Sagas aus Island: Von Wikingern, Berserkern und Trollen

Herausgegeben und übersetzt von Reinhard Hennig und Rudolf Simek (2011)

Sagas aus Island – von Wikingern, Berserkern und Trollen

Dieser Band enthält mit der Saga von Egil Skalla-Grimsson (Egils saga Skalla-Grímssonar) und der Saga von Grettir (Grettis saga Ásmundarsonar) zwei mittelalterliche isländische Sagas, die zu Recht zur Weltliteratur gerechnet werden. Während die Handlung der einen fast die gesamte Wikingerzeit und ganz Nordeuropa abdeckt, liegt der Fokus der anderen auf Island selbst, wo der geächtete Held sich über viele Jahre im Hochland und auf menschenleeren Inseln verbirgt. Egil ist ein brutaler Wikinger, der auf eine lange Ahnenreihe von Berserkern mit übermenschlichen Kräften zurückblicken kann. Privat hingegen zeigt er sich als fürsorglicher Vater, der beinahe am Tod eines Sohnes zerbricht. Grettir zeichnet sich durch überragende körperliche Stärke aus, doch ist er seit seinem Kampf gegen einen unheimlichen Wiedergänger vom Unglück verfolgt. Neben diesen beiden “klassischen” Texten ist hier noch die Saga von Bard, dem Schutzgeist von Snaefell (Bárðar saga Snæfellsáss) erstmalig in deutscher Übersetzung enthalten. Auch sie wird zu den Isländersagas gezählt, doch ungewöhnlich an ihr ist, dass fast alle ihrer Charaktere aus Norwegen nach Island eingewanderte Trolle sind. Abgeschlossen wird der Band durch die fantasievolle und äußerst komische Vorzeitsaga vom Einhändigen Egil und Asmund, dem Berserkertöter (Egils saga einhenda ok Ásmundar berserkjabana).

Die Neuübersetzung der Saga von Egil Skalla-Grimsson stammt von Reinhard Hennig; die anderen drei Texte wurden von Rudolf Simek übersetzt. Der Band enthält als Orientierungshilfe ein Verzeichnis der wichtigsten Personen in den jeweiligen Sagas sowie ein Nachwort, das Hintergrundwissen zur isländischen Sagaliteratur und zu den Themen Wikinger, Berserker und Trolle vermittelt. Insgesamt umfasst der schön gestaltete Hardcover-Band fast 600 Seiten.

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Julian D. Richards: Die Wikinger, Stuttgart: Reclam 2011

Der kostengünstige Reclam-Band „Die Wikinger“ ist eine deutsche Übersetzung des Buchs The Vikings. A Very Short Introduction (2005) von Julian D. Richards. Richards ist Professor für Archäologie an der Universität York und bietet hier einen Kurzüberblick über die Wikingerzeit. Auf knapp 200 Seiten beschreibt er die Entstehung von Königreichen in Skandinavien, Veränderungen der dortigen Siedlungsmuster sowie die Entwicklung von Städten und Handel. Der größere Teil des Buchs widmet sich den Überfällen, Handelsaktivitäten und Migrationen von wikingerzeitlichen Skandinaviern in anderen Teilen Europas und bis hin nach Nordamerika.

Julian D. Richards: Die Wikinger

Bei der Lektüre wird schnell deutlich, dass Richards einen guten Überblick über die archäologischen Funde auch der jüngsten Vergangenheit hat. Der Beschreibung solcher Funde widmet er sich gerne ausführlich, während er schriftliche und bildliche Quellen zur Wikingerzeit tendenziell vernachlässigt. Aus etlichen Schreibfehlern und der uneinheitlichen Wiedergabe isländischer beziehungsweise altnordischer Begriffe und Namen ist ersichtlich, dass Richards über keine oder nur geringe Kenntnisse der nordischen Sprachen verfügt. Diese wären allerdings für das Projekt einer Gesamtdarstellung der Wikingerzeit durchaus von Vorteil gewesen – nicht zuletzt auch, um die aktuelle Forschungslage in Nordeuropa selbst angemessen einbeziehen zu können. Aussagen wie die, der Beiname des dänischen Königs Harald Blauzahn (altnordisch blátǫnn) bedeute „wahrscheinlich ›dunkle Gesichtsfarbe‹“ (S. 24) sind gelinde gesagt seltsam. Die genannten Fehler und die oft recht holperige Sprache des Buchs können allerdings zum Teil der deutschen Übersetzung geschuldet sein (einen Vergleich mit dem englischen Original habe ich nicht vorgenommen). Unschön ist auch, dass Richards nicht selten ohne weitere Erläuterung Fachbegriffe wie etwa ‚Kenotaph‘ benutzt, deren Kenntnis bei einem allgemein interessierten Publikum nicht vorausgesetzt werden kann. Zusätzlich erschwert wird die Lektüre für Leser ohne Vorkenntnisse dadurch, dass Begriffe wie ‚Großes Heer‘ im Text teils bereits weit vor der eigentlichen Erklärung, worum es sich dabei handelt, benutzt werden. Auch ist ein recht einseitiger Blickwinkel des Autors zu erkennen: Während die wikingerzeitlichen skandinavischen Aktivitäten auf dem Kontinent, sprich in West-, Mittel- und Osteuropa, nur in aller Kürze abgehandelt werden, sind den Britischen Inseln überproportional viele Seiten gewidmet. Aussagen wie die, um 1200 seien „alle skandinavischen Länder zu Nationalstaaten nach westeuropäischem Vorbild geworden“ (S. 18) sind zudem begrifflich problematisch – von ‚Nationalstaaten‘ im heutigen Sinn kann im Mittelalter nirgendwo die Rede sein.

Es stellt sich daher die Frage, welche Zielgruppe Richards mit seinem Buch im Auge hat. Für Leser ohne Vorkenntnisse dürfte es eine recht mühsame und teils schlicht unverständliche Lektüre darstellen. Wer allerdings bereits über Grundwissen über die Wikingerzeit verfügt, wird die Kürze der Darstellung als unbefriedigend empfinden und hier nur wenig Neues erfahren. Allemal lesenswert ist aber Richards‘ Schlusskapitel, in dem er auf die „Neuerfindung der Wikinger“ (S. 168) in der Neuzeit eingeht und dabei einen teils recht amüsanten Einblick in gegenwärtige Versuche gibt, die Wikingerzeit wiederzubeleben.

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Der 13te Krieger (The 13th Warrior, 1999)

Der 13te Krieger – The 13th Warrior

Der arabische Reisende Ahmed ibn Fadlan (Antonio Banderas) wird Zeuge eines Wikingerbegräbnisses. Als die Skandinavier die Nachricht ereilt, ihre Heimat werde von furchtbaren Monstern bedroht, schließt er sich als 13. einer Gruppe von Kriegern unter dem Anführer Buliwyf an und zieht mit ihnen nach Norden. Dort erwarten ihn harter Kampf und unvorstellbares Grauen …

Dieser unter der Regie John McTiernans und Michael Chrichtons gedrehte Film kam 1999 in die Kinos. Die Geschichte stützt sich anfangs auf einen Reisebericht des historischen ibn Fadlan, der darin tatsächlich die Bestattungsfeier in etwa so beschreibt, wie sie im Film in eindrücklicher Weise gezeigt wird. Dies dient allerdings nur als Aufhänger, denn von da an verlagert sich die Handlung immer mehr in den Fantasybereich. Hier sind vor allem bei dem altenglischen Epos Beowulf Anleihen vorgenommen worden, sowohl was das Namensmaterial betrifft als auch die Verteidigung einer Halle gegen ein nachts anrückendes Ungeheuer und der Kampf gegen ein weibliches Monster in einer hinter einem Wasserfall verborgenen Höhle. Ausstattung und Handlung sind keineswegs realistisch, so wird etwa in einer Szene mittels eines Schleifsteins aus einem Wikingerschwert ein Krummsäbel gefertigt und die vorgeblichen “Wikinger” reden modernes Norwegisch miteinander.

Trotz solcher Mankos ist der “13. Krieger” ein gut gemachtes und spannendes Actionspektakel mit einer gelungen bedrückenden Atmosphäre.

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Wickie und die starken Männer (2009)

Was kommt am Ende raus, wenn Michael “Bully” Herbig einen Wikingerfilm dreht? Nur alberner Klamauk, könnte man meinen. Doch diese Verfilmung der gleichnamigen Zeichentrickserie “Wickie und die starken Männer” (die wiederum auf den Romanen des schwedischen Schriftstellers Runer Jonsson basiert), ist gelungener, als zu erwarten war.

Wickie wächst in dem Wikingerdorf Flake auf, dessen Anführer sein starker Vater Halvar ist. Dieser ist enttäuscht darüber, dass sein einziger Sohn kein richtiger Wikinger zu werden scheint: Wickie hat zwar jede Menge toller Ideen, die er auch umzusetzen versteht, doch an dem, was viel wichtiger ist, nämlich Mut und Muskeln, fehlt es ihm – meint zumindest Halvar. Als eines Tages sämtliche Kinder des Dorfes von maskierten Feinden entführt werden, bietet die daraufhin eingeleitete Suche Wickie die Gelegenheit, sich die Anerkennung seines Vaters zu erwerben…

Die Geschichte ist nicht aus der Fernsehserie übernommen, allerdings auch nicht sonderlich originell – es zeigen sich deutliche Anklänge an die Monty-Python-Komödie “Erik der Wikinger” (die maskierten Bösen, das magische Horn auf der mysteriösen Insel…). Doch das verhindert ebenso wenig wie die manchmal sehr an Bayern erinnernde Landschaft Skandinaviens (gedreht wurde unter anderem am Walchensee) nicht, dass der Film vom Anfang bis zum Ende gut zu unterhalten weiß. Dazu trägt insbesondere die hervorragende schauspielerische Leistung der meisten Darsteller bei, allen voran Jonas Hämmerle als Wickie.

Wickie und die starken Männer – der Film

Zwar weiß inzwischen jedes Kind, dass Wikinger doch in Wirklichkeit gar keine Hörnerhelme hatten. Und auch die restliche Ausstattung des Films hat nichts mit authentischer Wikingerzeit zu tun. Doch finden sich für Kenner zuweilen witzige Details: So ist in dem Turm, in dem die finale Auseinandersetzung stattfindet, kurz eine dort verbaute Darstellung des Gottes Thor zu sehen -basierend auf dem bekannten Fund einer solchen Figur auf Island.

Alles in allem also ein Film, in den man unbedenklich die ganze Familie mitnehmen kann und an dem alle ihren Spaß haben werden.

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Walhalla (1988)

Wenn einem ein Gott etwas verbietet, sollte man es besser auch nicht machen. Das muß der junge Thjalfi erfahren, der trotz Thors Warnung beim Abendessen einen der Knochen von Thors Bock zerbricht. Als der Gott am nächsten Tag mit seinem Hammer das Tier wieder lebendig macht, lahmt es an einem Bein und der Rotbärtige ist stinksauer. Doch Loki schlägt vor, als Entschädigung einfach Thjalfi und dessen Schwester Röskva mit nach Asgard zu nehmen. So gelangen die beiden in das faszinierende Reich der Götter. Thor nimmt sie sogar mit auf eine Fahrt zum hinterlistigen Utgardloki…

Walhalla – der Film

Auf Basis von Peter Madsens dänischen Walhalla-Comics kam 1986 dieser Zeichentrickfilm in die Kinos, der jetzt auch in Deutschland auf DVD erhältlich ist. Er erzählt die Geschichte von Thors Fahrt zu Utgardloki in einer etwas abgewandelten, kinderfreundlichen Version. Ein lustiger Film mit schönen Bildern, der oft, aber nicht immer mit Snorri Sturlusons Edda übereinstimmt.

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Icelandic Saga / The Viking Sagas (1995)

Icelandic Saga / The Viking Sagas

Es handelt sich bei diesem 1995 erschienenen US-Film mit dem Originaltitel “Viking Sagas” um eine fiktive Geschichte aus der frühen Besiedlungszeit Islands, welches damals in Bezirke eingeteilt wurde, denen jeweils ein Gode, der vor allem als Gesetzesprecher beim jährlichen Althing fungierte, vorstand.

In “Icelandic Saga” strebt der brutale Ketil (Hinrik Olafson) nach Alleinherrschaft über die Insel und tötet hierzu den Vater von Kjartan (Ralph Moeller), um dessen “Zauberschwert”, das große Macht verheißt, zu bekommen. Doch Kjartan gelingt es, mit dem Schwert auf den Hof des Gesetzessprechers Magnus zu fliehen, wo er zunächst freundlich aufgenommen wird. Er verliebt sich in dessen Tochter Gudrun (Ingibjörg Stefansdottir), die bald darauf von ihm schwanger wird. Doch schon wenig später stöbern Ketils Männer sie auf und Kjartan flieht zusammen mit dem erfahrenen, aber wegen eines Mordes geächteten Krieger Gunnar (Sven-Ole Thorsen) in die Berge, wo er von diesem das Kämpfen lernt.

Um seinen Vater zur rächen, will Kjartan Ketil töten, doch er wird durch einen Pfeil verwundet und muß sich erneut verstecken. Zusammen mit Gudrun begibt er sich in eine verlassene Hütte, während Ketils Männer deren Familie niedermetzeln. Da Gudrun das Amt des Gesetzessprechers nun von ihrem Vater erbt, plant Ketil, durch sie das Althing zu beeinflussen und läßt sie entführen. Als dieses stattfindet, tauchen plötzlich Kjartan und Gunnar auf und kämpfen zusammen mit anderen rechtschaffenen Männern gegen Ketil, der schon bald durch Kjartan fällt. Damit ist der Kampf entschieden und das Gesetz auf Island gesichert. Gudrun gebiert einen Sohn, der als Erwachsener ein Gode wird.

“Icelandic Saga” ist im Vergleich zu anderen Wikingerfilmen relativ realitätsnah; die Geschichte hätte sich zumindest teilweise so zutragen können. Auch die Ausstattung der Schauspieler an Waffen, Kleidung und ähnlichem wirken vor der isländischen Landschaft als Kulisse überzeugend. Dennoch bedient sich selbstverständlich auch dieser Film reichlich in der Klischeekiste. Der “Held” ist natürlich groß, blond und immer glattrasiert. Brutale Opferrituale gehören für Regisseur Michael Chapman offensichtlich auch zu einer “richtigen” Wikingergesellschaft: Kjartans Vater will sich selbst Odin opfern und wickelt zu diesem Zweck seine Innereien um einen Felsen – daß ein solches Opfer ganz anders vonstatten ging, stört die Filmemacher nicht, Hauptsache viel Blut und möglichst widerlich (der gesamte Film spart nicht an solchen Szenen). Richtige Spannung kommt dank des einfallslosen Drehbuchs dennoch nie auf; man kann diesen Film also wahrlich nicht als Meisterwerk bezeichnen.

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Rudolf Simek: Die Wikinger (5. Auflage, 2009)

Rudolf Simek, Professor für mittelalterliche deutsche und skandinavische Literatur, behandelt in diesem Buch zahlreiche Aspekte der Wikingerzeit. Er beginnt damit, Ansichten über die Gründe für die wikingische Expansion zu erläutern, danach die Bedeutung der Wikinger aus der Sicht des Christentums. Anschließend erklärt er detailliert, weshalb die Wikingerschiffe so vorteilhaft waren und welche Bedeutung sie für die Männer der damaligen Zeit hatten. Im Folgenden wird die Ausbreitung der Wikinger nach Südwesten, Nordwesten und Osten in ihren verschiedenen Formen besprochen. Danach folgt ein interessantes Kapitel über das Alltagsleben, besondere Feste und Bräuche. Hieran schließt sich eine kurze Erklärung der wikingischen Gesellschaftsordnung an. Das vorletzte Kapitel handelt von den nordischen Quellen, die uns Wissen über die damalige Zeit überliefern, wie Runensteine und Skaldenlieder. Abschließend erläutert Simek die oft nicht gewaltfreie Christianisierung Skandinaviens.

Rudolf Simek: Die Wikinger (2009)

Es handelt hierbei wirklich um ein gelungenes Buch, welches gut recherchiert ist. Anlass zu negativer Kritik finde ich eigentlich kaum, außer daß man einige Dinge noch detaillierter hätte erläutern können, was allerdings bei einem Umfang von ca. 130 Seiten nicht möglich ist.

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Prinz Eisenherz (Prince Valiant, 1997)

Regisseur Anthony Hickox drehte dieses humorvolle Fantasyabenteuer 1997 nach Vorlage der beliebten Comics von Harold R. Foster. Bei Szenenwechseln werden deshalb auch häufig Zeichentrickelemente verwendet.

Prinz Eisenherz – der Film

Eisenherz, der in einem Kloster aufwuchs und seine Eltern nie kennenlernte, dient dem Ritter Gawain als Knappe am Hof des legendären König Artus. Während eines Turniers stehlen Wikinger unter Führung des grausamen Thagnar (Thomas Kretschmann) das Schwert Excalibur, das dem, der es besitzt, die Macht über die gesamte Welt verschafft. Thagnar bringt es seinem Bruder Sligon (Udo Kier), der mit Hilfe der Hexe Morgan Le Fey (Joanna Lumley) über Thule, das Land der Wikinger, herrscht. Doch das Schwert fährt in den Steinboden und nur ein gebürtiger König kann es wieder herausziehen. Morgan glaubt, in ihrem magischen Spiegel Sir Gawain als den Auserwählten zu erkennen, doch es handelt sich in Wirklichkeit um Eisenherz, der in dessen Rüstung die schöne schöne Prinzessin Ilene (Katherine Heigl) zur Burg ihres Vaters geleitet. Die Wikinger entführen daraufhin Sir Gawain und bei einem Rettungsversuch durch Eisenherz und Ilene auch die Prinzessin. Der niedergeschlagene Eisenherz trifft in einem Wirtshaus einen mysteriösen Mann, der ihm zur Überfahrt nach Thule verhilft. Dort stellt sich heraus, daß Eisenherz in Wirklichkeit der rechtmäßige Erbe des Thrones der Wikinger ist, dessen Sippe aber von Sligon vernichtet wurde – nur er wurde gerettet und nach England gebracht. Mit Hilfe seines kurz vorher engagierten Knappen (Warwick Davis) dringt Eisenherz in die Burg ein, um die Prinzessin zu befreien. Sir Gawain wurde bereits von Thagnar getötet, der nun auch seinen Bruder beseitigt, um selbst König zu sein. In einem finalen Kampf besiegt Eisenherz seine Feinde und rettet sowohl Ilene als auch das Schwert Excalibur, welches er König Artus zurückbringt.

Natürlich ist dieser Film im historischen Kontext gesehen völliger Blödsinn – schon alleine, Wikinger und König Artus in der selben Zeit anzusiedeln, ist absurd – aber gerade das macht ihn für Geschichtskenner so lustig. Denn da der Film sich selbst nicht ernst nimmt, kann er auch alle gängigen Fantasy- und Ritterfilmklischees einbringen, die ansonsten negativ auffallen. So sind die Wikinger (teilweise mit Hörnerhelm) natürlich richtig böse, die Prinzessin unglaublich schön und Eisenherz geradezu zum Helden geboren. Dennoch wirkt das ganze keineswegs albern, sondern ist wirklich gut verfilmt. Lediglich die Szene, in der in der Burg gelagerte Feuerwerkskörper explodieren, hätte man sich sparen können. Endlich einmal ein einigermaßen empfehlenswertes Werk!

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Die Wikinger (The Vikings, 1958)

Die Wikinger (The Vikings, 1958)

Ein englischer König wird von Wikingern getötet und seine Frau von deren Anführer Ragnar vergewaltigt. Ohne Wissen Æellas, des Nachfolger auf dem Thron, gebiert sie einen Knaben (Tony Curtis), der ohne Kenntnis seiner Herkunft als Sklave bei den Wikingern aufwächst. Als erwachsener Mann gerät er in Konflikt mit Ragnars anderem Sohn Einar (Kirk Douglas), nicht zuletzt da beide in die walisische Prinzessin Morgana (Janet Leigh) verliebt sind …

Richard Fleischers Film aus dem Jahr 1958 bedient alle Wikingerklischees zur Genüge: Saufen, Raufen, Vergewaltigen und ständiges Oooodin-Rufen gibt es hier ohne Unterlaß. Die Geschichte ist vage an die isländische Saga von Ragnar loðbrók angelehnt, allerdings wird Ragnar in dieser in eine Schlangen-, nicht in eine Wolfsgrube geworfen. Mit dem historisch oder archäologisch Belegbaren wird äußerst frei umgegangen, so läßt sich beispielsweise der Kompaß, der in “Die Wikinger” eine so große Rolle spielt, für die Wikingerzeit nicht nachweisen. Dank seiner bewußten und teils wohl auch unfreiwilligen Komik kann dieser Film aber als ein wahrer Klassiker des Genres gelten, den es sich anzuschauen lohnt.

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Frans G. Bengtsson: Die Abenteuer des Röde Orm

Dieser Roman des bekannten schwedischen Schriftstellers Franz G. Bengtsson (1894-1954) ist weltberühmt und wurde unter dem Titel “Raubzug der Wikinger” verfilmt. Die Geschichte spielt zur Zeit des Dänenkönigs Harald Blauzahn, also in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Sie beschreibt das abwechslungsreiche Leben des Wikingers Röde Orm.

Die Abenteuer des Röde Orm – Roman von Frans G. Bengtsson

Orm wächst in Schonen als jüngster Sohn des verhältnismäßig reichen Bauern Toste und dessen Frau Asa auf. Einer seiner Brüder hat die Heimat vor Jahren in Richtung Osten verlassen, der andere geht mit seinem Vater jedes Jahr auf Wikingfahrt nach Irland. Obwohl auch Orm gern mitfahren würde, wird es ihm nicht erlaubt, da seine Mutter Angst hat, ihn auch zu verlieren. Asa hat nämlich die Gabe, in Träumen Unheil in der Zukunft zu sehen. Doch im Sommer wird Orm von dem Wikingerhäuptling Krok entführt, als dieser für seine Schiffe, die sich gerade auf dem Weg nach Westen befinden, um dort zu plündern, einige Schafe als Nahrung stiehlt. Orm wird bald von der Besatzung als vollwertiges Mitglied akzeptiert und freundet sich vor allem mit Toke an. Von seinen neuen Gefährten erhält er auch, weil ihm ein roter Bart wächst, den Beinamen Röde. Von nun an beginnt sein aufregendes Leben, in dem er unter anderem in Gefangenschaft des Kalifen von Cordova gerät, sich einem Heerzug nach England anschließt und sogar einmal ins Gebiet des heutigen Rußlands kommt. Doch zuviel will ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten…

“Die Abenteuer des Röde Orm” ist ein spannender, lustiger und historisch gut recherchierter Roman. Der Wikingerkenner wird darin viele gut geschilderte Details bemerken, die die Sachkenntnis des Autors zeigen, so z.B. die Herrschaftsverhältnisse der damaligen Zeit. Orm begegnet oftmals bekannten Personen wie z.B. Sven Gabelbart oder dem damaligen englischen König Ethelred. Es ist wirklich bewundernswert, wie Bengtsson seine Figuren in die Welt der Wikingerzeit eingebaut hat. Aber auch zum schmunzeln bietet dieses Buch so einiges, wenn z.B. ein Wikingerhäuptling immer höhere Summen dafür verlangt, daß er sich taufen läßt. Womit wir bei einem Aspekt wären, der im gesamten Buch immer wieder auftritt: Der Konflikt zwischen Heidentum und Christenheit. Während allen anfangs der Gedanke, Christ zu werden, völlig abwegig erscheint und über die kirchlichen Priester nur gelacht wird, merkt man im Verlauf der Erzählung immer mehr, wie sich langsam das Christentum durchsetzt. Die Beschreibung dieses oftmals nicht gewaltfreien Prozesses ist dem Autor ebenfalls in erstaunlicher Weise gelungen. Man merkt, mit welch obskuren Mitteln die Kirchendiener oftmals versuchten, die Skandinavier zu ihrem Glauben zu bekehren, den kaum einer aus nichtweltlichen Gründen annimmt.

Durch diesen Roman fühlt man sich direkt in die Wikingerzeit hineinversetzt und es macht einfach Spaß, den Helden der Geschichte bei seinen Abenteuern zu begleiten. Trotz der 600 Seiten habe ich es in relativ kurzer Zeit durchgelesen, da das spannende Geschehen den Leser fesselt und es zugleich humorvoll erzählt ist. Ich kann nur jedem absolut empfehlen, “Die Abenteuer des Röde Orm” zu lesen, es lohnt sich wirklich.

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