Schlechte Luft in Wikingerhäusern

Die Luft in wikingerzeitlichen Häusern war wahrscheinlich stark gesundheitsgefährdend. Das haben Wissenschaftler der Universität Aarhus und des Dänischen Nationalmuseums in einem Experiment herausgefunden.

Im Winter 2011/2012 hatten Freiwillige einmal für fünf und einmal für zehn Wochen in Rekonstruktionen eines wikingerzeitlichen Haustyps auf den Museumsgeländen des Moesgård Museums und des Wikingerhafens Bork gelebt. Die Bedingungen sollten dabei so exakt wie möglich denen der Wikingerzeit entsprechen. So trugen die Freiwilligen entsprechende Kleidung, gingen typischen häuslichen Tätigkeiten der Wikingerzeit nach und nutzten ein offenes Holzfeuer zum Kochen, zum Heizen und als Lichtquelle.

Die für das Experiment verwendeten Häuser sind in der wikingerzeitlichen Stadt Haithabu gefundenen nachgebildet. Diese verfügten über eine äußere Wand aus Flechtwerk und Lehm und hatten Reetdächer. Die Innenwände und Türen waren aus Holz. Im Inneren waren die Häuser unterteilt in einen zentralen Wohnraum, an der Westseite einen Seitenraum für Haushaltstätigkeiten und an der Ostseite einen weiteren Seitenraum für verschiedene Arbeiten. Im Wohnraum gab es Erhöhungen an den Längsseiten, die als Sitzbänke und als Betten zugleich dienten. Die Häuser waren ca. 12 Meter lang und 5 Meter breit, die zentralen Wohnräume hatten eine Fläche von etwa 4 mal 5 Metern. In der Mitte des Wohnraums befand sich eine offene Feuerstelle. Schornsteine gab es nicht. Rauch zog durch ein Loch im Dach direkt über der Feuerstelle ab, das mit einer mittels eines Seils justierbaren Klappe versehen war.

In dem Experiment verwendeten die Freiwilligen Birken- und Eschenholz als Brennstoff. Das Feuer wurde an den meisten Tagen von 7:30 Uhr am Morgen bis etwa 22 Uhr am Abend unterhalten und erlöschte während der Nacht. Im Laufe des Experiments wurde an verschiedenen Stellen im Haus der Gehalt der Luft an Feinstaub, Kohlenstoffmonoxid und Kohlenstoffdioxid gemessen. Einige der Sensoren waren an der Kleidung von Freiwilligen befestigt, um möglichst genau die Werte der von diesen eingeatmeten Luft feststellen zu können.

Die Messwerte überschritten dabei meist deutlich die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerte für mittel- und langfristige Belastung. Sie lagen sogar weit über den Durchschnittswerten, die aus mit offenen Feuern beheizten Wohnstätten in heutigen Entwicklungsländern bekannt sind. Die Forscher führen einen Teil dieser hohen Werte zurück auf mangelnde Erfahrung der Teilnehmenden darin, ein offenes Holzfeuer so zu versorgen, dass es zu möglichst geringer Rauchentwicklung kommt. Sie betonen jedoch, dass selbst bei einer Halbierung der Messwerte diese noch immer deutlich höher wären als Vergleichswerte aus Entwicklungsländern der Gegenwart.

Doch nicht nur im Inneren den Häuser herrschten gesundheitsschädliche Bedingungen. Aus Messungen des Rauchs, der nach draußen in die Umgebung der Häuser gelangte, schließen die Wissenschaftler, dass die Luft im Freien in wikingerzeitlichen Städten wie Haithabu ebenfalls deutlich erhöhte Feinstaubwerte aufwies. Die Forscher nehmen an, dass das lebenslange Einatmen von Rauch in der Wikingerzeit eine häufige Krankheitsursache darstellte. Denn es ist  bekannt, dass in heutigen Entwicklungsländern  inbesondere Frauen und Kinder, die nahezu permanent dem Rauch von offenen Feuerstellen ausgesetzt sind, sehr häufig unter Atemwegs- und Kreislauferkrankungen leiden. Viele Menschen sterben vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung – und das dürfte in Anbetracht der Ergebnisse des Experiments wohl auch in der Wikingerzeit der Fall gewesen sein.

Die Ergebnisse des Experiments wurden 2014 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Indoor Air veröffentlicht. Der betreffende Artikel kann hier (kostenpflichtig) abgerufen werden.

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