Wikingerzeitliches Langhaus mitten in Reykjavík entdeckt

Inmitten der isländischen Hauptstadt Reykjavík wurden diesen Sommer bei Ausgrabungen überraschend die Überreste eines großen wikingerzeitlichen Langhauses entdeckt. Eigentlich sollten auf einem in der Lækjargata gelegenen Grundstück lediglich die Spuren eines Bauernhofes vom Ende des 18. Jahrhunderts erforscht werden. Dabei stießen die Archäologen jedoch auf die Wände des mehr als 20 Meter langen und 5,5 Meter breiten Hauses aus den ersten Jahrhunderten der Besiedlung Islands. Da sich der Rest des Gebäudes auf ein anderes Grundstück – heute mit moderner Bebauung – erstreckte und damit wahrscheinlich nicht erhalten ist, wird sich die exakte ursprüngliche Länge aller Voraussicht nach nicht bestimmen lassen.

In jedem Fall ist das nun gefundene Langhaus größer als eines aus dem 10. Jahrhundert, das nur wenige hundert Meter westlich davon entdeckt wurde und heute Teil der Ausstellung Reykjavík 871 +/-2 ist . Damit verändert der neue Fund die Sicht auf die frühe Geschichte der Gegend des heutigen Reykjavík: Offenbar lebten hier schon in der Wikingerzeit deutlich mehr Menschen als bislang angenommen.

Das nun zufällig entdeckte Langhaus hebt sich auch von vergleichbaren Funden im restlichen Land ab: Seine mehr als fünf Meter lange Feuerstelle ist die größte, die jemals in Island gefunden wurde. In der Grabungsstelle wurden zudem zahlreiche Gegenstände geborgen, darunter mehrere Spinnwirteln, diverse aus Norwegen importierte Wetzsteine und ein Silberring. Eine genaue Datierung des Gebäudes steht noch aus und wird nun, nach Abschluss der Grabung, vorgenommen werden.

Die Fundstelle des Langhauses in der Lækjargata in Reykjavík. Hinten rechts (nahe an der Ecke des weißen Hauses) ist die außergewöhnlich lange Feuerstelle zu sehen.

Ausgrabungen in der Lækjargata in Reykjavík im Sommer 2015. Hinten rechts (nahe an der Ecke des weißen Hauses) ist die außergewöhnlich große Feuerstelle des wikingerzeitlichen Langhauses zu sehen.
(Foto: Harriet Jean Evans)

Wie es mit der Fundstelle weitergeht, ist noch unklar. Auf dem Grundstück, auf dem sich zuvor ein Parkplatz befand, soll ein Hotel erricht werden. Dadurch würden die Überreste des Langhauses unwiederbringlich zerstört. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird jedoch genau dies geschehen. Es gibt allerdings die Überlegung, zumindest die außergewöhnlich große Feuerstelle des Hauses in irgendeiner Form zu bewahren und zur Besichtigung zugänglich zu machen.

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