn aber ging an der anderen Schiffseite entlang und erschlug hitzig Leute. Þorleifr skúma lief auf ihn zu und schlug Vagn mit der Eichenkeule. Dieser Hieb traf den Helm und war so kräftig, daß der Helm zersprang. Vagn beugte sich nach außen über Bord und warf das Schwert nach Þorleifr. Dann sprang er über Bord auf sein Langschiff und kämpfte aufs tapferste. Jarl Eiríkr entfernte da sein Schiff, weil es von vorne bis zum Segel beinahe vollständig geräumt war. Da hatte auch Jarl Hákon das gesamte Heer an Land verlagert und es kam nun zu einer Kampfpause, in der sich der Jarl und seine Söhne trafen. Jarl Hákon sprach: “Ich meine zu sehen, daß sich die Schlacht zu unseren Ungunsten neigt. Ich hielt es für das Schlechteste, gegen diese Männer zu kämpfen und das bewahrheitet sich für mich. So wie es ist, wird es für uns nicht gut ausgehen, außer wir fassen irgendeinen guten Entschluß. Ich werde an Land hinaufgehen, aber ihr bleibt mit dem Heer hier für den Fall, daß sie angreifen.”

Nun stieg der Jarl auf die Insel Primsignd hinauf, ging fort in einen Wald, kniete sich hin, betete und schaute nach Norden. Er wendete sich mit seinen Bitten an seine Schutzgöttin Þorgerðr Hölgabrúðr, aber sie wollte ihn nicht erhören und war wütend. Er bot ihr Vieles als Opfer an, aber sie wollte es nicht annehmen. Die Lage schien ihm recht aussichtslos zu sein. Es kam soweit, daß er ihr ein Menschenopfer anbot, aber das wollte sie nicht annehmen. Schließlich bot er ihr seinen Sohn an, der Erling hieß und sieben Jahre alt war. Ihn nahm sie an. Daraufhin übergab der Jarl den Knaben seinem Sklaven Skopti. Der begab sich mit ihm fort und tötete ihn.

Anschließend begab sich der Jarl wieder zu seinen Schiffen und stachelte erneut seine Mannschaft an. “Ich weiß nun gewiß, daß uns der Sieg bestimmt sein wird. Strengt euch nun noch mehr an, denn ich habe die beiden Schwestern Þorgerðr und Irpa um unseren Sieg gebeten.” Dann ging der Jarl auf sein Schiff und bereitete sich erneut vor. Sie ruderten zum Angriff und es entbrannte erneut ein sehr harter Kampf. Als nächstes trübte sich das Wetter im Norden ein, es bewölkte sich rasch und es wurde dunkel. Dann flogen Blitze und es donnerte. Es entwickelte sich ein großes Unwetter und die Jomswikinger mußten entgegen dem Sturm angreifen. Es war ein so schreckliches Unwetter, daß die Männer kaum stehen bleiben konnten. Zuvor hatten einige Männer wegen der Hitze ihre Kleidung abgelegt, aber nun begann es, kalt zu werden. Dennoch suchten sie tapfer den Kampf. Aber wenn die Jomswikinger Steine oder Waffen schleuderten oder Speere warfen, schleuderte der Sturm das alles auf sie zurück und dazu kam der Angriff durch ihre Feinde.

Hávarðr höggvandi sah als erster Hölgabrúðr im Gefolge Jarl Hákons, ebenso wie viele andere hellseherische Männer. Als das Unwetter etwas nachließ, sahen sie, daß der Unholdin aus jedem Finger Pfeile flogen und jeder traf einen Mann. Sie sagten es Sigvaldi und dieser sprach: “Es sieht mir nicht so aus, als ob wir nur mit Menschen kämpfen, aber trotzdem muß sich jeder so gut bewähren, wie er kann.” Als das Unwetter sich etwas mäßigte rief Jarl Hákon erneut nach Þorgerðr und sagte, er habe sehr viel für den Sieg getan. Jetzt begann sich der Sturm aufs Neue zu entfachen und war nun viel größer und stärker als zuvor. Sogleich zu Beginn des Sturms sah Hávarðr höggvandi, daß zwei Frauen auf dem Schiff des Jarls waren und sich auf dieselbe Weise verhielten. Da sprach Sigvaldi: “jetzt will ich fliehen und alle meine Männer sollen das ebenso tun. Wir haben nicht geschworen, mit Trollen zu kämpfen. Außerdem ist es jetzt viel schlimmer als vorher, weil es jetzt zwei Hexen sind.

Dann löste Sigvaldi sein Schiff von den anderen und schrie zu Búi und Vagn hinüber, daß sie fliehen sollten. Vagn sagte, daß er als der elendigste Mensch fahren solle. In diesem Getümmel sprang Þorkell miðlangr von seinem Schiff auf das Búis. Er hieb sofort nach ihm und das alles ging sehr schnell. Er hieb ihm die Lippe ab und durch das ganze Kinn, so daß die Zähne aus dem Kopf flogen. Da sprach Búi: “Jetzt wird es dem dänischen Mädchen auf Bornholm schlechter erscheinen, mich zu küssen.” Dann verpaßte Búi Þorkell einen Gegenhieb. Es war glatt auf dem Schiff und als Þorkell sich in Sicherheit bringen wollte, fiel er gegen die oberste Plankenreihe des Schiffs. Der Hieb traf ihn in der Mitte und schnitt ihn auf der Bordwand in zwei Stücke. In dem Moment lief Sigmundr Brestisson, ein sehr guter Kämpfer, heran und griff Búi an. Es endete damit, daß Sigmundr Búi beide Hände am Handgelenk abschlug. Da steckte Búi die Stümpfe in die Trageringe an seinen Kisten und rief laut: “Über Bord, alle von Búis Männern!” Dann sprang er mit den Kisten über Bord. Daraufhin zog sich Sigvaldi aus der Flotte zurück. Da sprach Vagn diese Strophe:

Sigvaldi selbst hat uns unter die Keule gebracht, aber der übelgesinnte Feigling fuhr nach Hause nach Dänemark; er hat vor, bald seiner Frau in die Arme zu fallen; aber über die breite Bordwand sprang Búi mutig.

Sigvaldi war es kalt geworden. Daher ergriff er die Ruder und ruderte, während ein anderer steuerte. Da schleuderte Vagn den Speer auf Sigvaldi, aber er traf den, der steuerte und heftete diesen an die Bordwand. Þorkell der Hohe wendete sich sofort zur Flucht, als Sigvaldi gefahren war und das tat auch Sigurðr Mantel, sobald Búi über Bord gegangen war. Beide meinten, ihr Versprechen erfüllt zu haben. Sie hatten 24 Schiffe und fuhren nach Hause nach Dänemark.

Von Vagn ist nun zu erzählen, daß er und alle seine Männer sich aufs Neue tapfer zu verteidigen begannen. Alle, die noch waffenfähig waren, gingen auf das Langschiff. Aber Jarl Eiríkr und viele andere Anführer griffen daraufhin das Langschiff an und es kam zu einem sehr heftigen Kampf. Es geschah da so, wie es heißt, daß einer gegen viele keine Chance hat. Es fielen dabei so so viele von Vagns Männern, daß nicht mehr als 80 übrig waren. Sie verteidigten das erhöhte Achterdeck auf dem Langschiff.

Dann wurde es so dunkle Nacht, daß es nicht mehr hell genug zum Kampf war. Daraufhin ließ Jarl Eiríkr alle Takelage von diesem und allen anderen Schiffen entfernen und ruderte fort. Sie ließen die Schiffe über Nacht bewachen. Sie deckten sich mit Schilden und konnten sich für einen großen Sieg rühmen. Dann wogen sie in Waagschalen die Hagelkörner, um die Macht von Þorgerðr und Irpa zu ermessen, und jedes wog eine Unze.[15]

Nun besprachen Vagn und Björn der Waliser, was zu unternehmen war. “Eines von beidem,” sagte Vagn. “Hier auf den Tag zu warten und uns gefangen nehmen zu lassen, oder versuchen, an Land zu kommen, ihnen etwas Böses anzutun und uns dann in Sicherheit zu bringen.” Dann nahmen sie den Mastbaum und die Rahe und darauf versuchten die 80 Mann, in der Dunkelheit fortzukommen. Sie kamen bis zu der Schäre, aber da waren die meisten wegen ihrer Wunden und der Kälte völlig erschöpft. Deshalb konnten sie nicht weiter fort. Während der Nacht starben zehn Mann.

Als es am Morgen hell wurde, begannen die Jarlsleute, ihre Wunden zu verbinden. Da hörten sie das Surren einer Bogensehne. Ein Pfeil flog heran und traf Guðbrandr, einen Verwandten des Jarls, so, daß für ihn nichts mehr nötig war. Sie ruderten nun heran und durchsuchten die Schiffe. Auf Búis Schiff fanden sie Hávarðr höggvandi an einem Ende. Ihm fehlten beide Füße. Er sprach: “Wer von den Jungs ist vor Kurzem durch meinen Schuß niedergesunken?” Sie sagten es ihm. Hávarðr sprach: “Da hatte ich weniger Glück, als ich mir gewünscht hätte. Den Jarl wollte ich treffen.” Dann erschlugen sie Hávarðr. Jarl Eiríkr ging dorthin, wo Þorkell skúma stand und fragte: “Warum bist du von solcher Gesichtsfarbe, als seiest du dem Tod nahe?” Er sagte: “Ich weiß es nicht, außer daß Vagns Schwertspitze gestern ein wenig an mich gekommen ist, als ich ihm den Hieb mit der Keule verpaßte.” Der Jarl sprach: “Das wäre schlimm für deinen Vater.” Dies hörte Einarr Schalenklang und sprach eine Strophe:

Das sprach der Jarl zum Ruderer des Wellenpferdes[16] südlich des Meeres, wo Spuren des Wundenfeuers[17] auf dem Verteiler des Goldes waren:[18] größten Schaden hat dein Vater erlitten, das glauben wir mit Gewißheit, wenn du sterben wirst, Lenker der Pferde des Meeres.[19]

Dann starb Þorleifr.

 Die Erprobung der Jomswikinger

Nun sahen sie, daß auf der Schäre viele Männer waren. Der Jarl befahl, zu ihnen zu fahren und sie gefangen zu nehmen. Sie ruderten zu ihnen und sie wehrten sich da nicht. Dann wurden die 70 Mann an Land gebracht. Der Jarl ließ sie alle mit einem Seil zusammenbinden. Anschließend wurden alle ihre Schiffe an Land gebracht und all ihr Gut verteilt. Dann öffneten die Jarlsleute ihre Vorratsbeutel, speisten und prahlten äußerst überschwänglich. Als sie satt waren, gingen sie zu den Gefesselten und Þorkell leira wurde dazu bestimmt, die Jomswikinger hinzurichten.

Anschließend wurden drei Männer aus dem Seil gelöst. Sie waren stark verwundet. Sklaven wurden damit beauftragt, sie zu bewachen und ihnen einen Stock ins Haar zu drehen. Dann ging Þorkell leira daran, ihnen die Köpfe abzuschlagen. Hinterher sprach er: “Merkt ihr, ob ich mich bei dieser Tätigkeit irgendwie verändert habe? Denn viele sagen, daß man das tut, wenn man drei Leute hinrichtet.” Jarl Eiríkr sagte: “Wir sehen nicht, daß du dich dabei verändert hättest, aber dennoch scheinst du uns sehr verändert.” Dann wurde der vierte Mann aus dem Seil gelöst und ihm ein Stock ins Haar gedreht. Er war stark verwundet. Þorkell sprach: “Wie gefällt es dir zu sterben?” “Mein Tod gefällt mir gut. Mir wird es gehen, wie meinem Vater.” Þorkell sagte: “Was war mit ihm?” Er sagte: “Schlag zu. Er starb.” Da erschlug Þorkell ihn. Dann wurde der fünfte herangeführt und Þorkell fragte ihn, wie er darüber dachte, zu sterben. Er sagte: “Ich erinnerte mich nicht an die Gesetze der Jomswikinger, wenn ich Angst vor dem Tod hätte oder furchtsame Worte spräche. Einmal muß jeder sterben.” Þorkell erschlug ihn.

Nun nahmen sie sich vor, jeden von ihnen dasselbe zu fragen, bevor sie getötet wurden, und so die Männer zu erproben, ob sie so tapfer seien, wie gesagt wurde. Das sollte bewiesen sein, wenn keiner Worte der Furcht spräche. Dann wurde der sechste Mann herangeführt und ihm ein Stock ins Haar gedreht. Þorkell fragte wie zuvor. Er sagte, er finde es gut, mit gutem Ruhm zu sterben. “Aber du, Þorkell, wirst mit Schande leben.” Er erschlug diesen. Dann wurde der siebte dorthin geführt und Þorkell fragte wie gewöhnlich. “Mir gefällt es sehr gut, zu sterben, aber du schlag schnell zu. Ich habe ein Gürtelmesser in der Hand, denn wir Jomswikinger haben oft darüber diskutiert, ob ein Mann noch etwas weiß, wenn er sehr schnell erschlagen wird und der Kopf ab ist. Als Zeichen soll das dienen, daß ich das Messer vorstrecken werde, wenn ich noch etwas weiß, ansonsten wird es runterfallen.” Þorkell erschlug ihn und der Kopf flog davon, aber das Messer fiel nieder. Dann wurde der achte Mann gebracht und Þorkell fragte ihn wie gewohnt. Und als es ihm schien, daß nur noch kurz zu warten sein würde, sagte er: “Widder.” Þorkell stoppte im Hieb und fragte, wie er dazu komme, so etwas zu sagen. “Ein Widder wäre nicht zu viel für die Schafe, nach denen ihr Jarlsleute gestern geschrieen habt, als ihr Wunden abbekommen habt.”[20] “Elendigster von allen”, sagte Þorkell und versetzte ihm einen schallenden Schlag. Dann wurde der neunte Mann gelöst. Þorkell sagte dasselbe wie zuvor. Er sagte: “Mein Tod gefällt mir gut, so wie allen meinen Gefährten. Aber ich will mich nicht wie ein Schaf erschlagen lassen. Lieber will ich mit dem Antlitz nach vorne sitzen, du aber schlag mir von vorne ins Gesicht. Und paß sorgfältig auf, ob ich dabei zusammenzucke, denn darüber haben wir oft diskutiert.” Nun wurde es so getan, daß er nach vorne schaute und Þorkell vor ihn ging und ihm ins Gesicht hieb. Er zuckte nicht zusammen, außer, daß die Augen zugingen, als der Tod eintrat. Dann wurde der zehnte Mann herangeführt und Þorkell stellte ihm die Frage. Er aber sagte: “Ich hätte gern, daß du wartest, solange ich meine Notdurft verrichte.” “Das soll dir gewährt werden”, sagte Þorkell. Als er das erledigt hatte, sprach er: “Vieles kommt anders, als man meint. Ich hatte vor, zu Þóra Skagadóttur, der Frau des Jarls, ins Bett zu kommen.” Er schüttelte seinen Gefährten und zog dann die Hosen hoch. Jarl Hákon sprach: “Erschlag den so schnell wie möglich, denn er hat lange Schlimmes vorgehabt.” Þorkell erschlug ihn.

Dann wurde ein junger Mann herangeführt, der langes, blondes Haar hatte, das wie Seide war. Þorkell fragte ihn wie gewöhnlich. Er sagte: “Ich habe bis jetzt das schönste Leben gehabt. Nun sind vor kurzem diejenigen aus dem Leben geschieden, daß es mir nichts wert zu sein scheint, weiterzuleben. Aber ich will nicht, daß mich Sklaven zur Hinrichtung führen, sondern lieber einer, der von nicht geringerem Stand ist als du. So jemand wird nicht schwer zu finden sein. Er soll das Haar nach vorne vom Kopf weghalten und den Kopf wegziehen, so daß das Haar nicht blutig wird.” Ein Gefolgsmann ging hinzu, ergriff das Haar und wand es sich um die Hände. Þorkell hieb mit dem Schwert zu, aber in dem Moment riß der Jomswikinger den Kopf nach hinten und derjenige, der die Haare hielt, wurde vom Hieb getroffen, so daß es ihm beide Arme an den Ellenbogen abschnitt. Der Jomswikinger sprang auf und sprach: “Wer hat seine Hände in meinem Haar?”

Jarl Hákon sprach: “Großes Unglück geschieht nun. Erschlagt diesen so schnell wie möglich und ebenso die anderen, die noch übrig sind, denn diese Männer sind viel schlimmer handzuhaben, als daß wir mit damit klarkommen könnten.” Jarl Eiríkr sagte: “Wir wollen doch zuerst wissen, wer sie sind. Wie heißt du, junger Mann?” Er sagte: “Ich werde Sveinn genannt.” Der Jarl fragte: “Wessen Sohn bist du?” Er sagte: “Es heißt, ich sei ein Sohn des Búi.” Der Jarl fragte: “Wie alt bist du?” Er sagte: “Wenn ich dieses Jahr überlebe, bin ich 18.” Jarl Eiríkr sprach: “Du sollst es überleben.” Dann nahm ihn der Jarl zu sich. Jarl Hákon sprach: “Ich weiß nicht, warum der, der uns so große Schande angetan hat, entkommen soll, aber dennoch wirst du darüber entscheiden. Erschlagt weiter die Männer.”

Dann wurde ein Mann aus dem Seil gelöst, aber es wickelte sich um seinen Fuß, so daß er festgehalten wurde. Dieser war groß, jung und sehr flink. Þorkell fragte ihn, wie gut es ihm gefalle, zu sterben. “Gut”, sagte er. “Wenn ich nur zuvor mein Versprechen erfüllen könnte.” Jarl Eiríkr sprach: “Wie ist dein Name?” “Ich heiße Vagn”, sagte er. Der Jarl fragte, wessen Sohn er sei. Er sagte, er sei ein Sohn des Áki. Der Jarl sprach: “Was hast du versprochen, so daß es dir dann gut erschiene, zu sterben?” “Das”, sagte er, “daß ich ins Bett der Ingibjörg, der Tochter des Þorkell leira kommen würde, ohne die Zustimmung ihrer Verwandten und ihn selbst erschlagen würde, wenn ich nach Norwegen käme.” “Das werde ich verhindern!” sagte Þorkell. Er stürzte sich auf ihn und hieb beidhändig nach ihm, aber Björn der Waliser trat mit dem Fuß nach Vagn, so daß er hinfiel. Þorkell schlug über Vagn hinweg und stürzte dabei. Das Schwert entglitt ihm und kam gegen das Seil, so daß Vagn loskam. Da sprang er auf, ergriff das Schwert und schlug Þorkell den Todesstreich. Dann sprach Vagn: “Jetzt habe ich die Hälfte meines Versprechens erfüllt und nun gefällt es mir bedeutend besser.” Jarl Hákon sprach daraufhin: “Laßt ihn nicht entkommen und tötet ihn sogleich!” Jarl Eiríkr sprach: “Er soll ebensowenig getötet werden wie ich.” Jarl Hákon sagte: “Es hat keinen Sinn, wenn Wir uns einmischen, wo du allein bestimmen willst.” Jarl Eiríkr sprach: “Vagn ist ein Gewinn für uns und es scheint mir ein guter Tausch, ihn anstelle von Þorkell leira zu haben.” Daraufhin nahm Jarl Eiríkr Vagn zu sich.

Da sprach Vagn: “Es scheint mir nur unter einer Bedingung besser zu sein, zu leben: Daß allen unseren Gefährten Gnade gewährt wird. Ansonsten sollen wir alle denselben Weg gehen.” Jarl Eiríkr sagte: “Ich werde erst mit ihnen reden, bevor ich das tue.” Dann ging Jarl Eiríkr zu Björn dem Waliser und fragte ihn nach seinem Namen. Er nannte ihn. Der Jarl sprach: “Bist du der Björn, der so tapfer den Mann aus König Sveins Halle herausholte? Warum mußtest du uns angreifen, ein alter Mann mit weißem Haar? Es kann wahrhaftig gesagt werden, daß uns jeder Strohhalm stechen will. Willst du von Uns Gnade annehmen?” Björn sagte: “Ich will sie annehmen, wenn mein Ziehsohn Vagn befreit wird und alle die, die noch leben.” “Das werde ich dir gewähren, wenn ich darüber entscheiden kann.” Jarl Eiríkr bat nun seinen Vater, daß allen Jomswikingern, die übrig waren, Gnade gewährt werde. Jarl Hákon forderte ihn auf, darüber zu bestimmen. Sie wurden nun losgebunden und ihnen Frieden zugesichert.

Vagns Fahrt nach Osten in die Vík

Danach begab sich Vagn mit Jarl Eiríks Zustimmung nach Osten in die Vík. Er sprach, er wolle dorthin, um mit Ingibjörg Hochzeit zu halten, wie er es vorhatte. Er war den Winter über dort, aber im Frühling fuhr er Richtung Süden nach Dänemark und nach Hause zu seinen Besitzungen auf Fünen. Er verwaltete diese lange und viele berühmte Menschen stammen von ihm und Ingibjörg ab. Sie wurde für eine hervorragende Frau gehalten. Björn fuhr nach Hause nach Wales und herrschte dort, solange er lebte und wurde für einen sehr guten Mann gehalten solange er lebte. Aber als Sigvaldi nach Hause nach Dänemark kam, fuhr er zu seinen Besitzungen auf Seeland. Dort war seine Frau Ástríðr. Ástríðr ließ ihm ein Bad in einem Zuber bereiten, rieb ihm selbst den Rücken ab und sprach: “Ich meine, daß einige Jomswikinger in der Schlacht waren, die ein stärker zerlöchertes Fell von dort davongetragen haben. Deines scheint mir am besten mit Weizen gepflegt zu werden.”[21] Er sagte: “Es können noch andere Sachen geschehen, solange ich lebe, derer du dich nicht rühmen kannst. Laß es dir also egal sein.” Sigvaldi herrschte über Seeland und wurde für einen klugen Mann gehalten. Er kommt in zahlreichen Geschichten vor. Þorkell der Hohe wurde für einen sehr klugen Mann gehalten, was sich später oft bewahrheitete. Sigurðr Mantel übernahm sein Vatererbe auf Bornholm und wurde für einen sehr nützlichen Menschen gehalten. Von ihm und Tófa stammt ein großes Geschlecht ab. Viele Menschen erzählen, daß Búi zu einem Lindwurm geworden sei und sich auf sein Gold gelegt habe. Der Grund dafür ist, daß Leute im Hjörungavágr einen Lindwurm gesehen haben. Es ist aber auch möglich, daß sich ein böser Geist auf den Schatz gelegt hat und sich seither dort zeigt. Jarl Hákon herrschte danach nicht mehr lange über Norwegen, aber er wurde für diesen Sieg sehr berühmt. Dann kam der berühmte König Óláfr Tryggvason nach Norwegen. Da wurde Jarl Hákon ermordet, wie es in den Königsgeschichten heißt, aber König Óláfr christianisierte ganz Norwegen. Hier werden wir die Erzählung von den Jomswikingern beenden.

 

[1] Gustaf Cederschiöld: Jómsvíkinga saga efter skinnboken 7, 4to a Kungl. Biblioteket i Stockholm, Lund 1875.

[2] Saxland ist der altnordische Name für Deutschland, insbesondere das westliche Niederdeutschland.

[3] Ein Jarl ist eine Art selbständig herrschender Kleinkönig, der einem Oberkönig Abgaben und Heeresfolge leistet.

[4] Altnordisch knútr heißt “Knoten”. Das Begießen mit Wasser wird häufig als heidnisches Ritual bei der Namensgebung genannt.

[5] Das mehrtägige in der Mittwinterzeit gefeierte Fest.

[6] Die Söhne des berühmten Wikingers Ragnarr loðbrók sollen im 9. Jahrhundert England erobert haben.

[7] Eine Stange wird oft als Kennzeichnung einer Beutesammelstelle genannt.

[8] Altnordisch strútr bezeichnet einen hochstehende Spitze auf einer Kopfbedeckung.

[9] Die Vík ist der Oslofjord.

[10] Im Text der Handschrift scheint hier etwas ausgelassen zu sein.

[11] Nahrung des Wolfs: Leichen.

[12] Wundenschlange: Schwert; Schwinger der Wundenschlange: Krieger.

[13] Endill ist der Name eines Seekönigs; sein Ski ist das Schiff.

[14] Viðrir ist ein Name des Kriegsgottes Óðinn, sein Unwetter ist der Kampf.

[15] Eine Unze entspricht etwa 30 Gramm.

[16] Wellenpferd: Schiff; Ruderer des Wellenpferdes: Schiffsführer.

[17] Wundenfeuer: Schwert.

[18] Verteiler des Goldes: Mann.

[19] Pferde des Meeres: Schiffe; Lenker der Schiffe: Schiffsführer.

[20] Das Wortspiel beruht auf dem Gleichklang des altisländischen Substantivs á “Schaf” und des Schmerzensschreies.

[21] Hier ist wohl gemeint, daß Weizenmehl als Badezusatz verwendet wurde.

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