Alt-Uppsala

Gamla-Uppsala oder Alt-Uppsala (schwedisch gammal = alt) ist heute ein Teil der schwedischen Universitätsstadt Uppsala. Es ist vor allem für drei auffällig große Grabhügel, die als Königshügel bezeichnet werden, bekannt. Berühmt ist der Ort außerdem aufgrund der Beschreibung eines heidnischen Tempels, der sich dort laut dem christlichen Geschichtsschreiber Adam von Bremen (gestorben ca. 1081) befunden haben soll. Adam schrieb in seiner Geschichte der Hamburgischen Bischöfe (Gesta Hammaburgensis Ecclesiae Pontificum), die Schweden hätten in Uppsala einen goldenen Tempel, in dem sie die Götter Thor, Odin und Freyr verehrten. Nahe dem Tempel befinde sich ein großer, immergrüner Baum und eine Quelle, an der u.a. Menschenopfer dargebracht würden. Alle neun Jahre finde in Uppsala ein großes Opferfest aller schwedischen Stämme statt. Dabei würden neun von jeder art männlicher Lebewesen geopfert, u.a. Hunde, Pferde und Menschen, und in den den Tempel umgebenden Bäumen aufgehängt.

Ähnliches schrieb auch der Isländer Snorri Sturluson in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Heimskringla, einer Geschichte der norwegischen Könige: “In Schweden war das alte Landessitte, solange es heidnisch war, daß das Hauptopferfest gegen Ende des Winters in Uppsala stattfinden sollte. Dort sollte für den Frieden und für den Sieg ihres Königs geopfert werden, und es sollten dorthin Menschen aus dem ganzen schwedischen Machtbereich kommen. Dort sollte auch das Thing aller Schweden stattfinden. Dort fanden auch eine Woche lang ein Markt und Handelsgeschäfte statt.” (Heimskringla, Saga von Olaf dem Heiligen, Kap.77)

Die frühere Forschung glaubte, daß Gamla-Uppsala bis etwa 1080 heidnisches Kultzentrum war und daß der Tempel von dem christlichen König Ingi zerstört wurde, nachdem dieser seinen Schwager, den heidnischen König Blót-Sveinn (Opfer-Sveinn), getötet hatte.

Alt-Uppsala. Blick von Westen auf die sogenannten Königshügel, im Hintergrund in der Mitte die Kirche.

Blick von Westen auf die sogenannten Königshügel, im Hintergrund in der Mitte die Kirche.

 

In der neueren Forschung wird aber die Schilderung Adams häufig angezweifelt. Gegen seine Darstellung spricht vor allem, daß in Gamla-Uppsala viele christliche Runensteine, die nachweislich aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammen, stehen. Das würde dafür sprechen, daß das Christentum dort zu Adams Zeit schon sehr verbreitet war und stellt in Frage, ob in unmittelbarer Nähe wirklich noch ein heidnischer Tempel existierte. Jedenfalls wurde laut dem Bischof Karl von Västerås (1258-71) über dem zerstörten Tempel eine Kirche errichtet. An der selben Stelle steht noch heute eine teils mittelalterliche Kirche, allerdings konnten Ausgrabungen im Bereich dieser Kirche und des Friedhofgeländes keinen eindeutigen Nachweis eines früheren Tempels erbringen.

In jedem Fall diente das Gelände von Gamla-Uppsala in vorchristlicher Zeit lange als Bestattungsstätte. Es sind mehrere unterschiedliche Grabfelder nachgewiesen worden und man geht von ursprünglich wohl mehr als 2000 Gräbern aus, allerdings wurden die meisten davon in jüngerer Zeit u.a. durch Ackerbau zerstört. In den drei großen Königshügeln wurden Brandbestattungen nachgewiesen. Der östliche Hügel enthielt einen Knochen eines 10-14jährigen Kindes unbekannten Geschlechts, Tierknochen sowie Reste verschiedener Grabbeigaben (Schild, Trinkhorn, Spielbrett und Wetzstein). Der mittlere Hügel wurde nicht näher untersucht, aber im Westhügel wurden Knochen eines Erwachsenen sowie Tierknochen (von zwei Hunden, Pferd, Schwein, Hund und Falke) gefunden, außerdem ebenfalls Reste von Grabbeigaben wie Schwert, Spielbrett und eine goldene Brosche. Die Datierung der Königshügel schwankt zwischen dem Ende des 5. Jahrhunderts n.Chr. und dem 7. Jahrhundert n.Chr.

Das sogenannte südliche Grabfeld enthält noch 147 Gräber und 37 Steinsetzungen. Nur wenige der Gräber wurden bisher archäologisch untersucht, allerdings dürften einige davon älter als die Königshügel sein. Westlich der Kirche wurden 1972-73 Reste einer Siedlung sowie weitere Grabstätten gefunden. Die Siedlung dürfte zumindest teilweise vorwikingerzeitlich sein, während die Gräber wahrscheinlich alle aus dem 9. Jahrhundert stammen. Vier davon sind sogenannte Bootsgräber, in einem wurde ein eiserner Thorshammeranhänger gefunden.

Außerdem wurden in der Nähe der heutigen Kirche Überreste einer großen Halle entdeckt, die vom frühen 7. Jahrhundert bis zum späten 8. Jahrhundert in Gebrauch war, allerdings nach einem Brand nicht mehr aufgebaut wurde.

Gamla-Uppsala . Blick auf den mittleren und westlichen Königshügel, dahinter das südliche Grabfeld.

Blick auf den mittleren und westlichen Königshügel, dahinter das südliche Grabfeld.

Gamla-Uppsala ist vom Bahnhof oder der Stadtmitte Uppsalas aus gut mit dem Bus zu erreichen. Seit Sommer 2000 gibt es dort auch ein Museum, das allerdings kaum interessante Fundstücke enthält, am sehenswertesten ist noch eine Dokumentation der Nutzung der Hügel (u.a. als Versammlungsstätte und für Wintersport) bis in die heutige Zeit. Große Teile der Ausstellung und die meisten dort organisierten Veranstaltungen richten sich allerdings an Kinder. Meines Erachtens lohnt sich der Besuch des Museums, auch in Anbetracht des hohen Eintrittspreises, nicht. Ein Spaziergang rund um die Grabhügel und die Besichtigung der Kirche sind aber zu jeder Jahreszeit ein schönes Erlebnis.

Gamla-Uppsala. Christlicher Runenstein, eingemauert in der hinteren Wand der Kirche.

Christlicher Runenstein, eingemauert in der hinteren Wand der Kirche.

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