Beowulf and Grendel (2005)

Nach Graham Bakers 1999 erschienenem “Beowulf”, einem übelst schlechten Film, der nur sehr entfernt etwas mit dem altenglischen Epos zu tun hatte und die Handlung in eine postapokalyptische Zukunft verlegte, kam 2005 eine neue Verfilmung des Stoffes unter der Regie von Sturla Gunnarsson in die Kinos. Diese folgt ziemlich genau der literarischen Vorlage, natürlich mit gewisser interpretatorischer Freiheit:

Beowulf and Grendel

Der dänische König Hrothgar läßt eine prächtige Trinkhalle bauen. Doch schon in der ersten Nacht nach der Einweihung, als Hrothgars Gefolge tief betrunken schläft, kommt Grendel, ein riesiger Unhold, und richtet ein Blutbad unter ihnen an. Keiner scheint etwas gegen das Monster ausrichten zu können, bis der gautische Held Beowulf mit seinen Männern und der festen Absicht, den Troll zu besiegen, in der Halle erscheint. Doch es stellt sich nach und nach heraus, daß Grendel gar kein Troll ist und noch dazu einen guten Grund hat, sich an den Dänen zu rächen…

“Beowulf and Grendel” bleibt trotz einiger Hinzufügungen, etwa der Rolle einer im ursprünglichen Werk nicht vorkommenden Hexe, äußerst nah am Inhalt des Heldenepos, deutet aber dessen Hintergrund sozial und psychologisch. Auf übernatürliche Elemente wird – mit Ausnahme von Grendels Mutter – vollkommen verzichtet. Hrothgar ist hier nicht der ruhmreiche König, sondern ein körperlich und seelisch ruinierter Säufer, der sich seiner Aufgabe, sein Gefolge zu beschützen, nicht mehr gewachsen sieht. Grendel ist kein Monster, sondern ein körperlich und geistig Behinderter, dessen Vater einst von Hrothgars Leuten ermordet wurde. Beowulf selbst ist kein Haudrauf, sondern ein eher nachdenklicher Held, der das, was er tun muß, am Schluß bereut. Doch am Ende des Films beginnt bereits ein Dichter, Beowulfs Taten zu glorifizieren – ein durchaus interessanter Ansatz.

Was aber die Ausstattung des Filmes betrifft, so ist diese etwas karg: Mit Ausnahme der Königshalle und einiger Fischerhütten tauchen kaum Gebäude auf, der König der Gauten scheint gar völlig obdachlos zu sein, da es sich wohl nicht gelohnt hätte, für eine einzige Szene eine zweite Halle zusammenzuzimmern. Zwar spielt die Handlung größtenteils in Dänemark, doch wurde hier – aus welchem Grund auch immer – als Drehort stattdessen Island gewählt, das absolut nicht dänisch wirkt, dem Film andererseits natürlich zu schönen Landschaftsaufnahmen verhilft. Die Historizität der verwendeten Kleidung, Rüstung und Waffen kann ich nicht beurteilen, die dargestellte Religion – Thorshämmer, Valhall als Kriegerparadies etc. – ist aber nicht die des 6. Jahrhunderts, sondern eher spätwikingerzeitlich bzw. die der hochmittelalterlichen schriftlichen Überlieferung – mangels anderer Quellen ein durchaus verständlicher Anachronismus.

Trotz der sparsamen Ausstattung ist “Beowulf and Grendel” also durchaus sehenswert. Es schadet allerdings nicht, auch das Epos selbst zu lesen. Der Film endet nämlich mit der Rückfahrt des Helden nach Gautland – und so erfährt man nichts vom Kampf des gealterten Beowulf gegen den Drachen…

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